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Chef des Düsseldorfer Flughafens verliert Job
Den Spitznamen "Tankwart" wurde Ludger Dohm nicht los

Düsseldorfer Airport: Flughafenchef Ludger Dohm legt Amt nieder
Ludger Dohm war seit 2014 im Amt. FOTO: hjba
Düsseldorf. Politische Fettnäpfe und ein ungeschicktes Vorgehen beim Ringen des Düsseldorfer Flughafens um mehr Fluggenehmigungen führten zum Aus: Nachfolger von Ludger Dohm wird nun Thomas Schnalke. Von Thomas Reisener

Der Chef des Düsseldorfer Flughafens, Ludger Dohm, verliert seinen Job. Nachfolger wird Thomas Schnalke, der schon seit 2001 in der Geschäftsführung des Airports arbeitet. Schnalke hatte sich schon bei der Berufung Dohms Hoffnungen auf den Chefsessel gemacht.

Dohm wechselte nach dem plötzlichen Tod von Ex-Flughafen-Chef Christoph Blume 2015 an die Spitze des wichtigsten NRW-Flughafens. Zuvor war der promovierte Betriebswirt im Europa-Vorstand des Mineralölkonzerns BP.

Nachfolger wird Thomas Schnalke. FOTO: KHBA

Beim Flughafen Düsseldorf ist Dohm seinen Spitznamen "der Tankwart" bis heute nicht losgeworden. Intern wurde ihm vorgeworfen, sich nicht ausreichend in die komplizierte Materie eingearbeitet zu haben. Mit der Stadt Düsseldorf als 50-prozentigem Anteilseigner und der Landesregierung als wichtigster Genehmigungsinstanz ist die Leitung des Düsseldorfer Flughafens weit mehr als nur eine betriebswirtschaftliche Aufgabe. Das Austarieren von Gewinninteressen, politischer Diplomatie und Kundenbedürfnissen galt nicht gerade als Dohms Stärke. Insider berichten, man habe ihn zum Beispiel bei wichtigen Empfängen der Landespolitik öfter vermisst.

Dohms wichtigstes Projekt war eine umstrittene Kapazitätserweiterung: Der Düsseldorfer Flughafen kämpft bis heute im NRW-Verkehrsministerium um die Genehmigung von mehr Flügen. Sowohl die meisten Umlandgemeinden als auch Tausende Aktivisten in Lärmschutzinitiativen lehnen das ab.

Auch im Landtag geht der Streit um das noch offene Verfahren quer durch die Parteien. Während die Kapazitätserweiterung in den Reihen der CDU sowohl Befürworter als auch Gegner hat und die SPD sich am liebsten gar nicht äußert, haben sich bislang nur die Grünen klar positioniert: Sie sind dagegen und fordern, dass stattdessen vor allem der touristische Verkehr des Düsseldorfer Flughafens stärker an kleinere Flughäfen im Umland ausgelagert wird.

Zur Überraschung der Szene hatte sich kürzlich mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr auch einer der wichtigsten Kunden von den Bemühungen der Düsseldorfer um eine Kapazitätserweiterung distanziert. "Ich werde immer nervös, wenn man ein bestehendes System anfasst", hatte Spohr Ende Mai bei der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung zu dem Thema gesagt. Er befürchte, dass im Gegenzug für eine Kapazitätserweiterung auch der Spielraum für späte Starts und Landungen eingeschränkt werden könne. Spohr empfahl dem Flughafen Düsseldorf, stattdessen lieber die aus seiner Sicht zu hohen Gebühren zu senken.

Wie unsere Zeitung aus dem Umfeld des Aufsichtsrates erfuhr, soll diese Begebenheit das Fass zum Überlaufen gebracht haben. "Der Chef muss bei seinem wichtigsten Projekt auch seine wichtigsten Kunden hinter sich haben. Das war bei Dohm nicht der Fall", sagt ein Insider. Zuvor hatte der Flughafen Düsseldorf im Ringen mit seinem Wettbewerber in Köln das Nachsehen gehabt, als die Lufthansa ihren neuen Langstrecken-Billigflieger eben in Köln und nicht in Düsseldorf ansiedelte

In der offiziellen Presseerklärung des Flughanfens las sich das gestern natürlich ganz anders: Dohm gehe "mit Wirkung zum 30. Juni 2016 in gegenseitigem Einvernehmen mit den Gesellschaftern". Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Oberbürgermeister Thomas Geisel, dankte Dohm in der Erklärung für seine wertvolle Arbeit.

Zu Dohms Nachfolger sagte Geisel: "Mit Thomas Schnalke ernennen wir einen ausgewiesenen Luftfahrtexperten zum Sprecher der Geschäftsführung, der die Branche und das Unternehmen seit über 15 Jahren bestens kennt."

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