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Leserbriefe
Düsseldorfer gegen Johannes-Rau-Flughafen

User-Reaktionen auf Flughafen-Umbenennung
User-Reaktionen auf Flughafen-Umbenennung
Der Airport soll nach dem verstorbenen Ministerpräsidenten benannt werden. Darüber gibt es eine lebhafte Debatte, die Rheinische Post hat viele Leserbriefe erhalten.

Gezerre

Nun mal ganz ehrlich: Wen der abfliegenden oder ankommenden Fluggäste interessiert wohl der Name Johannes-Rau-Flughafen? Und wer – vor allem junge Menschen oder Ausländer – kann mit diesem Namen überhaupt etwas anfangen? Und wie sprechen die vielen ausländischen Fluggäste, die nicht der typisch deutschen Manie verfallen sind, alle ausländischen Namen unbedingt in der entsprechenden Landessprache korrekt auszusprechen, diesen Namen denn aus? Für mich ist das einfach nur eine Beweihräucherung eines, wenn auch verdienten, Politikers. Und dann das typische politische Gezerre: Du bekommst Johannes Rau und ich dafür Richard-von-Weizsäcker ! Im Übrigen heißt unser Flughafen "Düseldorf International Airport" und in London gibt es u.a. Heathrow und Gatwick und in New York auch noch Newark und La Guardia und in Paris auch noch Orly und Le Bourget usw. usw. (Manfred Kuhnen, Golzheim)

Johannes Rau unterwegs in Düsseldorf FOTO: Horn Ulrich

Besser Heinemann!

Konrad Adenauer, Willy Brandt, Franz Josef Strauß und Helmut Schmidt haben mit den Städten, deren Flughäfen nach ihnen benannt sind, eines gemein: Sie haben dort gelebt und vor allem etwas für deren Weiterentwicklung getan. Bei Johannes Rau wäre dies, abgesehen von seinen Besuchen in Düsseldorfer Kneipen und des Varietés, anders. Johannes Rau hat nicht in der Stadt gelebt, sein Herz schlug für Wuppertal und das Interesse galt vor allem dem Ruhrgebiet. Während andere Bundesländer für Laptop und Lederhose warben, setzten wir in NRW auf Bergmannslieder und Grubenlampe. Der Strukturwandel wurde zwar beschworen, aber kam kein Stück voran. Der Schreibtisch des Ruhrgebiets spielte für den Ministerpräsidenten Rau keine Rolle. In seiner Zeit verlegten Banken und Versicherungen Steuersitz, Vorstände und Arbeitsplätze nach dem Umwerben anderer Bundesländer für immer aus NRW und Düsseldorf. Einzig die WestLB mit ihren Skandalen, dem Firmenjet für Raus Regierungsmitglieder und dem Skatfreund Neuber blieben noch ein paar Jahre bis zur endgültigen Abwicklung durch die EU. Legendär ist auch Raus Rolle bei dem Streit um den Düsseldorfer Künstler Joseph Beuys und dem anschließenden Abwandern von Galerien. Auch aus seiner Zeit als Bundespräsident ist keine besondere Nähe zur Stadt oder unserer Region bekannt. Also warum Johannes Rau als Namensgeber für den Flughafen? Wenn es schon ein Bundespräsident aus Nordrhein-Westfalen sein soll, dann doch lieber Gustav Heinemann, in dessen Amtszeit – aus welchen Gründen auch immer – Düsseldorf wenigstens nicht verloren hat. (Peter Dietlmaier, Wittlaer)

Fotos: Diese Persönlichkeiten sind Namensgeber für Flughäfen FOTO: dpa

Eitelkeiten

Wann hört bloß dieses ewige Geschacher um die Eitelkeiten der Parteien auf ?! Schlage vor, den Flughafen direkt in "SPD-Flughafen" umzubenennen und das Mannesmannhaus in "CDU-Hochhaus". Dann müsste doch erstmal Ruhe sein ... (Peter Cleven, Carlstadt)

Schwachsinn

Ich begrüße Ihre Möglichkeit, sich zur Umbenennung unseres Flughafens zu äußern. Zu welchem Schwachsinn hat sich da die Politik hinreißen lassen. Zusätzlich zum bereits vorhandenen Johannes-Rau-Platz – sogar mit Figur – will man den Namen Airport Düsseldorf auslöschen. Aus der Politik ist man einiges gewohnt, aber den Namen, wie vorgeschlagen zu ändern, ist doch wohl das Letzte. Ohne weiter auf die Gedankengänge von Frau Kraft und Herrn Geisel einzugehen, möchte ich als Düsseldorfer die Beibehaltung des bisherigen Namens. Wollen wir denn nicht alle den Namen Düsseldorf besser vermarkten? Die Streichung des bisherigen Namens bedeutet für mich einen Rückschritt der Vermarktung Düsseldorf. Ebenso für schwachsinnig halte ich die Umbenennung des Mannesmann-Hochhauses. Würde eine Demo gegen eine Umbenennung der zwei geplanten Benennungen stattfinden, würde ich in der 1.Reihe mitmarschieren. Von daher rufe ich alle Gegner auf, sich ebenso kritisch zu äußern. Vielleicht können wir somit gemeinsam diesen Schwachsinn aus den Köpfen einiger Politiker auslöschen. (Bernd Foetzki, Flehe)

