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Düsseldorf
Straßenumbau ist Geschenk mit Risiko

Düsseldorf: Umbau der Benderstraße in Gerresheim
Sebastian Schmitz wünscht sich für seinen Weinladen an der Birkenstraße eine rot markierte Parkzone. "Wer trägt schon Weinkisten 500 Meter weit", fragt er. FOTO: Hans-Juergen Bauer (hjba)
Düsseldorf. Die Benderstraße in Gerresheim befindet sich mitten in der Umgestaltung, die Birkenstraße hat sie hinter sich. Beim Ortstermin in Flingern zeigt sich: Der Umbau kommt zwar an, fehlende Kundenparkplätze sind jedoch das Manko. Von Marc Ingel und Uwe-J. Ruhnau

Die Einkaufsstraßen in den Stadtteilen sind dezentrale Lebensadern der Stadt. An den großen Umbaumaßnahmen in Gerresheim und Flingern scheiden sich die Geister. Was bringen sie, wo liegen die Chancen und Risiken?

Peter Braun von der Benderstraße hofft, dass sein Schokoladen-Geschäft ab nächstem Jahr wieder "zu alter Stärke zurückfindet". FOTO: Hans-Jürgen Bauer

Die Straßenbahnlinie 703 fährt wieder über die Benderstraße. Das ist aktuell die gute Nachricht für alle Gerresheimer. Die schlechte, insbesondere für alle Geschäftsleute: Ein Ende der Großbaustelle bedeutet das nicht. Die letzte, durch die Stadt durchgeführte Etappe - die Verbreiterung der Bürgersteige und die damit verbundene Reduzierung auf nur noch jeweils eine Fahrspur - hat diese Woche begonnen. Erst im August 2016 soll alles fertig sein.

"So etwas benötigt immer eine gewisse Anlauf- und Gewöhnungsphase, zu ändern war es ja ohnehin nicht. Wichtig ist, dass wir mit der Stadt ständig in Kontakt stehen und auch einen konkreten Ansprechpartner haben", sagt Giovanna Kraheck vom Modegeschäft Giovanna K. zur neuen Situation.

Vor dem Baustart hatte sich in Gerresheim hartnäckig das Gerücht gehalten, die Stadt wolle auf ihren Part der Umgestaltung aus Kostengründen verzichten. Als "abenteuerlich" bezeichnete Andrea Blome, Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement, diese Spekulationen. Es war wohl nur Wunschdenken der Einzelhändler, die primär unter der Dauerbaustelle vor ihren Ladentüren zu leiden haben. Auf 30 bis 40 Prozent Umsatzverlust beziffert etwa Zoya Sepehri von der Phönix-Apotheke, die inzwischen mit einem Bringdienst Kunden beliefert, die Einbußen. Andere Händler sagen, sie hätten sogar bis zu 50 Prozent weniger Geld in der Kasse.

Peter Braun von Rousseau Schokolade hat seinen Laden erst seit zwei Jahren an der Benderstraße. "Ich hoffe natürlich, dass mein Geschäft nächstes Jahr wieder zu alter Stärke zurückfindet, sicher ist das aber natürlich nicht, da das Zweite-Reihe-Parken nicht mehr möglich sein wird", sagt er. Viele Geschäftsleute an der Benderstraße wollen sich dennoch nicht unterkriegen lassen, öffnen zum Beispiel ab kommender Woche jeden ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr. "Ob das hilft?" Anwohnerin Alicia Berger zuckt mit den Schultern.

Aus den Erfahrungen an der Birkenstraße, die 2012 von vier auf zwei überbreite Spuren reduziert wurde, lassen sich Schlussfolgerungen für die Benderstraße ziehen. In Flingern ist die Stimmung mal von Gelassenheit, mal von Kritik oder Wünschen geprägt. Dass die Birkenstraße umgebaut wurde, finden die meisten Anlieger unter dem Strich gut, der Flüsterasphalt und das bessere Ambiente werden gelobt. "Aber brauchen wir eine Flaniermeile, wenn gar nicht flaniert wird?", fragt Ingrid Hartmann von Sport Thelen, dem alteingesessenen Sportgeschäft. Dennoch begrüßt sie, dass Rollatoren und Kinderwagen heute problemlos aneinander vorbeikommen. Die Hartmanns sind auf Hockey und Tennis spezialisiert, sie haben zu 95 Prozent Zielkundschaft, deswegen haben sie unter dem Umbau nicht zu leiden.

Vor- und Nachteile gleichen sich dagegen bei Gianni Pontil aus. Sein Eis-Café Cristallo hat nun eine kleine Terrasse auf dem Bürgersteig, die bei gutem Wetter für ein Umsatzplus sorgt. "Aber dass man nun nicht mehr in der zweiten Reihe parken kann, hat das Geschäft mit dem Eis zum Mitnehmen stark beeinträchtigt", sagt Pontil.

Die reduzierten Park- und Haltemöglichkeiten sind denn auch das Hauptproblem. Sebastian Schmitz von Jacques' Weindepot versucht mit Bernd Mathea von der Werbegemeinschaft, die Stadt von einer zusätzlichen rot markierten Parkzone zu überzeugen. "Wer trägt ein oder zwei Weinkisten 500 Meter zu seinem Parkplatz?", fragt Schmitz rhetorisch. Er versucht, Kunden zu halten, indem er ihnen einen Lieferservice anbietet. Mit Unterstützung der IHK wird zudem nun ein neues Standortexposé angefertigt, um neue Händler zur Birkenstraße zu locken. Ein Drogeriemarkt steht auf der Wunschliste ganz oben. Alle wissen: Wenn der Handel sich nicht hält, kippt die Birkenstraße.

Quelle: RP
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