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Schädlingsbekämpfung in Düsseldorf
Der Rattentod kommt mit 130 km/h

Düsseldorf testet Ratten-Falle: So funktioniert die "Smart Trap"
Kunststoffbolzen schießen hervor und erschlagen die Ratte im Kanal. FOTO: Anticimex
Düsseldorf. Die Stadt Düsseldorf testet derzeit ein neues System zur Rattenbekämpfung: Die "Smart Trap" erschlägt die Tiere in der Kanalisation. Giftfrei, effektiv und günstig, sagt die Vertreiberfirma. Den Tierschutzverein überzeugt das nicht. Von Helene Pawlitzki

Doppelt so viel Ratten wie Bewohner gebe es in den meisten Großstädten, sagt man. Düsseldorf käme damit auf über 1,2 Millionen Nager. Zum Glück laufen die Tiere nicht durch die Straßen - meistens jedenfalls. Stattdessen sind sie unterirdisch unterwegs. Und genau da schlägt die Stadt Düsseldorf jetzt zu. Wortwörtlich.

"Smart Trap" heißt das Gerät der Firma "Anticimex" aus Schweden. "Intelligente Nagerbekämpfung" versprechen die Schädlingsbekämpfer. Eigentlich ist das System ganz simpel: Es wird unter einem Gullideckel installiert und wartet auf die Ratte. Kommt eine vorbei, wird sie von Bewegungs- und Wärmesensoren entdeckt. Im entscheidenden Moment schnellen Plastikbolzen mit 130 Stundenkilometern hervor und töten das Tier. Es soll dann vom Wasser in der Kanalisation fortgespült werden.

Diesen kurzen Animationsfilm (ohne Ton) benutzt "Anticimex" auf Messen:

Seit etwa anderthalb Jahren vertreibt "Anticimex" die "Smart Trap" in Deutschland, seit acht in Skandinavien. Das hiesige Geschäft habe in den letzen Monaten stark angezogen, so Großkundenbetreuer Markus Gaßmann. Einige Großstädte wie zum Beispiel Berlin und viele Kleinstädte seien deutlich über die Testphase hinaus. Schon 2015 testete Dortmund die "Smart Trap".

Das Ziel ist Schädlingsbekämpfung ohne Gift

Besonders betont Gaßmann den Vorteil der Schädlingsbekämpfung mit Plastikbolzen gegenüber dem Einsatz von Gift: "Gift gerät ins Grundwasser und reichert sich dort an. Auch andere Tiere, wie zum Beispiel Hunde, können in Kontakt damit kommen. Und die Ratte stirbt vom Gift an inneren Blutungen über zwei bis drei Tage einen quälenden Tod." Zudem lernten Ratten, an Giftköder nicht mehr dran zu gehen. Und man wisse nie genau, wie viele Ratten man pro Gifteinsatz erwischt habe.

Das sei bei der "Smart Trap" anders: Sie zähle jede Ratte, die sie erschlage. Das Ergebnis sende sie tagesaktuell an einen Server. So könne die Firma sehen, wie effektiv jedes Gerät sei.

Knapp 1500 Euro kostet die Miete für jedes Gerät pro Jahr, Wartung inklusive. Wieviele Geräte man für eine Stadt wie Düsseldorf braucht, wollte Gaßmann nicht direkt sagen. "Das kommt darauf an, wie man vorgeht: ob man beispielsweise Hotspots bearbeitet oder systematisch Straßenzug für Straßenzug bestückt."

Seit Ende August testet der Stadtentwässerungsbetrieb die "Smart Trap" an zwei Stellen in Düsseldorf. Sie verspricht sich davon, Ratten tierschutzgerecht, schneller und schonender zu töten als beispielsweise mit Gift. "Die Rattenbekämpfung durch den Stadtentwässerungsbetrieb findet ausschließlich in der Kanalisation statt", betonte ein Sprecher. Sie habe keinerlei Auswirkung auf Haustiere. Drei Monate, bis Ende November, läuft der Test. Dann wird der Stadtentwässerungsbetrieb die Ergebnisse auswerten.

Vorsitzende des Tierschutzvereins: Falle "sieht absolut brutal aus"

Bei Monika Piasetzky vom Tierschutzverein Düsseldorf stößt die "Smart Trap" nicht auf Begeisterung. "Und das soll nicht weh tun?", fragt sie skeptisch beim Anschauen des Videos über die Funktionsweise. Ihr Fazit: "Ich stehe der Sache zunächst ablehnend gegenüber."

Ihr sei klar, dass Ratten sich wie verrückt vermehrten und die Stadt etwas gegen sie unternehmen müsse, sagt Piasetzky, die auch Leiterin des Tierheims Düsseldorf ist. "Ich möchte auch nicht, dass die mir über die Füße laufen." Die Idee mancher Tierschützer, man dürfe Tiere nicht töten, sondern müsse auch Ratten fangen und woanders aussetzen, teile sie nicht.

Schnell und schmerzlos - das wünscht sich der Tierschutzverein

Aber die "Smart Trap" sehe für sie "absolut brutal" aus. "Das Ziel sollte sein, Ratten schnell und schmerzlos zu töten", sagt sie. "Insofern würde ich mir wünschen, dass die Stadt weiter nach Methoden sucht."

Ein erster Schritt sei, sich mehr um Sauberkeit und weniger Müll zu kümmern: "Warum kriegen nicht alle konsequent ein Bußgeld, die ihre Mülltonnen nicht geschlossen halten?" Viele Läden und Lokale hätten Berge von Müll im Hinterhof. "Wenn die Ratten überall Futter finden, ist doch klar, dass die Population immer größer wird", so Piasetzky. Auch darum müsse sich die Stadt kümmern: weniger Ratten in der Stadt durch weniger angenehme Lebensbedingungen für die Tiere.

Wie die endgültige Lösung für eine ethisch korrekte Schädlingsbekämpfung konkret aussehen könnte - etwa mit Giften, die nicht quälend töten, oder mit Gas in der Kanalisation - wisse sie auch nicht. "Aber wenn man schon töten muss, dann bitte schnell und schmerzlos. Da wäre ich dann für alles offen."

 
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