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Düsseldorf
„Start-up-Apartments“ für Obdachlose

Düsseldorf: „Start-up-Apartments“ für Obdachlose
Zarko Jovanovic hat mit seinem "Start-up-Apartment" ein halbes Jahr lang eine kleine Wohnung. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Vier Wohnungen der Diakonie sind seit Januar die neue Heimat für ehemalige Obdachlose - jeweils aber nur für ein halbes Jahr. Das betreute Wohnprojekt soll ihnen die Möglichkeit zur Wohnungs- und Arbeitsssuche geben. Von Oliver Burgwig

Zarko Jovanovics Geschichte schrieb das Leben, sie könnte aber auch Inhalt eines Filmdramas sein. Als vor fünf Jahren seine Frau schwer erkrankte, pflegte er sie tagsüber, nachts arbeitete er bis zu 15 Stunden. Nach dreieinhalb Jahren holte ihn die Belastung ein, er kündige seinen Job, die Familie seiner Frau ließ ihn nicht mehr zu ihr, bald kündigte man ihm auch seine Wohnung. Ein Jahr kam er bei verschiedenen Verwandten und Bekannten unter, jetzt hat er eine Bleibe - wenn auch nur vorübergehend.

"Start-up-Apartments" nennen sich die vier 20 bis 30 Quadratmeter großen Wohnungen, die die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWD) der Diakonie zehn Jahre mietfrei zur Verfügung stellte. Diese baute mithilfe von Spenden und Unterstützung vom Obdachlosenprojekt "fiftyfifty" die ursprünglich zwei großen Wohnungen zu vier Einzelapartments um und richtete sie ein - "einfach, aber schön", sagt Dirk Redemann, Leiter des "Betreuten Wohnens" der Diakonie. "Für Wohnungslose gibt es in der Stadt ein ausdifferenziertes System. Was aber fehlt, ist die Möglichkeit, schnell Wohnraum besorgen zu können", sagt Redemann. Denn Menschen, die keine Wohnung haben, können keine Post erhalten, was Schwierigkeiten mit der Job- und Wohnungssuche und der Beantragung dringend benötigter Sozialleistungen mit sich bringt. Die Miete für die vier Bewohner (jeweils um die 350 Euro) zahlt das Jobcenter.

Bevor Jovanovic sein Apartment bekam, war er ein Jahr lang wohnungslos, obwohl er durchgehend gesucht habe. Auch eine Arbeit will der 44-jährige wieder aufnehmen: "Eigentlich egal, was." Mehrere Monate schlief er bei Verwandten in Österreich, sah seine Kinder, die bei der Schwiegermutter in Düsseldorf lebten, so gut wie nicht. Auch das will er ändern. "Ich hoffe, mit der Hilfe, die ich hier erhalte, eine eigene Wohnung zu finden", sagt Jovanovic. Zusätzlich zu den Einraumwohnungen bekommen die Bewohner eine Betreuungsperson zur Seite gestellt, die ihnen bis zu drei Stunden in der Woche bei der Suche nach einer dauerhaften Wohnung hilft. Darüber hinaus ist eine Nachbetreuung möglich, um sie beim Aufbau des neuen Lebens nach der Obdachlosigkeit zu unterstützen.

Eine Wohnung, das ist laut Redemann mehr als ein Dach über dem Kopf. "Sie ist eine Prophylaxe gegen Kleinkriminalität, ermöglicht ein sicheres Einkommen und eine geregelte Lebens- und Tagesstruktur." Damit das für die Bewohner des Gebäudes an der Neusser Straße nicht nur vorübergehend Realität ist, müssen sie sich selbst um die neue, eigene Wohnung kümmern. Ob sie die finden, wird sich in den nächsten drei Monaten zeigen. "In den letzten Jahren ist es exorbitant schwieriger geworden, bezahlbare Wohnungen für Obdachlose zu finden", sagt Redemann. Lange Zeit sei angenommen worden, dass sich die Wohnungsversorgung von alleine verbessert. "Der Markt regelt da gar nichts. Wir als Sozialbetriebe müssen selbst Marktteilnehmer werden", sagt Redemann.

Das weiß auch Antonia Frey, Leiterin der Obdachlosenhilfe der Diakonie. "Es ist eine lange Geschichte. Wir haben schon sehr lange geplant, selbst Wohnraum zu akquirieren." Die Fachberatungsstelle "Horizont" im Erdgeschoss des Gebäudes sei eine gute "Andockstation" für wohnungslose Menschen, die nicht nur mit dem Stigma der Wohnungslosigkeit, sondern auch mit dem der Arbeitslosigkeit und dem Bezug von "Hartz-IV" leben müssten. Die "Start-up-Apartments" seien ein weiterer wichtiger Schritt zur eigenen Wohnung. Erste Erfolge zeigen sich schon nach drei Monaten: Einer der Bewohner hat ab April ein neues Zuhause gefunden, einem weiteren steht eine Wohnung in Aussicht.

(rp)
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