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Kolumne rund ums Rathaus
Geisels Trophäen

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Düsseldorf. Nach eineinhalb Jahren im Amt hat Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) schon eine stattliche Anzahl an Führungskräften ausgetauscht. Sicher ist: Es wird nicht dabei bleiben. Von Denisa Richters

Sie schmücken Jagdzimmer, stehen bei Sportlern in der Vitrine, manche zählen sie nur mit Strichen - doch eines sind Trophäen immer: Zeichen des Sieges, die einem den Status des Seltenen, bisweilen auch Begehrenswerten verleihen. So gesehen kann sich Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) entspannt in einem knarzenden Ledersessel zurücklehnen und den Blick zufrieden über seine Trophäen schweifen lassen. Denn die Zahl der Siege über andere Führungskräfte ist nach nur eineinhalb Jahren Amtszeit stattlich. Und es ist noch reichlich Platz.

Manfred Abrahams (CDU) Dass der Stadtdirektor und Kämmerer gehen muss, stand vermutlich schon am Abend der gewonnen Stichwahl fest. Er war der mächtigste Mann in der Mannschaft von Geisels Amtsvorgänger Dirk Elbers (CDU), war respektiert, für SPD und Grüne aber als stärkste Stütze der schwarz-gelben Stadtregierung ein rotes Tuch. Und: Abrahams' Posten als Stellvertreter des Rathaus-Chefs war zu attraktiv. Deshalb arrangierten Geisel und die SPD für ihn ein noch attraktiveres Angebot, das der kühle Rechner nicht ausschlagen konnte: Abrahams rückte in den deutlich besser dotierten Vorstand der Stadtwerke.

Das ist Thomas Geisel – OB in Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas (end)

Gregor Bonin (CDU) Der Beigeordnete für Stadtplanung und Bauen war bei SPD und Grünen stets umstritten, stand für teure Prestige-Projekte wie den Kö-Bogen aber auch für Stau bei Schulsanierungen. Aber Bonin war erst 2014 für weitere acht Jahre gewählt worden, hatte nicht vor, früher zu gehen. Doch dann stieg der Druck auf ihn, Geisel entzog ihm Zuständigkeitsbereiche. Bonin wählte die Exit-Strategie und wechselte ins Rathaus seines Wohnorts Mönchengladbach.

Dirk Biesenbach Der Rheinbahn-Chef störte Geisel und die neue Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP. Denn Biesenbach hatte den klaren Auftrag, das hochdefizitäre Verkehrsunternehmen zu konsolidieren, was ihm auch gelungen war. Der von der neuen Stadtregierung geplante Ausbau und Vorrang von Bussen und Bahnen passte nicht in sein Finanzkonzept. Schließlich einigte man sich in "beiderseitigem Einvernehmen", Biesenbachs Vertrag nicht zu verlängern. Für die letzten Monate wurde er von Geisel sogar noch freigestellt.

Geisels Personal-Karussell FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Eva-Maria Illigen-Günther Das Stadtmarketing der DMT war schon unter der alten Stadtregierung umstritten, Geisel zog die Konsequenzen: Nach langem Hin und Her wurde für DMT-Chefin Eva-Maria Illigen-Günther, einst aus der Kämmerei gekommen, ein ähnlich dotierter Posten bei der Städtischen Wohnungsgesellschaft geschaffen. Ihr DMT-Posten wurde frei für einen Werbefachmann.

Denis Rauhut Der Chef der Immobilien-Stadttochter IDR hatte in dem skandalgeschüttelten Unternehmen aufgeräumt, die CDU hatte deshalb noch manche Rechnung mit ihm offen. Dass Rauhut selbstbewusst für die IDR eingetreten ist, war wiederum Rathaus-Chef Geisel zu viel. Nun soll Rauhuts Vertrag nicht verlängert werden.

Arndt Hallmann Den Chef der Stadtsparkasse hätte Geisel wohl am liebsten in seiner Sammlung. Seit Jahren streitet er mit ihm erbittert um Ausschüttungen an die Stadt. Einen breit getragenen Kompromiss hat Geisel zuletzt ausgeschlagen. Nun muss die Finanzaufsicht des Landes entscheiden. Die Fronten im Verwaltungsrat sind verhärteter denn je, Hallmann bleibt Geisel deshalb wohl erhalten. Der demnächst (wie auch bei Risikovorstand Martin van Gemmeren) anstehenden Verlängerung seines Vertrags will eine Mehrheit aus Arbeitnehmern und CDU zustimmen.

Quelle: RP
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