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Düsseldorf
Wo Düsseldorf verfällt

Düsseldorf: Verlassene Orte, wo Düsseldorf verfällt
Der Hof des Straßenverkehrsamts an der Rather Straße wird derzeit von der Baustelle gegenüber genutzt. Innen ist das alte Amt reichlich demoliert. FOTO: Bretz, Andreas (abr)
Düsseldorf. Die Ulmer Höh ist nur einer von vielen verlassenen Orten in der Stadt, die dem Vandalismus preisgegeben sind. Von Stefani Geilhausen

Wohl erst in einer Woche wird das Ergebnis der Statiker vorliegen, die die Kapelle der Ulmer Höh untersucht haben. Dann wird entschieden, ob die ehemalige Knastkirche erhalten werden kann, die am Wochenende durch ein Feuer massiv beschädigt wurde. Leerstehende Gebäude wie die auf dem ehemaligen JVA-Gelände üben nicht nur auf Hobbyfotografen große Faszination aus. Die Urban Explorer, kurz Urbexer (aus dem Englischen etwa Stadtentdecker) dokumentieren bei ihren Besuchen solch verlassener Orte häufig auch deren durch Vandalismus bedingten Verfall. Einige Beispiele:

Papierfabrik Hermes Fast 100 Jahre hat sie an der Fringsstraße gestanden. Seit der Insolvenz im Jahr 2008 sind die Gebäude mit Graffiti überzogen, die Scheiben zerschlagen, und alles, was nur irgendwie brennbar war, wurde angezündet. Nach der letzten Brandserie im Frühjahr erklärte der neue Eigentümer, eine Sanierung sei aufgrund der Vandalismusschäden nicht mehr möglich.

Lost Place Nummer eins: Die Papierfabrik Hermes gehört bei Urbexern (Stadtentdeckern) in aller Welt zum Pflichtmotiv. Brandstifter und Randalierer haben sie innerhalb weniger Jahre zerstört. FOTO: Andreas Bretz

Muskator Futterfabrik In der Nachbarschaft zur Papierfabrik ein weiterer Ort des Verfalls: 2013 wurde der Standort aufgegeben, er zieht heute nicht einmal mehr die Urbex-Szene an: "Ziemlich runtergerockt, alle Wände beschmiert, nicht zu empfehlen", heißt es auf den einschlägigen Internetseiten.

Altes Straßenverkehrsamt An der Rather Straße, unweit der Ulmer Höh, ist auch ein städtisches Gebäude dem Verfall preisgegeben. Seit knapp fünf Jahren steht es leer, zuletzt zogen Ordnungsamt und Fundbüro dort aus. Die zurückgelassenen Einrichtungsgegenstände sind zerstört, die Wände beschmiert, der Hof zugewuchert. Verkauft werden soll es für einen zweistelligen Millionenbetrag.

Seit Jahren ein Ärgernis in Flingern: Die Sanierung des Jugendstilhauses an der Dorotheen-/ Ecke Birkenstraße ist unvollendet. FOTO: Bretz, Andreas (abr)

Kaufring An der Heinrich-Ehrhardt-Straße steht das ehemalige Lagerhaus seit Ende 2010 leer, ging ein halbes Jahr später teilweise in Flammen auf, weil spielende Kinder zündelten. Die Ruine grenzt an das alte Straßenverkehrsamt, gehört ebenfalls der Stadt.

Dienstwohnungen der JVA An der Metzer Straße stehen seit dem Gefängnisumzug im Jahr 2012 auch die Wohnhäuser der Bediensteten leer. Von vorne gesichert, sind sie von der Gartenseite aus unbewohnbar gemacht worden. Nachbarn berichten von Drogensüchtigen, Obdachlosen und Jugendlichen, die sich dort austobten. Durch die Gärten gelangen auch immer wieder Eindringlinge in die Ulmer Höh. Wie die alte Justizvollzugsanstalt gehören auch die Dienstwohnungen dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB).

Fotos: Vandalismus: So sieht es in der Ulmer Höh' aus FOTO: Bert Beckers Photography

Paguag Die Tradition der Pahlschen Gummi- und Asbest-Gesellschaft endete in Rath 2008. Auch wenn Polizei und THW dort gelegentlich trainierten, sind die alten Werkshallen der Schlauchfabrik ein moderner Abenteuerspielplatz geworden. Wegen eines fehlenden Schadstoffgutachtens sei die Vermarktung des Areals schwierig, heißt es bei der Stadt. Auf der angrenzenden Industriebrache läuft bereits der Abriss.

Paulsmühle Das ehemalige BEA-Gelände liegt seit Jahren brach. Zuletzt war es dort zu Brandstiftungen gekommen. Im Bereich der Telleringstraße steht aktuell der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan bevor, mit dessen Umsetzung die Brache durch das geplante Wohnquartier "Mühlenviertel" belebt werden wird. An der Paulsmühlenstraße laufen Verkaufsverhandlungen für die Industriefläche. Diese würden vom Stadtplanungsamt "positiv begleitet", heißt es aus dem Rathaus.

Dorotheenstraße Der Besitzer des Mehrfamilienhauses an der Ecke Birkenstraße liegt seit Jahren mit der Bauaufsicht im Clinch. Deshalb kommt die Sanierung des einst prächtigen Eckhauses nicht voran. Planen und Gerüste dienen zur Sicherung der Fassade. Gegen Eindringlinge ist das Haus geschützt, vor Schmierereien von außen nicht.

Quelle: RP
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