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Wie viel Baustelle erträgt der Mensch?

Düsseldorf: Wie viel Baustelle erträgt der Mensch?
Die Benderstraße ist eine von vielen Baustellen. Angesichts der Umleitungen beginnt das Nervenkostüm des Suchenden zu flattern. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Handweiser, Grafenberger Allee, Benderstraße: An etlichen Stellen ist der Verkehr eingeschränkt. Das zerrt an den Nerven der Autofahrer. Von Hans Onkelbach

Des Düsseldorfers Leidensfähigkeit ist schwer zu begreifen. Er geht voller Zorn durch die Decke, wenn irgendwo in der Stadt ein paar Kartons neben (statt in) dem Papier-Container liegen, drei leere Bierdosen unter der Parkbank hält er für den Beginn kommunaler Verwahrlosung, begeht jedoch nur einmal im Jahr ein Kuriosum namens Dreck-Weg-Tag. Aber dass er seit Monaten durch eine so noch nie erlebte Konzentration von Baustellen an wichtigen Straßen gepeinigt wird, nimmt er mit stoischer Gelassenheit hin. Oder brodelt es da unter der Oberfläche und wir erleben demnächst den Aufstand einer nicht mehr länger schweigenden Mehrheit?

Bis dahin jedoch schleichen täglich Zigtausende im Fußgängertempo durch viele Straßen und fragen sich: Wer plant so was? Oder: Wird das überhaupt geplant? Antwort: Nein, es gibt keinen Plan. Jeder, der Straßen aufreißen, verbreitern, verbessern oder sonst wie malträtieren und in ein Trümmerfeld hinter sorgfältig installierten Warnbaken verwandeln kann, macht das scheinbar so, wie es ihm passt.

Das sind die Sommerbaustellen 2015 in Düsseldorf

Das glauben Sie nicht?

Dann fahren Sie mal quer durch die Stadt. Sollten Sie die Idee haben, von der A 52 Richtung Heerdt kommen zu wollen, sitzen Sie in der Falle: Seit Wochen buddelt man vor dem Rheinbahnhaus am Handweiser, verengt diese wichtige Einfall-straße in Richtung Neusser Hafen von zweien auf eine Spur - die Fahrzeuge stehen zurück bis auf die Autobahn.

Weiter: Wer über die Theodor-Heuss-Brücke Richtung Mörsenbroicher Ei will, hat spätestens ab dem Ende der Brücke reichlich Zeit, sich in aller Ruhe neue architektonische Sündenfälle anzuschauen. Zu dieser Muße zwingen ihn schwer zu definierende Arbeiten im Mörsenbroicher Ei. Hat er diesen Bereich nach einiger Zeit und vielen nutzlosen Ampelphasen erreicht und ist abgebogen in die Brehmstraße, gab es auf dieser Route in den letzten Wochen ebenfalls Absperrungen.

So richtig chaotisch zeigt sich Düsseldorfs Verkehrsmanagement auf der Grafenberger Allee - nichts geht mehr, und zwar in beide Richtungen. Umleitungen sind sinnlos, weil es eine echte Alternative zu dieser Achse nicht gibt. Sind wir dennoch, auf welchem Weg auch immer, bis Gerresheim gekommen, lernen wir diesen Stadtteil neu kennen, da die Benderstraße gänzlich unter die Schippe genommen und der Verkehr umgeleitet wurde. Da kapituliert nicht nur das Navi, sondern auch des Suchenden Nervenkostüm beginnt zu flattern. Er ahnt, warum man seit Jahren um die Neugestaltung der Straße streitet.

Das entsteht am Corneliusplatz FOTO: Schweitzer

Diese Liste ließe sich mit quälender Gründlichkeit verlängern. Manche Engpässe können gerade verschwunden sein, dafür haben sich dann gewiss andere aufgetan. Die Folgen sind immer die Gleichen: Der ohnehin nur filigran funktionierende Verkehr kollabiert, ein Ende ist nicht in Sicht. Wobei wir nicht mal von den Baustellen Wehrhahnlinie und Kö-Bogen sprechen. An die haben wir uns so gewöhnt, dass die meisten von uns nicht sagen könnten, wann das alles begonnen hat oder eine Erinnerung an eine freie City haben. Apropos Innenstadt: Das Meisterstück der völligen Verkehrsentschleunigung liefert seit Jahren, zuletzt aber besonders effizient, das kurze Einbahnstraßenstück zwischen Kaufhof und Breidenbacher Hof. Als die Baustelle in diesem Umfang seinerzeit genehmigt wurde, hat man offenbar nicht geahnt, welche Bedeutung dieses winzige Stück für den gesamten innerstädtischen Verkehr hat. Nun weiß man es.

Ähnlich übrigens die Danziger Straße: Deren Wichtigkeit wurde vielen erst klar, als man neulich dort während des Berufsverkehrs einen in die Böschung gekippten leeren Lkw barg und dafür die Straße blockierte. Obwohl das Fahrzeug selbst keinen behinderte - es hätte da problemlos ein paar Stunden bis in ruhigere Nachtzeiten liegenbleiben können.

Fazit: Gäbe es eine echte Opposition im Rat mit Blick für - sorry, in diesem Fall schräges Bild - bewegende Themen, hätte sie längst einen Experten den volkswirtschaftlichen Schaden errechnen lassen. Die Summe dürfte gewaltig sein.

Zudem winkt ein guter Slogan: Wo eine Ampel regiert, bricht der Verkehr zusammen.

Quelle: RP
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