Nicht umbenennen

1. "Düsseldorf Airport" ist eine eindeutige Benennung. Es steht für die Stadt und die Region und damit eine internationale Marke für unsere Stadt. Gerade die Internatonalität und Bekanntheit von Stadt und Region sind Gegenstand vieler Überlegungen. Warum also hier eine herausragende Marke beschneiden? 2. Rau war sehr lange Ministerpräsident, korrekt. Gerade in der späteren Amtszeit war das "Landesvater-Sein" die Maximalausprägung des reinen Verwaltens. Während Länder wie Bayern und Baden-Württemberg sich modernisierten und für die Zukunft rüsteten, war in NRW Stillstand angesagt. Bei allem Strukturwandel sind die Vorteile unseres Landes nicht genutzt worden. "Ausgezeichnet" hat ihn die lange Amtszeit, die erst mit dem Wegloben ins Bundespräsidenten-Amt eine Begrenzung fand. Neue Impulse blieben auch in dieser Phase leider aus. Die Fortsetzung seiner Verwaltungs-Politik hat in Form der "Landes-Mutter" einen inzwischen bedrohlichen Charakter erhalten. 3. Das Mannesmann-Hochhaus in Richard von Weizsäcker-Haus zu benennen, ist einer der größten außerkarnevalistischen Kalauer seit langer Zeit. Schon die Vodafone-Übernahme, nebst sozialneiderisch begleiteter Strafverfolgung der Mannesmann-Verantwortlichen, hat die Bezeichnung nicht verändert. Warum jetzt dieser Versuch? Was hat der honorige Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit Düsseldorf zu tun? Wenn das der polit-ideologische Appetit-Happen für die oben beschriebene Posse sein soll, dann ist das schlicht peinlich. Da die Sozialdemokraten sich die Meinungsvielfalt oft auf die Fahnen schreiben und "mehr Demokratie wagen" als Mantra gilt, warum dann nicht zu dieser Entscheidung eine Bürgerabstimmung durchführen? 4. Wenn schon eine Umbenennung, dann doch mit Namen von Menschen, die in Düsseldorf und der Region wirklich Bedeutung hatten: Johann-Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Konrad Henkel, Graf Adolf von Berg, meinethalben Siegfried von Westerburg, Erzbischof von Köln zur Zeit der Schlacht bei Worringen. Oder Fortuna 95-Flughafen, da geht es bekanntlich auch immer auf und ab....oder ab und auf. 5. Ein Letztes noch: Wie eingangs erwähnt ist die aktuelle Benennung prägnant, eindeutig und mit klarem lokal-regionalem Bezug. Dass momentan diverse Flughäfen, ob fertig oder nicht, einen Namen aus der jüngeren Zeitgeschichte von mehr oder weniger strittigen Persönlichkeiten erhalten (haben), muss uns Rheinländer nicht antreiben. Hier sind Römer rein – bei uns eher dran vorbei –, Franzosen raus, Preußen und Bayern wieder rein, Menschen aus dem Osten hierher- ... und irgendwann Leute aus allen Ecken der Welt hingekommen. Das ist Düsseldorf, dafür steht der Name der Stadt, in der Region und bisher auch in der Welt. Keine Umbenennung des Flughafens Düsseldorf! (Robert Austerschmidt, Garath)

Unglaublich

Gegen (wohl schon manifestierte) Entscheidungen der Landes- und Stadt-Politik wird der "mündige Bürger" kaum eine Chance haben, diese abzuwenden. Umbenennungen von Gebäuden und Plätzen? Bei Neubauten kann ich nichts gegen eine bestimmte Namensgebung vortragen. Hier aber haben wir seit Jahren / Jahrzehnten zum Stadtbild gehörende Gebäude mit einer damit verbundenen Namensgebung, wie z.B. "Mannesmann-Haus" und eben auch "Rhein-Ruhr-Flughafen". Johannes Rau hat sicher einiges in 20 Jahren Landespolitik erreicht, aber dass jetzt die SPD-Stadt- wie auch Landesregierung so eine Umbenennung OHNE Bürgerbefragung vornehmen möchte – das ist einfach unglaublich. Es gibt ja sogar Kritik aus fast allen Lagern der Politik zu dieser irrwitzigen Umbenennung. Wenn eine Umbenennung unbedingt stattfinden muss (einen zwingend erforderlichen Grund sehe ich nicht), dann gerne auf eine Persönlichkeit, die in direktem (!) Zusammenhang mit unserer Stadt steht. Eine Umbenennung, nur weil andere Länder und Städte einzelne Flughäfen nach Politikern umbenannt haben, ist für mich einfach keine Begründung. Wer kennt im Ausland Johannes Rau? Eine Bürgerbefragung – das wäre noch eine Alternative. Und es wäre ein Zeichen von "Miteinander & "Fairness", wenn Stadtbewohner "etwas" in ihrer Stadt mitreden / -entscheiden könnten. (S. Koch, Düsseldorf)

