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"Gewaltverherrlichung durch Waffen"
Streit um Düsseldorfer Schützen-Hilfe

Düsseldorf: Streit um Schützen-Hilfe
Die Oberbilker St.-Sebastianus-Schützen - hier Schützenchef Sascha Richter (r.) bei der Parade 2014 - bereiten nach eigenen Angaben zurzeit Satzungsänderungen vor, um zukünftig auch Frauen aufzunehmen. FOTO: Georg Salzburg
Düsseldorf. Ein Antrag über 400 Euro für ein Bühnenbild der Oberbilker Schützen hat eine Diskussion darüber entfacht, ob das Brauchtum noch zeitgemäß ist und Zuschüsse von der Politik verdient. Die Linke im Stadtbezirk 3 sagt nein und handelt sich dafür Kritik ein. Von Semiha Ünlü

Was Die Linke im Stadtbezirk 3 über das Brauchtum der Schützen denkt, hat sie jetzt die anderen Politiker in klaren Worten wissen lassen. In der E-Mail, die unserer Redaktion vorliegt, schreiben Dieter Sawalies und Anja Vorspel, dass die Tradition "aus Kinderaugen betrachtet" für einen exzessiven Alkoholkonsum und die "Gewaltverherrlichung durch Waffen" stehe. Migranten und Homosexuelle und "alles, was nicht typisch deutsch ist", habe kaum Aussicht auf Integration. Frauen würden lernen, nur Begleitung sein zu können, Männer, dass Alkoholkonsum, Marschieren und Schießen dem männlichen Geschlecht vorbehalten sei. Damit fördere das Brauchtum "nicht das gemeinsame Leben und Wohnen in der Stadt". Die Linke in der Bezirksvertretung 3 (BV) legte daher ein Veto gegen einen finanziellen Zuschuss von 400 Euro für ein Bühnenbild ein, das die Oberbilker Schützen bei ihrem Fest im August aufstellen wollen.

Die Reaktion hat eine hitzige Debatte darüber ausgelöst, ob das Schützenbrauchtum zeitgemäß ist und finanziell von der Politik unterstützt werden sollte. Torsten Petersen, Sprecher der Oberbilker Schützen, nennt die Partei "unfair". "Ein so altes Brauchtum kann man nicht von heute auf morgen verändern. Wir haben in den vergangenen Jahren so viel geändert, viel soziales Engagement in unseren Stadtteil eingebracht und Migrantenvereine zu unserem Stadtteilfest eingeladen, dass die Kritik fast weh tut." Es würden zudem Vorbereitungen laufen, im kommenden Jahr Frauen aufzunehmen: "Es ist nicht zeitgemäß, Menschen auszuschließen. Das wissen wir und wollen es auch ändern."

"Die Kritik der Linken ist eine Frechheit", meint der Sprecher der Bilker Schützen, Rene Krombholz. "Eine Partei, die Toleranz und Offenheit für alles und jeden fordert und dann eine Vereinigung wie die Schützenvereine so diskreditiert, gehört nicht in die Politik", sagt er. Die Kritik der Linken zeige auch, dass die Politiker das Brauchtum nicht kennen würden: "Im Schützenwesen gibt es Mitglieder, die Migranten oder Homosexuelle sind."

Auf RP-Anfrage sagte Dieter Sawalies, dass er "nicht grundsätzlich gegen Traditionen" sei, "dass das Rumballern und die Paraden in Uniform und mit Orden aber heute kaum noch von jemandem verstanden werden" und nicht zeitgemäße Werte und Vorstellungen transportieren würden. Es gebe im Stadtbezirk andere Traditionen, die man fördern sollte: "Es gibt zum Beispiel nichts in Oberbilk, was auf die Geschichte als Arbeiterviertel hinweist." Ein Problem sei es auch, dass die "Spitzen der BV 3 von CDU und SPD in Schützenvereinen aktiv sind und von denen ständig Anträge auf BV-Unterstützung kommen, aber nie was an moslemische Verbände, Bürgerinitiativen oder selten nur was an Gruppen des linken Spektrums geht."

In die Debatte hat sich auch Britta Damm, Chefin von rund 15 000 Düsseldorfer Schützen, eingeschaltet. Sie fragte die Ratsfraktion der Linken, ob sie die Ansicht ihrer Parteikollegen im Bezirk 3 teile. Sprecherin Angelika Kraft-Dlangamandla ließ die Schützen-Chefin darauf in einer E-Mail, die unserer Redaktion vorliegt, wissen: Das Brauchtum "entspricht nicht unseren Vorstellungen von einer toleranten, offenen und friedensliebenden Gesellschaft". Es gebe "andere Formen des nachbarschaftlichen Engagements, der Traditionspflege, der Integration und Freizeitgestaltung, die förderungswürdig sind." Damm kündigte darauf an, den Linken-Vertreter für das anstehende Niederkassel Schützenfest auszuladen.

Bezirksbürgermeister Walter Schmidt (CDU) sagt: "Ich kann mir nicht vorstellen, in einem Verein Mitglied zu werden, in dem meine Frau das nicht kann. Doch die Art, wie die Linke ihre Meinung äußerte, ist unter der Gürtellinie." Über den Antrag für die Oberbilker Schützen-Hilfe wollen die Stadtteil-Politiker am 25. August diskutieren.

Quelle: RP
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