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Düsseldorf
SEK-Chef lässt sich per Helikopter zum Dienst fliegen

Düsseldorf: SEK-Chef per Helikopter zum Dienst
Umstrittener Helikopter-Einsatz an der Kölner Severinsbrücke. Nun gibt es auch um einen Düsseldorfer SEK-Beamten einen Skandal: Er ließ sich per Helikopter aus dem Urlaub abholen. FOTO: privat
Düsseldorf. Nach gemeinsamen Recherchen des "Westfalen-Blatt" und unserer Redaktion hat sich der damalige Leiter eines Düsseldorfer Spezialeinsatzkommandos (SEK) im Februar 2012 per Hubschrauber aus seinem Wochenende in Ostwestfalen zum Dienst fliegen lassen. Kosten: Mutmaßlich weit über 1000 Euro. Von Thomas Reisener

Der ehemalige Skandal-Manager Thomas Middelhoff musste sich vor einem Jahr noch vor Gericht verantworten, weil er auf Firmenkosten per Hubschrauber zum Dienst in die Arcandor-Zentrale geflogen ist. Ähnlichen Luxus gibt es also offenbar auch für Beamte.

Das Polizeipräsidium Düsseldorf bestätigt den Vorgang. "Der Beamte wurde in Ostwestfalen aufgenommen und zu seinem damaligen Dienstort Düsseldorf geflogen", sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Und zwar "um die Leitung eines unerwarteten SE-Einsatzes in einer anderen Kreispolizeibehörde, in den mehrere Spezialeinheiten eingebunden waren, zu übernehmen". In den Spezialeinheiten (SE) bündeln die Polizeipräsidien ihre Elite-Einheiten, zu denen auch die SEKs gehören. Insidern zufolge ging es bei dem Einsatz um eine Bagatelle. Laut Polizeipräsidium Düsseldorf "um einen Einsatz zur Bekämpfung von Schwerstkriminalität".

Fast-Roping: Eine Trainingseinheit des SEK am Rhein FOTO: Ralph Matzerath

Beides muss sich nicht ausschließen: Qua Definition ist das gesamte SEK ein Instrument zur Bekämpfung der Schwerstkriminalität, was nicht bedeutet, dass alle SEK-Einsätze gleich gefährlich oder wichtig sind. Der Polizei-Experte der CDU im Landtag, Gregor Golland, will den Vorgang deshalb parlamentarisch aufklären lassen. "Entweder das Polizeipräsidium Düsseldorf hat keine funktionierende Vertretungsregelung, oder der Hubschraubereinsatz war völlig übertrieben", so Golland, "bei allem Respekt für die harte Arbeit der Beamten: Die Steuerzahler, die den Flug bezahlen, müssen auch hart arbeiten."

Pikant: Der betreffende Beamte steht auch schon im Zentrum einer anderen Hubschrauber-Affäre. Nach seinem späteren Wechsel zum Polizeipräsidium Köln war er einer der fünf SE-Beamten, die sich im August 2014 aus einem Hubschrauber auf dem fast 80 Meter hohen Pfeiler der Kölner Severinsbrücke fotografieren ließen. Die offiziell als Höhenübung deklarierte Aktion war in Wahrheit ein aufwändig inszeniertes Abschiedsfoto.

Quelle: RP
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