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Nach Todesfall in Düsseldorf
Warum können Altkleider-Container zur Todesfalle werden?

Mann stirbt in Altkleidercontainer in Düsseldorf
Mann stirbt in Altkleidercontainer in Düsseldorf FOTO: Patrick Schüller
Düsseldorf. Dass Menschen in Altkleider-Containern sterben, wie ein junger Mann am Wochenende in Düsseldorf, kommt immer wieder vor. Warum geschieht so etwas? Von Helene Pawlitzki

Fälle wie diese - oder wie der vom Wochenende, bei dem ein bislang unbekannter junger Mann leblos in einem Altkleidercontainer in Garath gefunden wurde - werden nirgendwo zentral registriert. Nur sehr schwer lässt sich sagen, wie oft solche Todesfälle vorkommen. Klar ist: Sie treten immer wieder auf. Und sie verteilen sich auf das ganze Bundesgebiet. 

Was wollte der Mann mit den Altkleidern?

Immer wieder liest man über das fette Geschäft mit ausrangierter Kleidung. Aber das große Geld lässt sich nicht verdienen, indem man einzelne Pullover herauszieht und weiterverkauft. Wer das tut, sucht nach Kleidung für sich selbst.

Das vermutet auch Thomas Ahlmann im aktuellen Fall. Man könne natürlich nur spekulieren, sagt der Sprecher von Fairwertung, dem Dachverband gemeinnütziger Altkleidersammler. "Aber die Vorgehensweise lässt vermuten, dass das Opfer sich für seine eigene Garderobe bedienen wollte."

Das schließt Ahlmann daraus, dass die Vorgehensweise "eher schlicht" gewesen sei: Der Mann war offenbar allein unterwegs, jedenfalls hat ihm niemand geholfen, wieder herauszukommen. Die Container seien so konstruiert, dass man allenfalls die obersten zwei Kleidersäcke entnehmen könne. "Damit wird keiner reich." Prinzipiell, glaubt Ahlmann, seien die Container sicher. Unglücksfälle könne es nur bei unsachgemäßem Gebrauch geben.

Es gibt auch organisierten Altkleider-Diebstahl

Auch das andere Extrem gibt es: Dass Kriminelle nicht nach einzelnen Pullovern fischen, sondern den Container aufstemmen und leer räumen - oder gleich den ganzen Blechkasten abtransportieren. "Es kommt gar nicht so selten vor", sagt Thomas Ahlmann, "dass Kriminelle mehrere Container entwenden und woanders wieder aufstellen." Die Container stehen dann ohne offizielle Genehmigung oft auf fremden Grundstücken. Sie werden regelmäßig von denen geleert, die sie illegal aufgestellt haben. Es sei sogar schon vorgekommen, dass sich Sammlerfirmen zum legalen Geschäft etwas mit solchen illegalen Containern dazuverdient hätten, so Ahlmann.

Kann man die Container nicht sicherer machen?

Diesen Weg nimmt gebrauchte Kleidung FOTO: dpa, fve FPTR bra mg

Das sagt der Hersteller: "Die Container sind darauf ausgelegt, dort große Säcke mit Kleidung einzuwerfen", sagt Kai-Uwe Jobst, Geschäftsführer von Jo-ba, dem Marktführer für Altkleider-Container. Das habe auch mit dem Sammelverhalten der Deutschen zu tun, die eher alles einmal im Jahr in einen blauen Sack stopften. "In Frankreich sind andere Systeme im Einsatz, mit kleineren Klappen", sagt Jobst. "Dort wirft man eher mal einzelne Teile in den Container."

Am Ende bleibt es eine Abwägung: den Schlitz noch kleiner machen für mehr Sicherheit? Aber dann passt weniger Kleidung durch. Und die Säcke bleiben dann womöglich vor dem Container liegen. Die Container von Jo-ba, erklärt der Geschäftsführer, seien durch den TÜV geprüft. Seit den staatsanwaltlichen Ermittlungen im Fall aus dem Jahr 2013 tragen sie zudem eine Warnung: Nicht einsteigen! "Bei uns verlässt kein Container das Werk ohne den dreisprachigen Aufkleber", sagt Jobst. "Wir haben ja auch ein Interesse daran, dass nichts passiert."

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