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Vermisster Paul in Düsseldorf befreit
Was wir über den Fall des entführten Zwölfjährigen wissen

SEK stürmt Wohnung in Düsseldorf-Hassels
SEK stürmt Wohnung in Düsseldorf-Hassels FOTO: Daniel Bothe
Düsseldorf. Im Fall des zwölfjährigen Paul aus der Schweiz, der in der Nacht zu Sonntag in einer Düsseldorfer Wohnung gefunden wurde, dauern die Ermittlungen noch an. Ein 35-Jähriger wurde festgenommen. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten gesammelt.  Von Tanja Karrasch und Christian Schwerdtfeger

Was ist passiert? 

Acht Tage galt der zwölfjährige Paul aus Gunzgen, Kanton Solothurn in der Schweiz, als vermisst. Eine groß angelegte Suche nach dem Jungen wurde eingeleitet. In der Nacht zu Sonntag wurde er gefunden: in der Wohnung eines Mannes in Düsseldorf-Hassels. Der Mann wurde am Montag dem Haftrichter vorgeführt.

Wie kam es zu der Spur nach Düsseldorf?

Paul hatte sein Elternhaus am Samstag, 18. Juni zur Mittagszeit verlassen, am darauffolgenden Dienstag wurde sein Fahrrad auf einem benachbarten Parkplatz gefunden. Die Eltern meldeten ihren Sohn bereits am ersten Tag seines Verschwindens als vermisst. "Wir haben sehr breite Untersuchungen eingeleitet, um Paul zu finden. Sogar das FBI in Amerika war involviert", so Urs Bartenschlager, Chef der Kriminalpolizei Solothurn. Acht Tage später, am Samstagabend, gingen Hinweise der Schweizer Behörden über die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt bei der Polizei Düsseldorf ein. "Die Schweizer Kollegen wollten eine Öffentlichkeitsfahndung erwirken", sagt Oberstaatsanwalt Alexander Badle unserer Redaktion. Nachdem das Bundeskriminalamt eingeschaltet wurde, verdichteten sich die Hinweise auf den genauen Aufenthaltsort des Tatverdächtigen - eine Wohnung in Hassels. 

Wie wurde Paul befreit? 

Mit einem Spezialeinsatzkommando (SEK) wurde die Wohnung gestürmt. Ein Sprecher beschreibt den Zugriff gegenüber unserer Redaktion als "überfallartig". "Es war ein günstiger Moment, der Mann wurde überrascht und hatte keine Möglichkeit sich zu wehren." Widerstandslos konnte der 35-Jährige festgenommen werden. Wo sich Paul zum Zeitpunkt des Zugriffs in der Wohnung befand, hat die Polizei nicht mitgeteilt. 

Was wird dem 35-Jährigen vorgeworfen?

Der Mann wurde aufgrund eines von der Generalstaatswaltschaft Frankfurt erwirkten Haftbefehls festgenommen, teilte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mit. Die Schweizer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Kindesentführung. Der Straftatbestand komme bei Kindern unter 16 Jahren infrage, auch wenn diese sich scheinbar freiwillig bei einer Person aufhalten würden. Außerdem hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt einen Haftantrag gegen den 35-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs gestellt. Zudem soll bei der Durchsuchung seiner Wohnung kinderpornografisches Material gefunden worden sein.

Was ist über den mutmaßlichen Entführer bekannt?

Der Mann wohnt in Düsseldorf-Hassels in einer Dachgeschosswohnung. In seinem Keller fanden die Polizisten ein Luftgewehr, das beschlagnahmt wurde. Medienberichten zufolge soll er in Düsseldorf als Koch gearbeitet haben. Er war der Polizei bisher nur wegen mehrerer Betrugsdelikte bekannt. 

Woher kannten sich Paul und der Mann aus Düsseldorf?

Sie lernten sich wohl im Internet kennen. Gemeinsam sollen sie online "Minecraft" gespielt haben. Der Mann habe in mindestens einem Internetspiel mit Paul Kontakt gehabt, teilte die Polizei mit. Der Junge habe dieses Spiel äußerst intensiv gespielt.

Wie kam Paul nach Düsseldorf?

Wie der Zwölfjährige nach Düsseldorf kam, ist der Polizei bekannt. Darüber wird jedoch keine Auskunft gegeben, so der Sprecher. "Wir gehen davon aus, dass Paul sein Verschwinden geplant hat", sagt Urs Bartenschlager, Chef der Kriminalpolizei Solothurn. "Wir können bestätigen, dass er über mehrere Wochen auf einer Strichliste Tage weggestrichen hat, so als würde er sich auf etwas freuen. Außerdem hatte er vorab auch seinen Mitschülern angekündigt, dass er bald weggehen werde.  

Wie geht es Paul?

Der 12-jährige Paul konnte körperlich unversehrt aus der Wohnung des 35-Jährigen befreit werden, seine Eltern wurden aus der Schweiz nach Düsseldorf gebracht, noch in der Nacht zu Sonntag konnten sie ihren Sohn wieder in Obhut nehmen. "Die Wiedervereinigung war von großer gegenseitiger Freude gekennzeichnet",  teilte Bartenschlager mit. In Düsseldorf wird der Junge zurzeit vernommen. "Wir haben bereits intensive Gespräche mit Paul und seinen Eltern geführt", sagte ein Sprecher der Polizei Düsseldorf unserer Redaktion. Paul habe sich umfassend geäußert, man habe viele Erkenntnisse gewinnen können, heißt es. 

Wie geht es weiter? 

Der Tatverdächtige wird aktuell noch verhört. Er soll noch am heutigen Montag dem Haftrichter in Düsseldorf vorgeführt werden, teilte die Generalstaatsanwalt Frankfurt mit. Nach der Vorführung wird er vermutlich zunächst in der JVA Ratingen untergebracht werden.