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Maskottchen im Interview
Düsseldorfer U-Dax: "Vorerst ist Schluss mit dem Gebagger"

Maskottchen im Interview: Düsseldorfer U-Dax: "Vorerst ist Schluss mit dem Gebagger"
Der U-Dax (l.) im Gespräch mit RP-Wirtschaftsredakteur Thorsten Breitkopf. Im Wirtschaftsclub sprach das Maskottchen über die U81, die Idee, den Rhein im Tunnel zu versenken, aber leider nicht über die Kosten der Wehrhahn-Linie. Kritik an dem Millionen-Bauprojekt und den Baustellen lässt der U-Dax nicht gelten. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Das Maskottchen der Düsseldorfer U-Bahn-Baustellen spricht über 43 Jahre Arbeitsleben und erstmals über mögliche Neubauprojekte.

Lieber U-Dax, Sie sind das Maskottchen für lästige Baustellen. Nervt es Sie, dass die Stadtväter Sie vorschicken, wenn es darum geht, unpopuläre Themen schön zu verkaufen?

U-Dax Sehen Sie, mit Verlaub, ich bin halt ein Medienprofi. Kleine, mir nachempfundene Gummifiguren etwa verschenken wir an Kinder, seit 40 Jahren, fast jeder Düsseldorfer hat einen Mini-U-Dax im Regal. So macht man sich beliebt und nicht mit langen Reden. Ich weiß, wie man das Volk einfängt, wenn es Ärger gibt. Das habe ich allen Oberbürgermeistern, die in meiner Amtszeit mit mir zusammenarbeiteten, voraus.

Sie stehen seit mehr als vierzig Jahren stellvertretend für die U-Bahn-Baustellen - ein anstrengender Job?

Der U-Dax zu Besuch bei der RP FOTO: Endermann, Andreas

U-Dax Ach wissen Sie, ich bin es gewohnt, hart zu arbeiten. Ich weiß nicht, wie Sie es als Journalist so halten. Aber ich rauche nicht dauernd, und mache nicht ständig Kaffeepause. Dann wird man auch mal fertig, so wie die Wehrhahn-Linie, die mal wieder pünktlich komplett wird.

Aber Moment, es hat mehr als sechs Jahre gedauert, und die vielen Baustellen haben Autofahrer und Einzelhändler mehr als genervt.

U-Dax Das ist doch Gerede von gestern. Die Röhre ist bald fertig, und alle sind froh, basta!

Waren die Arbeiten anspruchsvoller als bei früheren Baustellen?

Center.tv-Chefredakteur Christian Zeelen fotografiert Kollege Benny Becker mit dem U-Dax. FOTO: Endermann, Andreas (end)

U-Dax Unter dem Kaufhof mussten wir das Erdreich vereisen. Arschkalt war das, das können Sie mir glauben. Das war auch für mich eine vollkommen neue Erfahrung.

Sie haben jetzt 43 Jahre gearbeitet. Ist es Zeit, in den Ruhestand zu gehen?

U-Dax Mal ganz langsam, ja! Also eine Pause gönne ich mir jetzt. Vorerst ist Schluss mit dem Gebagger. Aber nur vorerst. Es gibt noch einiges, was mir vorschwebt. Denken Sie etwa an die U81. Sie verstehen ja als Schreiberling sicher nicht wirklich was von Tunnelbau, deswegen erklär ich Ihnen das mal. Eine Tunnellösung wäre die beste Variante für die Strecke zum Flughafen, ganz einfach, weil Tunnel sind in der Erde. Die werden nicht nass, wenn es regnet, Schnee macht auch nix, Sturm und sowas auch nicht. Also fix einen Tunnel bauen. Das würde ich dann zur Chefsache machen.

Aber sind Sie bei der Beurteilung einer Tunnellösung für die U81 als Dachs nicht etwas befangen?

