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Kritiker propagieren "religionsfreie Zonen"
Düsseldorfer "Dino-Papst" rollt durch Köln

Düsseldorf (dto). Normalerweise baut der Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly Karnevalswagen und Hütten für den Weihnachtsmarkt. Doch auch in Sachen Weltjugendtag hat er sich kreativ ins Zeug gelegt. Wohl nicht immer im Sinn der Veranstalter. Denn von ihm stammt der riesige kardinalsrote "Dinosaurier-Papst", der seit dem vergangenen Samstag mit Hirtenstab und inmitten einer Schar weißer Schafe durch die Domstadt rollt.

Die katholische Kirche sei "ein uraltes, lebendes Fossil aus schon längst untergegangenen, archaischen Zeiten", meint Tilly, der durch seine politik- und kirchenkritischen Mottowagen beim Düsseldorfer Rosenmontagszug bekannt geworden ist. "Der Promotionwagen soll daran erinnern, dass die Kirche nicht nur eine Heilsgeschichte, sondern ebenso eine bisher unbewältigte Kriminalgeschichte mit sich herumschleppt", erklärt der Künstler. Dennoch verwahrt er sich dagegen, mit seinem Wagen die Christen generell beleidigen zu wollen.

Die "Dino"-Gruppe hat er für das "Heidenspaß-Komitee" gebaut, einer humanistischen Vereinigung aus Künstlern und Privatpersonen, die inmitten hunderttausender junger Pilger für satirische und kirchenkritische Töne sorgt. "Heidenspaß statt Höllenqual" heißt die Maxime, die Einrichtung "religionsfreier Zonen" das Ziel. Eine Kirchenaustritts-Party (Motto: "Always look on the bright side of life") ist ebenso geplant wie eine "Enttaufungs-Zeremonie". "Auf Bibel-Lesungen soll deutlich werden, dass die sogenannten "christlichen Werte", auch einen zutiefst unmenschlichen und totalitären Kern haben", so Tilly.

Neben dem pinken Ungetüm hat der Düsseldorfer auch seinen Zeichenstift für kirchenkritische Töne genutzt. Pilger, die in luftiger Höhe zwischen den Domtürmen in einem Spinnennetz zappeln, zählen ebenso zu seinen Motiven wie eine Bibel, aus der Blut quillt, oder Medienvertreter aller Couleur, die sich vor Kardinal Meisner auf den Boden werfen.

 
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