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Düsseldorf
Düsseldorf will mehr Freunde

Düsseldorf: Düsseldorf will mehr Freunde
Haifas Oberbürgermeister Yona Yahav (l.) unterzeichnete gestern mit Oberbürgermeister Thomas Geisel eine Kooperationsvereinbarung für den Jugendbereich. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Oberbürgermeister Thomas Geisel möchte neue Städtepartnerschaften. Es gibt auch Kritik. Von Uwe-Jens Ruhnau

Was haben Turku (Finnland), Corinto/El Realejo (Nicaragua) und Peking (China) gemeinsam? Sie sind allesamt Partnerstädte von Köln. Beachtliche 24 solcher Freundschaften pflegt die südliche Nachbarstadt, Düsseldorf nimmt sich dagegen mit seinen sechs Partnerstädten Moskau, Chongqing, Reading, Chemnitz, Haifa und Warschau bescheiden aus. Oberbürgermeister Thomas Geisel will das ändern, weitere Partnerstädte passen in seinen Augen zum Profil Düsseldorfs. Die Stadt sei international ausgerichtet, dynamisch und wirtschaftlich erfolgreich. "Wir liegen bei den Direktinvestitionen ausländischer Firmen in Deutschland an der Spitze."

Wohl auch deswegen gibt es immer wieder Anfragen für neue Partnerschaften. Der Stadtrat soll in Kürze die Freundschaft mit Palermo offiziell besiegeln, Geisel kann sich Boston zudem gut vorstellen, auch Montreal, Toulouse, Lissabon. Malaga möchte gerne, "aber es muss ja nicht alles gleich eine Städtepartnerschaft werden", sagt Geisel.

In den vergangenen Tagen hatte Düsseldorfs Stadtoberhaupt viel mit Partnerstädten zu tun. 25 Jahre deutsche Einheit waren eine Reise nach Chemnitz wert, für mehr Kontakt zwischen den Menschen sollen die Brauchtumsfreunde sorgen. Jonges-Baas Wolfgang Rolshoven gehörte ebenso zur Delegation wie Schützen-Chef Lothar Inden.

Der Oberbürgermeister von Haifa, Yona Yahav, unterzeichnete gestern im Rathaus eine Kooperationsvereinbarung für den Jugendbereich. Am Sonntag zu seinem dritten Besuch in Düsseldorf angekommen, besuchte der Israeli am Nachmittag die Rennbahn und abends die Tonhalle, wo unter der Überschrift "Flying Steps" Breakdance auf klassische Musik traf. Davon war er völlig begeistert. "Diese Truppe lade ich nach Israel ein."

Yahav kennt die Leistungen der Stadtverwaltung ziemlich gut, er ist etwa vom Kita-Navigator fasziniert. Der Ideenaustausch soll den Bevölkerungen nutzen. Das Beratungszentrum für junge Eltern in Haifa, das eher wie eine Starbucks-Filiale als wie ein städtisches Beratungsangebot wirkt, fände Stadtdirektor Burkhard Hintzsche auch für Düsseldorf attraktiv. Haifa wiederum hat erklärt, mit dem Jugendinformationszentrum zeTT kopieren zu wollen. Und: Haifa möchte den Schüleraustausch ankurbeln.

Auf die durch das Rathaus wogende Freundschaftswelle strahlt jedoch nicht nur eitel Sonnenschein, sie wird auch gebrochen. In den Augen von Ampel-Koalitionärin Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Fraktionschefin der FDP, haben Städtepartnerschaften etwas Antiquiertes, entstammen der Zeit der friedensfördernden Maßnahmen, "als sich Kontrahenten nach dem Krieg wieder die Hände reichten". Heute habe sie den Eindruck, es würden Städte wie Palermo ausgesucht, "weil da jemand jemanden kennt oder jemand die Stadt gut findet". Der Nutzen sei dagegen fraglich. Auch CDU-Fraktionschef Rüdiger Gutt fordert ein Konzept ein, es sei unklar, warum welche Stadt ausgesucht wird. Dass aber eine US-Stadt wie Boston Partnerstadt sein sollte, findet Gutt auch.

Quelle: RP
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