| 00.00 Uhr

Schmuckausstellung
Schlangestehen vorm Bordell

Düsseldorf: Schlangestehen vorm Bordell
Neben Schmuck war am Samstag auch die Ausstattung des Etablissements an der Rethelstraße zu kaufen. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Die große Schmuckausstellung ist am Samstag das Eine. Vor allem aber wollen sich die Besucher des früheren Bordells an der Rethelstraße die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einmal zu sehen, wie es drin so aussieht. Von Beate Werthschulte

Den Titel der Schmuckausstellung "Fürchtet Euch nicht!" der Schmuckgestalter von Düsselgold nehmen die - zumeist weiblichen - Besucher dabei wörtlich. So haben alle sichtlich Spaß daran, das große rote Bett zu fotografieren oder ein Selfie in der herzförmigen Badewanne zu schießen - und die Schmuckstücke anzuschauen. Allein in den ersten zwei Stunden seien mehr als 200 Menschen gekommen, berichtet Türsteher Heinz Rüsing. Er soll dafür sorgen, dass das Gedränge nicht zu groß wird, denn die Räume sind eher klein, die Treppe in die erste Etage ist schmal. Deshalb müssen manche Besucher eine Weile warten, bis es drin wieder leerer geworden ist, und Rüsing sie hineinlässt. "Die Leute haben heute Mittag sogar vor dem Eingang Schlange gestanden und darauf gewartet, dass die Tür geöffnet wird", erzählt Designer Uwe Czerwanski.

Die Idee zu dem ungewöhnlichen Ausstellungsort sei eher zufällig entstanden, sagt er. Düsselgold organisiert seit 2007 jedes Jahr mindestens eine Ausstellung. Diese fanden in den vergangenen Jahren meistens im Goethe-Museum statt. Aufgrund der dort anstehenden Bauarbeiten musste ein anderer Ort gefunden werden, und da eines der Düsselgold-Mitglieder mit dem Besitzer der Häuser in der Rethelstraße gut bekannt ist, wurde spontan entschieden, dieses Mal in den ehemaligen Bordellräumen auszustellen. "Die Räume sind unkonventionell und spektakulär", sagt Goldschmiedin Anke Kanning. Das findet auch ihr Sohn Markus, der die Gelegenheit nutzt, sich gemeinsam mit seiner Freundin überall umzuschauen. Unkonventionell ist hier auch die Art der Schmuckpräsentation. Die Designer zeigen ihre Stücke nämlich in edlen, zum Teil mit rotem Samt ausgeschlagenen, Koffern. "Normalerweise wird der Schmuck in Vitrinen präsentiert, aber die Koffer passen hier einfach viel besser hin", erklärt Kanning: "Und so kamen wir mit unseren gepackten Koffern ins Bordell."

Dass die meisten Besucher nicht unbedingt wegen des Schmucks gekommen sind, wissen die Designer natürlich. Der größte Andrang herrscht nämlich dort, wo die zum Etablissement gehörenden Gegenstände verkauft werden. Seien es nun Lampen, Bilder, Spiegel mit Glitzerrand, Pin-up-Figuren in unterschiedlichen Größen, Champagnerkübel, neue oder auch gebrauchte Bademäntel, Frotteeschlappen - fast alles ist hier käuflich. Britta Beumers hat gerade einen Bademantel erstanden und erzählt, sie habe über Facebook von der Veranstaltung erfahren und sei neugierig geworden. "Wann hat man als Frau schon mal die Gelegenheit, ein solches Haus von innen zu sehen", sagt sie.

Designerin Susanne Leu freut sich trotzdem, dabei zu sein. Selbst wenn sie nicht unbedingt etwas verkauft, nutzt sie die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. "So viele Besucher hatten wir noch bei keiner einzigen Ausstellung." Darüber freut sich auch Anemone Tontsch, Mitbegründerin von Düsselgold. "Natürlich sind die meisten Besucher eher an der Location interessiert, aber darüber kommt man leicht miteinander ins Gespräch, und das eine oder andere Schmuckstück lässt sich dann doch verkaufen." Zumal viel mehr Frauen als Männer gekommen sind. Woran das liegt? "Vielleicht sind Frauen einfach neugieriger", meint Tontschs Mutter Sigrid.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Schlangestehen vorm Bordell


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.