U-Dax Quatsch. Von meinem Pressesprecher hieß es, es bestünden bei Fachleuten gewisse "Bedenken", dass der U-Dax irgendetwas erzählt, was an der künftigen Realität vorbei zielt. Immerhin gewinnen die Aussagen im Interview durch mich als Person doch eine gewisse Authentizität. Aber mal ehrlich. Ich weiß doch, wie so was geht. Wenn es nach mir ginge, würden wir noch viel mehr Tunnel bauen. Der Rhein beispielsweise, wäre der in einem Tunnel, gäbe es im Sommer viel weniger Mücken in der Innenstadt.

U-Dax im RP-Medienhaus am Newsdesk mit den Redakteuren Thorsten Breitkopf, Nicole Lange und Jan Wiefels (v.l.) FOTO: Endermann, Andreas (end)

Aber würde die Stadt Düsseldorf nicht an Charme verlieren, wenn der große Strom wie ein Abwasserkanal unter die Erde käme?

U-Dax Immer diese Skeptiker. Beim Rheinufertunnel waren am Anfang auch alle dagegen. Und heute ist alles tipptopp und alle sitzen knutschend auf den Bänken, die da stehen, wo früher ne Schnellstraße war.

Haben Sie noch andere Pläne, was man in Düsseldorf so alles untertunneln könnte?

U-Dax Aber klar. Am besten alles, aber das wird wohl zu teuer, fürchte ich. Meine Kollegen in London planen grade unterirdische Fahrradwege. Das wäre natürlich viel besser als die von der Ampel geforderten Radwege. Mein Traum wären 100 Kilometer Fahrradtunnel. Dann würde auch keiner mehr durch die lästige Klingelei dieser Radfahrer gestört.

Aber Tunnellösungen sind besonders teuer und belasten den Steuerzahler. Daher mal eine unbequeme Frage: Wie viel haben Ihre ganzen U-Bahn-Bauten den Steuerzahler gekostet?

U-Dax Also das ist eine sehr gute Frage und ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie diese Frage stellen. Ich wäre ohnehin noch darauf zu sprechen gekommen. Dazu muss ich aber, Sie gestatten, etwas weiter ausholen. Also, mein Vater hat immer gesagt ...

...die Kosten!?

U-Dax Ah ja, die Kosten, ja, also, vielen Dank noch mal für die gute Frage, aber Sie werden sicher verstehen, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht treffsicher und unseren Ansprüchen genügend verlässliche Zahlen liefern können. Da bitte ich um Ihr Verständnis. Aber irgendwann in ferner Zukunft werden Sie es - vielleicht - erfahren. Übrigens, Kompliment, schöner Kugelschreiber, wo kriegt man sowas?

Sie lenken ab, Themenwechsel. Gestatten Sie Fragen zu Ihrer Person? Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

U-Dax Wenn ich abends durch die Altstadt ziehe, mache ich im Grunde das gleiche, was ich beruflich mache: Baggern und Graben.

Sie haben seit 43 Jahren die selbe blaue Latzhose an. Wäre es nicht mal an der Zeit für was Modischeres?

U-Dax Herr Breitkopf, Sie haben ja auch dauernd das gleiche blaue Sakko an. Ich störe mich nicht daran. Die Latzhose ist praktisch. Und einen Helm würde ich Ihnen auch empfehlen. Das kleidet ungemein, finde ich. Wir sind eine Modestadt.

Werden Sie zur Eröffnung der Wehrhahn-Linie einen Anzug tragen?

U-Dax Auf keinen Fall. Die blaue Hose ist mein Markenzeichen.

In Köln verzögern sich ja die Arbeiten an der dortigen U-Bahn. Sind Sie bereit, den Nachbarn zu helfen, damit die Kölner auch so eine schöne U-Bahn wie wir bekommen?

U-Dax Den Kölnern helfen? Haha, ist denen noch zu helfen? Spaß beiseite. Sicher würde ich denen beim U-Bahn-Bau helfen. Noch in 100 Jahren würde man den Kölner Kindern erzählen, dass ausgerechnet ein Düsseldorfer deren U-Bahn fertig bekommen hat. Das wäre ein Fest.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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