Flugaffäre

Die Umbenennung in Johannes-Rau-Flughafen Düsseldorf würde dem internationalen Flughafen in Düsseldorf nicht gerecht werden. Zudem muss an die Düsseldorfer Flugaffäre erinnert werden, in die Johannes Rau verwickelt war. Diese Korruptionsaffäre in NRW dient sicherlich nicht als Aushängeschild für eine Namensgebung. Die Aussage von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und OB Thomas Geisel "Johannes Rau hat NRW wie kein anderer Ministerpräsident geprägt" gibt meines Erachtens ein falsches Bild ab. Gerade unter Johannes Rau ist in seiner 20-jährigen Regierungsführung NRW im innerdeutschen Vergleich wirtschaftlich, technologisch und sozial stark zurückgefallen. (Ludwig Nüchter, Hamm)

Nicht so bekannt

Mir ist diese ganze Diskussion nicht ganz klar. Erstens frage ich mich, was die Politik damit zu tun hat. Ich denke, wie der Flughafen heißt, liegt im Entscheidungsbereich des Flughafenbetreibers. Die Stadt- und die Landesregierung sollten sich um wichtigere Dinge kümmern, wie z.B. das aktuelle Flüchtlingsproblem. Es reicht schon, dass viel zu viel Zeit für die haarsträubende Umbenennung des Mannesmann-Hauses verplempert wird. Zweitens denke ich, Herrn Johannes Rau in Ehren, dass sein Bekanntheitsgrad nicht so hoch war, dass die Mehrheit der hier landenden Passagiere etwas mit dem Namen anfangen kann und bei der Landung in Ehrfurcht erstarrt. Drittens ist mir nicht klar, was die Jüdische Gemeinde mit der Namensgebung des Düsseldorfer Flughafens zu tun hat. Deren Andenken an Johannes Rau wegen seiner großen Freundschaft zu Israel ist lobenswert, aber schließlich landen die Passagiere in der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens und nicht in Tel Aviv. Mit einer eventuellen Umbenennung des dortigen Flughafens "Ben Gurion" wird sich hoffentlich unsere Stadt- und Landesregierung oder womöglich die Bundesregierung doch nicht auch noch beschäftigen wollen? (Wolfgang Rabe, Angermund)

Schlechter Witz

Die Benennung des Flughafens nach Rau ist ein schlechter Witz. Johannes Rau hat doch nichts für die Landeshauptstadt getan, wie die meisten Ministerpräsidenten von NRW. Dazu zählt auch Rüttgers. Bemerkenswert ist das schlechte Verhältnis von Frau Kraft zu ehemaligen Oberbürgermeistern der CDU. Klaus Nickoll Stadtmitte

Wer kennt ihn?

Den Düsseldorfer Flughafen umbenennen? Wer kennt im Ausland Johannes who??? Wo gute Markenartikler sich seit Jahren Mühe geben, Düsseldorf als eine feste Marke zu etablieren? Und im gleichen Atemzug auch noch das Mannesmann-Haus umzubenennen? Weizsäcker who?? Käme jemand auf die Idee eine Odol-Flasche mit einem schlanken Hals zu verkaufen? (Antje Prast, Düsseldorf)

Unmöglich

Unmöglich finde ich die Umbenennung. Was hat Herr Rau mit dem Flughafen zu tun? Man kann eine Straße nach ihm nennen. Das reicht! Hat Frau Kraft nichts Besseres zu tun, als sich um eine Ehrung von Herrn Rau zu kümmern. Aber Frau Kraft ist ohnehin ein politischer Totalausfall. (Johanna Kaup, Düsseldorf)

Dringenderes

Gibt es in diesem Land NRW keine dringenderen Probleme als die Umbenennung von Flughäfen und Verwaltungsgebäuden? Die SPD, insbesondere Frau Kraft und Herr Geisel, will wohl von ihrer eigenen Unfähigkeit ablenken. Welche Verdienste hatte denn Herr Rau wirklich? Außer den Laden SPD zusammen und bei Laune zu halten, hat NRW unter seiner Ägide wirtschaftlich keine Fortschritte gemacht. Die Probleme der West LB sind in dieser Zeit unter dem Parteifreund Neuber und dessen Expansionspolitik mit Niederlassungen in aller Welt größer geworden. Es wird Zeit, dass Personen und deren Verdienste kritischer beleuchtet werden. (Dirk Janssen, Haan)

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