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Prozess in Düsseldorf
Schweizer Jungen missbraucht - Gericht schließt Öffentlichkeit aus

Düsseldorf: Schweizer Junge missbraucht - Verteidiger fordert Ausschluss der Öffentlichkeit
Der Prozess findet vor dem Landgericht Düsseldorf statt. FOTO: dpa, fpt mov axs
Vor dem Landgericht in Düsseldorf hat am Freitagmorgen der Prozess gegen einen Mann begonnen, der einen Zwölfjährigen aus der Schweiz nach Düsseldorf gelockt und missbraucht haben soll. Die Öffentlichkeit wurde ausgeschlossen.  Von Wulf Kannegießer, Düsseldorf

Vornüber gebeugt auf der Anklagebank, das Gesicht hinter einem vorgehaltenen Aktenordner noch zusätzlich gegen Kameraaufnahmen geschützt  – so ließ ein 37-jähriger Koch am Freitag den Prozessbeginn vor dem Düsseldorfer Landgericht über sich ergehen. Laut Anklage soll er im Juni einen 12-jährigen Jungen aus der Schweiz in seine Wohnung gelockt, das Kind über Tage hinweg vielfach sexuell missbraucht haben – bis es der Polizei gelang, den Jungen aufzuspüren und zu befreien.

Bei Gericht vertritt nun ein Opferanwalt die Interessen des Zwölfjährigen. Ob der Junge aber aus der Schweiz zur Verhandlung anreist, ist ungewiss. Sein Anwalt betonte am Rande der Verhandlung, dass das Opfer unter Veröffentlichungen über diese Anklage jetzt "sehr zu leiden" habe, vor allem von Mitschülern in der Schweiz gemobbt werde, deshalb wohl gar die Schule wechseln müsse.

Details zum Sexualleben des Angeklagten bleiben privat

Vom Prozessverlauf werden Zuschauer wohl weitgehend ausgeschlossen sein – teils, weil der Verteidiger das so beantragt hat, teils aber auch mit Rücksicht auf die schutzwürdigen Interessen des Kindes, das hier laut Anklage zum Opfer schweren sexuellen Missbrauchs in einer Vielzahl von Fällen geworden ist. Sogar bei der Verlesung der Anklage war Publikum nicht zugelassen.

Nach RP-Informationen wird dem Koch in der Anklage vorgeworfen, den Jungen Anfang 2016 über das Computer-Online-Spiel "Minecraft" kennengelernt, sich das Vertrauen des Kindes erschlichen zu haben. Mitte Juni sei der 37-Jährige in die Schweiz gereist, um das Kind nicht nur zu treffen, sondern den minderjährigen Schüler per Bus und Bahn nach Düsseldorf zu bringen. In seiner Wohnung habe er den Jungen tagelang versteckt und in mindestens 15 Fällen sexuell missbraucht. Als die Polizei die Wohnung stürmte, fanden Beamte angeblich auch tausende kinderpornografischer Fotos und Videos. In einer mehrstündigen Vernehmung, aufgezeichnet auf Video, soll der 37-Jährige schwere sexuelle Übergriffe auf den Schweizer Schüler gestanden habe. Ob der Koch das im Strafprozess jetzt aber wiederholt, soll nicht öffentlich bekannt werden. Zu viele Umstände aus seinem Sexualleben, seinen Neigungen und Praktiken würden dabei erörtert, fürchtet sein Anwalt, setzte daher den Ausschluss der Öffentlichkeit gleich zu Prozessbeginn durch.

An der Verhandlung beteiligt ist allerdings auch ein psychiatrischer Gutachter, der die Schuldfähigkeit des Angeklagten beurteilen soll. Nach RP-Informationen könnte das sogar dazu führen, dass der 37-Jährige für seine Taten nicht in Haft kommt, sondern mit der dauerhaften Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie-Klinik rechnen muss. Für die Verhandlung sind bisher drei Prozesstage eingeplant, ein Urteil wird am 9. Dezember erwartet.

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