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Jazz Rally
Düsseldorf war drei Tage "Lost in Music"

So feiert Düsseldorf die Jazz Rally 2017
So feiert Düsseldorf die Jazz Rally 2017 FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Die Jazz Rally in Düsseldorf zog bei idealem Wetter am Pfingstwochenende rund 300.000 Besucher an. Gregory Porter und "Sister Sledge" sorgten für die Höhepunkte. Eine Bilanz in fünf Kategorien.  Von Uwe-Jens Ruhnau und Hans-Jürgen Bauer (Fotos)

Sie saßen ruhig im Saal des Townhouses an der Bilker Straße, standen im Kit mit einem Drink in der Hand, tanzten auf der Straße vor dem Uerige oder jubelten im Zelt am Burgplatz den Stars zu: Die rund 300.000 Besucher der Jubiläums Jazz-Rally haben drei Tage lang das Festival auf vielfältige Weise genossen. Das Wetter war bei der 25. Auflage des Düsseldorf-Klassikers ideal: so gut wie kein Regen, nicht zu warm. "Sie sehen glückliche Menschen vor sich", resümierte Boris Neisser, Geschäftsführer der Destination Düsseldorf (DD), bei der Pressekonferenz die Stimmung unter den Organisatoren.

Zuspruch Die Stadt war schon am Freitagabend sehr gut besucht, am Samstag war sie richtig voll. Die Leute genossen das laue Lüftchen und dazu die Musik. Sommerstimmung herrschte bis spät in die Nacht am Museum Kunst im Tunnel (Kit). Sogar vor dem Café Vélo am Rathaus, sonst eher mau frequentiert, bildeten sich Schlangen. Das freute Stadtdirektor Burkhard Hintzsche, der mit seiner Frau durch die Stadt zog. An vielen Konzertorten kam man nicht mehr herein oder hatte länger zu warten, das Team des Landtags musste die Notbremse ziehen und die Türen schließen. Die Besucher kamen aus ganz NRW, aber auch den Benelux-Ländern oder Städten wie Wien und Paris, wie Neisser berichtete. Es wurde eine Marktforschung durchgeführt, deren Ergebnisse in Kürze vorgestellt werden.

"Do the Lindy Hop": Gleich zu Beginn des Festivals kam am Rathaus viel Lebensfreude auf. Bei "Hot Spot" von Esther und Bernd Chrischilles konnte man den schwarzen Tanzstil bewundern, der Ende der 1920er Jahre bekannt wurde. FOTO: Hans-Juergen Bauer

Top Acts Die drei Top-Konzerte im Zelt am Burgplatz verbanden die Generationen, schon weil die Songs von Gregory Porter, Heather Small und Sister Sledge über Remixe immer wieder ein neues Publikum finden. Etwas Besonderes war die dreieinhalbstündige Jam-Session im Breidenbacher Hof in der Nacht zu Sonntag, auch dort gab es eine Schlange auf der Straße. "Dompteur" der Stars war Reiner Witzel, der Saxophonist ist Künstlerischer Beirat der Rally.

Das Beste kam zum Schluss: "Sister Sledge" räumten am Sonntagabend im Zelt am Burgplatz ab und begeisterten bei ihrem fast zweistündigen Konzert. FOTO: Hans-Juergen Bauer

"Leider bin ich um kurz vor ein Uhr gegangen", ärgerte sich DD-Vorstandschef Otto Lindner später. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon die Saxophon-Legenden Klaus Doldinger und Ernie Watts auf der Bühne gestanden. Dann aber jammten auch Musiker und Sängerinnen von "Sister Sledge" mit. Erst sang Debbi Sledge unter anderem "Kiss" von Prince, dann stieß Tanya Thillet hinzu und sang am Flügel eine Ballade. Das Konzert von "Sister Sledge" am Sonntagabend war dann wie eine Feier von Musik und Jazz Rally zusammen. Musiker und Publikum waren "Lost in Music", und die bekannte Zeile wurde lautstark über Minuten gemeinsam gesungen.

Heather Smalls Botschaft an Terroristen: "We are stronger than you." FOTO: Hans-Juergen Bauer

Verjüngung Die DD und ihr künstlerischer Beirat arbeiten seit Jahren an einer Verjüngung der Jazz Rally. "Die Saat geht langsam auf", sagte Beirat Nils Gropp mit Blick aufs altersmäßig gemischte Publikum. Dafür sorgte auch der inzwischen bundesweit ausgeschriebene Sparda Jazz Award mit drei Konzerten am Rathaus, bei dem zwei Bands aus Berlin und eine aus Wuppertal auf die Bühne kamen. Doldinger, Schirmherr der Rally, stieg bei der Mia Knop Jacobsen Band ins Konzert ein und lobte die Preisträgerin. "Das ist das Originellste, was ich seit Jahren gehört habe." Ebenso gut kam der Auftritt von "Fil der Protagonist", einem Rapper und drei Jazzern, die teils bei Beirat Dieter Falk an der Musikhochschule studieren, an. Sie traten im "Me and All"-Hotel an der Immermannstraße auf. Eine neue Location, andere wie der Pavillon am Carschhaus fielen weg - dies hatte aber nur mit dem Umbau des Kaufhauses zu tun.

Saxophonist Ernie Watts war einer der Stars der Jazz Rally. FOTO: Hans-Juergen Bauer

Kurios Die Idee, den ebenfalls im Hotel residierenden Justin Bieber zur Jam-Session hinzuzubitten, blieb ein unerfüllter Wunsch der Fans, die vor der Tür standen. Ebenfalls Pech hatte, wer im Palais Wittgenstein "Três Brasilis" hören wollte. Die Gruppe hatte Probleme mit dem technischen Equipment und trat erst gar nicht auf. Im Townhouse fiel die Lüftung aus, bei der Kölner Band Sommerplatte gab der Verstärker seinen Geist auf, das Konzert endete zu früh.. Last, not least: Bei Sister Sledge war im Flieger eine Gitarre abhanden bekommen. Petra Schlieter-Gropp, seit mehr als 20 Jahren mit ihrer Agentur für die Rally verantwortlich, konnte das Problem lösen.

Das ist die 25. Jazz-Rally in Düsseldorf FOTO: ujr

Sicherheit Terrorwarnung bei Rock am Ring, Anschlag in London: Auch bei der Jazz Rally wurden die Anforderungen bei der Sicherheit erhöht, das kostete eine fünfstellige Summe. Es gab mehr Security-Kräfte, es fanden Taschenkontrollen statt, am Burgplatz wurden Betonpoller platziert. Rally-Moderator Frieder Feldmann grüßte am Samstagabend am Burgplatz die Kollegen von Rock am Ring und freute sich für sie, dass sie weiter machen konnten. Dafür gab es ebenso großen Applaus wie für Heather Small, die den Terroristen auf der gleichen Bühne den trotzigen Satz entgegenwarf: "We are stronger than you" ("wir sind stärker als ihr").

Bilanz Die Tageskassen sind noch nicht abschließend abgerechnet. Aber schon jetzt steht fest, dass der Etat der Jazz Rally in diesem Jahr die Schwelle von einer Millionen Euro genommen hat. Auf 800.000 Euro beziffert Neisser die Einnahmen aller Art, auf 250.000 Euro die Sachspenden (Flüge, Hotelunterbringung etc.).

Quelle: RP
 
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