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Düsseldorf
Düsseldorf und Roncalli - ein Drahtseilakt

Düsseldorf: Düsseldorf und Roncalli - ein Drahtseilakt
Roncalli-Gründer und -Chef Bernhard Paul mit sechs seiner Paginnen aus Brasilien im Jahr 1989. FOTO: Franz Lethen
Düsseldorf. "Camping de Luxe" nennt Roncalli-Chef Bernhard Paul sein mobiles Lager. Viele Male war es an diversen Orten in Düsseldorf. Von Hans Onkelbach

Circus Roncalli und Düsseldorf: Diese Beziehung ist schon immer eine besondere Nummer gewesen. Anfangs sicher auch ein Drahtseilakt - spannend, riskant, faszinierend. Damals, vor 40 Jahren, als dieser so ganz andere Zirkus erstmals seine Manege öffnet, ist er bald auch im verwöhnten Düsseldorf zu Gast. Das hiesige Publikum, sehr anspruchsvoll und sicher auch skeptisch, ob denn alles so stimmt, was man gehört hat, wartet voller Spannung. Und so besucht man beim ersten Düsseldorfer Auftritt Roncallis 1980 das mitten in der Altstadt aufgebaute Zelt und taucht ein in eine neue Welt voller Fantasie, Leichtigkeit und nie gesehener Künstler. Man darf bei dieser Premiere einen Platz zwischen Akademiestraße und Rheinufer nutzen, wo zu dieser Zeit noch Autos abgestellt werden und wo heute der alte Hafen mit seinen Neubauten aus den späten 1980er Jahren steht.

Danach wechselt Roncalli in Düsseldorf mehrfach die Adresse: Der Platz am Ende der Inselstraße, mitten im Ensemble des Ehrenhofs, hat ein legendäres Flair und fasziniert die Besucher, aber die endgültige Heimat findet man schließlich im Rheinpark nahe der Cecilienallee. Die riesige Wiese, auf der sonst tausende Menschen bei schönem Wetter picknicken oder Ball spielen, wird zum Campingplatz für dieses fahrende Volk der ganz besonderen Art. "Camping de Luxe!" nennt es Roncalli-Gründer, -Eigner und Chef Bernhard Paul. Und in der Galerie der weltweiten durchweg spektakulären Standorte hat dieser Platz im Grünen einen besonderen Rang. Auch zur aktuellen Tournee baut man derzeit dort das Zelt auf und bildet aus den bunten, historischen Wagen diese typische, viereckige Zirkusburg, in der heute (Donnerstag) der Vorhang für die Vorpremiere hochgeht.

Bernhard Paul 1980 mit typischer Mähne ohne Kostüm ... FOTO: Klaus Medau

Im Laufe der Jahre lernt Düsseldorf diesen Circus kennen und lieben, erlebt bewegende Augenblicke. Keiner, der dabei war, wird je vergessen, wie Pic - dieser sanfte, junge Clown - erstmals schüchtern in die Manege schleicht und anfangs keiner weiß, was das denn werden soll. Es werden Seifenblasen - groß, klein, rund, lang, oval, in allen möglichen Farben schillernd und zu Klängen einer scheinbar überirdischen Musik unter der Kuppel schwebend und am Ende in einer Kaskade von Bläschen platzend. Bei dieser Premiere ist das Publikum schier außer sich und tief berührt.

... und derselbe Mann verkleidet als Clown Zippo. FOTO: Medau/Archiv

Vorher oder nachher beeindrucken Gold lackierte Kraftprotze durch unfassbare Hebefiguren in Zeitlupe, Jongleure, Akrobaten, und Clowns (einer von ihnen Zippo alias Bernhard Paul) verwandeln Erwachsene in staunende Kinder. Typisch für Roncalli ist ein Mann namens Peter Shub, der nichts außer einem Hütchen, einem Trenchcoat, einer kleinen Kamera, einer Hundeleine und einem imaginären Hund braucht, um das Publikum in den Lachkrampf zu treiben - Düsseldorf lernt schnell und gern, wie wenig Roncalli mit Krone, Sarassani oder Barum gemein hat.

Der Chef selbst kann sich an Vieles aus Düsseldorf in all diesen Jahren erinnern, vor allem an die Standorte - und an den Carlsplatz im Düsseldorfer Zentrum. Den, sagt Paul heute, habe er immer schon sehr gemocht. Allerdings anfangs mehr als heute. Einige der alten Marktwagen, die er dort einst entdeckte und die plötzlich nicht mehr gewollt sind, nimmt er mit in sein Kölner Zircusmuseum.

Aus dem sporadischen Auftritt Roncallis wird im Oktober 1997 schließlich ein Dauer-Gastspiel: Bernhard Paul eröffnet das Apollo-Varieté unter der Kniebrücke. Geholfen bei der Grundstückssuche haben sein Freund und Ministerpräsident Johannes Rau und die damalige Oberbürgermeisterin Marlies Smeets (beide SPD). Und so kehrt nach Jahrzehnten das legendäre Apollo (von 1899 bis 1966 an der Kö gelegen) nach Düsseldorf zurück. Dank Roncalli.

Quelle: RP
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