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Düsseldorf-Urdenbach
Sonne lacht zum Erntedank-Umzug

Impressionen vom Erntedankfest in Urdenbach
Impressionen vom Erntedankfest in Urdenbach FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. 1400 Teilnehmer zogen Sonntagmittag durch Düsseldorf-Urdenbach. An den Straßenrändern freuten sich mehrere tausend Zuschauer über die mit Erntegaben geschmückten Festwagen. Von Andrea Röhrig

Brigitte Bender lebt seit 1966 in Düsseldorf, genauer gesagt in Unterrath. Doch beim großen Festumzug zum Erntedankfest in Urdenbach war sie bisher noch nie. Irgendetwas sei immer dazwischen gekommen, erzählt sie. Bis gestern. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln machte sich die 69-Jährige am Vormittag auf den Weg und kam zwei Stunden später im Süden der Stadt endlich an.

Vor Ort war sie schnell versöhnt mit der langen Anreise: Im gesamten Urdenbacher Ortskern tummelten sich bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen tausende fröhliche Besucher, viele von ihnen in Dirndl und Lederhose. Viele Bewohner entlang des Zugweges hatten ihr halbes Wohnzimmer - und dabei vor allem jede Menge Sitzgelegenheiten - vor die Tür gestellt. Die Tische bogen sich unter den Leckereien in fester und flüssiger Form.

Und dann ging er, wie immer mit ein wenig Verspätung, endlich los, der große Umzug zum 85. Erntedankfest des Allgemeinen Bürgerverein Urdenbach (ABVU), der übrigens in diesem Jahr seinen 95. Geburtstag feiert. Passend dazu ganz vorne im Zug deren Vorsitzender, Arnold Sevenich. Mehr als 1400 Teilnehmer zogen in 41 Gruppen hinter ihm durch Urdenbachs Straßen. Zum Vergleich: 1983 waren es 23 gewesen. Elf Musikgruppen - darunter auch die Blechbläserklasse des Gymnasiums Koblenzer Straße - sorgten dafür, dass am Straßenrand kräftig mitgeschunkelt wurde.

Die beste Aussicht hat das Blotschenpaar

Wer mitzählte, kam zudem auf die stolze Zahl von 187 mit Erntegaben geschmückten Schürreskarren. Das sind einrädrige Holzkarren, die bis ins 20. Jahrhundert dazu benutzt wurden, um Fässer oder Steine zu transportieren. Die Karren und ihre Schieber konnten die Zuschauer kurz nach dem Umzug beim traditionellen Schürreskarrenrennen wiedersehen.

Gleich vier der 35 mitziehenden Erntedankgruppen feierten in diesem Jahr ein Jubiläum: zehn Jahre Kämpeknicker, 30 Jahre Kümmerlinge, 50 Jahre Töpferjonges und 70 Jahre Schlossparksiedlung.

Den besten Platz im Zug hatte das amtierende Blotschenpaar Udo Roth und Sandra Roth-Reuter. Beim Blotschenball hatten sie im vergangenen Jahr gezeigt, dass sie in den typischen Holzschuhen nicht nur laufen, sondern sogar gut tanzen können. Das brachte ihnen das Privileg ein, den Festumzug in diesem Jahr hoch auf dem - wenn auch nicht gelben - Wagen zu erleben. Da das Paar in Urdenbach die Gaststätte "Extratour Zum Alten Rhein" betreibt, war der Erntedankwagen passend mit jeder Menge hölzerner, wenn auch wohl leerer, Bierfässer geschmückt.

So mancher wird sich nun fragen, was unterscheidet den Umzug zum Erntedankfest von einem Karnevalszug? Vor allem, dass kaum Kamelle unters Volk verteilt werden. Immerhin sein kleines Händchen voll Süßigkeiten konnte Jonah mit seinen 22 Monaten am Ende mit nach Hause nehmen. Sowie eine Kartoffel, die ihm von einer Teilnehmerin des Umzuges persönlich mit den Worten überreicht wurde: "Für ein Mittagessen." Damit es für einen Gemüsetopf für die ganze Familie reicht, hätten Mama und Papa allerdings noch weitere Erntegaben von den Festwagen klauben müssen.

Quelle: RP
 
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