| 18.53 Uhr

Blitzmarathon 2016 in Düsseldorf
"...und plötzlich hat man's nie mehr eilig"

Düsseldorfer Polizei zeigt wie Autos nach Unfällen aussehen können
Gundolf de Riese-Meyer vor dem völlig zerstörten BMW: Dass niemand bei dem Unfall ernsthaft verletzt wurde, war Zufall. FOTO: Bretz, Andreas
Düsseldorf. Zu hohes Tempo ist im Stadtgebiet die zweithäufigste Unfallursache. Die Polizei appelliert beim bundesweiten Blitzmarathon an die Autofahrer und macht in Düsseldorf deutlich, wie Autos nach Unfällen mit hoher Geschwindigkeit aussehen können.  Von Stefani Geilhausen

Seit 15 Jahren ist Gundolf de Riese-Meyer Leiter des Verkehrskommissariats. Die schwerste Aufgabe dabei: Angehörige von Unfallopfern zu trösten. Und am schwersten, sagte er am Montag, fällt ihm das, "wenn ein Mensch gestorben ist, nur weil es einer eilig hatte."

Klaus Cziolek von der Düsseldorfer Polizei machte deutlich, wie Autos nach Unfällen mit hoher Geschwindigkeit aussehen. FOTO: Bretz, Andreas

Zeitdruck ist die häufigste Begründung von Schnellfahrern, die die Polizei erwischt. 341 haben voriges Jahr Unfälle verursacht, bei denen Menschen zu Schaden kamen.

Unfallausgang war Zufall

21. April 2016: Hier wird im Kreis Mettmann kontrolliert

Glimpflich ging vor einigen Wochen die Tempofahrt eines 21-Jährigen aus: Auf nasser Fahrbahn war er in einem 20 Jahre alten 5er-BMW (286 PS) über die Rotterdamer Straße gerast und hatte die Kontrolle verloren. Der Wagen schoss mehrere Betonpoller vom Bürgersteig, knickte einen Lichtmast um. Der Fahrer und seine 19-Jährige Beifahrerin kamen mit dem Schrecken davon. "Zufall", sagt de Riese-Meyer über den Unfallausgang. "Wäre ein Fußgänger auf dem Gehweg gewesen oder hätte der BMW einen Kleinwagen gerammt, hätten die anderen keine Chance gehabt."

Der BMW steht, weil das Ermittlungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, im Sicherstellungsgelände der Polizei. Auch der Wagen daneben ist bei einem Unfall in der Stadt zerstört worden: Ein 20-Jähriger war in Hassels auf die Gegenfahrbahn geraten und frontal mit seinem Auto auf den Golf gekracht, dessen Motorraum völlig zerquetscht ist. Moderne Technik sorgt dafür, dass die Geschwindigkeitsenergie beim Aufprall in Deformierung umgewandelt wird. Aber ob dabei nur das Blech deformiert wird, ist kaum beeinflussbar,

Menschen müssen sich fortbewegen, und die physikalische Formel für die Bewegungsenergie lautet Masse mal Geschwindigkeit im Quadrat. "Der höchste Faktor dieser Formel ist der einzige, den wir beeinflussen können", appelliert de Riese-Meyer an die Verantwortung, die jeder Autofahrer trägt. Früher losfahren heißt das Mittel zur Pünktlichkeit, und eben nicht der feste Tritt aufs Gaspedal. "Sonst hat man's plötzlich nie mehr eilig."

Raser im Visier

Am Donnerstag wird die Polizei bundesweit beim Blitzmarathon von 6 bis 22 Uhr Raser ins Visier nehmen. Die Aktion ist nicht unumstritten, aber ihr Grund steht außer Frage: Zu viele Menschen sterben täglich durch zu schnelles Fahren. Auch, wenn die Ursache eines Unfalls vielleicht eine andere ist: "Je schneller man dabei fährt, desto schwerwiegender sind die Folgen."

Deshalb nimmt die Polizei den Blitzmarathon diesmal zum Anlass, auf die Unfallopfer aufmerksam zu machen. Dabei, sagte Ernst Adam, der kommissarische Leiter der Verkehrsdirektion, gehe es nicht nur um die Toten. "Ein schwerer Unfall verändert das Leben von vielen Beteiligten, auch das von Angehörigen, die einen schwer Verletzten vielleicht ihr Leben lang pflegen müssen."

Zum Unfall des jungen BMW-Fahrers haben womöglich auch die minderwertigen Breitreifen an dem PS-starken Wagen beigetragen. Wer ein altes Fahrzeug für kleines Geld kaufe, sagte de Riese-Meyer, müsse auch die Kosten für die Unterhaltung des Wagens einkalkulieren und nicht an der sicherheitsrelevanten Ausstattung sparen. Seinen erwachsenen Kindern hat der Polizist zur bestandenen Führerscheinprüfung ein Fahrsicherheitstraining geschenkt.

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