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Gespräch in der Bahn machte sie nachdenklich
Düsseldorferin möchte krebskranker Frau ihre Haare spenden

Düsseldorferin möchte krebskranker Frau ihre Haare spenden
Lang, dick, ungefärbt: Leonie Siepmanns Haare wären perfekt, um daraus eine Perücke zu machen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Eine Auszubildende aus Düsseldorf hörte im Zug ein Gespräch mit. Eine Mutter erklärte ihrer Tochter, warum ihre Schwester keine Haare mehr hat. Danach fasste Leonie Siepmann den Entschluss, einer Krebskranken ihre Haare zu spenden.  Von Helene Pawlitzki

Manchmal hört man in der Bahn zufällig eine Unterhaltung, über die man noch lange nachdenkt. So ging es auch Leonie Siepmann vor einigen Wochen. Die 21-Jährige macht eine Ausbildung zur Erzieherin und war unterwegs zur Schule. In der U-Bahn hörte sie, wie ein kleines Mädchen ihre Mutter fragte: "Warum hat die Frau da vorne so lange Haare und meine große Schwester keine?"

Tatsächlich hat Leonie tolles Haar - fast bis zum Po, sehr dick, ein natürliches Kastanienbraun. "Die Mutter des Mädchens hat geantwortet, dass die große Schwester Krebs hat und dass viele krebskranke Menschen keine Haare mehr haben", erinnert sich Leonie. "Das kleine Mädchen war sehr verwundert und hat gesagt, dass sie das ungerecht findet."

Sie habe lange darüber nachgedacht, sagt Leonie - mehr als sechs Wochen. "Aber das kleine Mädchen hat recht. Das ist wirklich ungerecht!"

Suche bei Facebook

Jetzt will die junge Frau handeln. Auf Facebook sucht sie die große Schwester des kleinen Mädchens. "Ich möchte ihr meine Haare spenden für eine Perücke", sagt Leonie entschlossen. In ihrem Beitrag beschreibt sie, wann und wo sie den Dialog belauscht hat: in der U79 Richtung Duisburg zwischen den Haltestellen Victoriaplatz und Klemensplatz, vor etwa sechs bis acht Wochen, also Mitte September oder Anfang Oktober, zwischen 16 und 16.30 Uhr an einem Montag, Mittwoch oder Donnerstag. "Das Mädchen war circa fünf oder sechs Jahre alt und hatte blonde Haare."

Obwohl mehr als 100 Nutzer den Beitrag teilten und kommentierten, hat Leonie die Familie bisher nicht gefunden. Aber geht das überhaupt - seine Haare spenden für jemanden, der keine mehr hat?

Tatsächlich ist das möglich - wenn auch nicht ganz billig. Die meisten Zweithaarstudios bieten den Service zwar nicht an. Bei ihnen kann man nur Perücken kaufen, die bereits angefertigt wurden. Es gibt aber Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, aus gespendeten Haaren Perücken herzustellen. Und bei einigen von ihnen kann die Spenderin den Menschen, der davon profitieren soll, gleich mitbringen. Beispielsweise bei der Firma Rieswick&Partner aus Velen-Ramsdorf im Münsterland.

200 Stunden Handarbeit

"Klar geht das", bestätigt Geschäftsführer Max Rieswick. Am besten wäre es, wenn die Haarspenderin und die Betroffene gemeinsam vorbeikämen. Zunächst würde die Firma überprüfen, ob das neue Haar auch zur Perückenträgerin passt. Dazu sollte sie Fotos von ihrer Frisur vor der Chemotherapie mitbringen. "Die Haarfarbe sollte möglichst passen, sonst wird es sehr kompliziert." Anschließend würden dann die Maße des Kopfes genommen - und der Spenderin die Haare zum Zopf gebunden und abgeschnitten. Die Perücke werde dann in Asien gefertigt. Die Kosten für die 200 Stunden Handarbeit dafür muss allerdings entweder die Spenderin oder die Empfängerin tragen. Hausnummer: 2000 bis 4000 Euro.

Wenn Leonie dagegen ihre Haare spenden würde, ohne den Empfänger zu bestimmen, würde sie noch etwas dafür bekommen. Viele Organisationen nehmen abgeschnittene Zöpfe entgegen. Manche spenden die entstehenden Perücken an Kinder oder Erwachsene, die durch Krankheit ihr Haar verloren haben. Andere stellen kommerziell Perücken her, zahlen aber im Namen der Spenderin eine Summe an wohltätige Zwecke. Viele zahlen auch den Friseurbesuch der Spenderin.

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Leonie Siepmann hofft weiter, die Familie des Mädchens aus der Bahn zu finden. Unter Umständen würde sie aber auch einer anderen Person ihre Haare spenden, sagt sie. Am liebsten möchte sie den Menschen, der bald ihre Frisur trägt, kennenlernen. "Ich möchte gerne diesen Weg gemeinsam gehen."

Quelle: RP
 
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