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Keine heiße Spur
Düsseldorferin verzweifelt gesucht

Keine heiße Spur: Düsseldorferin verzweifelt gesucht
Dieses britische FOTO: Northumbria Police
Düsseldorf. Die 35-jährige Natalie Bracht ist in England zur landesweiten Fahndung ausgeschrieben, weil die Behörden fürchten, dass sie eine Gefahr für ihre Kinder sein könne. Die Polizei hat noch keine heiße Spur, die Eltern senden einen Hilferuf über die BBC. Von Alexei Makartsev

Ihre sanfte Stimme verrät Erschöpfung. Und Angst. "Wenn sie mich finden, dann stecken sie mich in eine Nervenheilanstalt oder ein Gefängnis, und sie schicken meine Kinder nach Israel und geben ihnen dort andere Namen, damit ich sie niemals wiedersehen kann", sagt die junge Frau.

Als Natalie Bracht aus Düsseldorf in ihrem Versteck diese Worte ins Mikro eines Journalisten sprach, ahnte sie vermutlich nicht, dass sie noch monatelang erfolgreich mit den britischen Behörden Katz und Maus spielen würde. Die 35-jährige Deutsche mit einem englischen Pass ist in Großbritannien zur landesweiten Fahndung ausgeschrieben. Die Behörden befürchten, dass Bracht für ihre Kinder gefährlich sein kann.

Es war das Jugendamt, das Mitte Mai einen Richter gebeten hatte, die fünf Mädchen in Obhut zu nehmen. Die Begründung: Natalie Bracht leide an einer "histrionischen Persönlichkeitsstörung". Es ist, vereinfacht gesagt, eine krankhafte Sucht nach Aufmerksamkeit, die laut Psychologen zu Aggressionen oder sogar Selbstmordgedanken führen kann. Am 20. Mai gab das Gericht grünes Licht. Zu spät: Drei Tage zuvor hatte Natalie Bracht ihre Wahlheimat verlassen.

Beginn des "Agenten-Thrillers"

Hier fängt der vermeintliche Agenten-Thriller an: Als die Polizei an die Tür von Brachts Haus klopft, ist die flüchtige Mutter mit ihren Töchtern bereits in Newcastle. Sie ist auf Videoaufnahmen in einem Bahnhof zu sehen. Knapp vier Stunden später steigt Bracht aus einem Zug in London King‘s Cross in einem langen weißen Gewand als Muslimin verkleidet – auch das hat eine Kamera festgehalten. Mutter und Töchter verbringen einige Wochen in London, dann ziehen sie in die Nähe von Bristol. Dort trifft Natalie Bracht den freiberuflichen Radioreporter Tony Gossling.

Bracht behauptet, wegen ihrer angeblichen Beziehungen zu RAF-Terroristen in Deutschland sechs Mal im Gefängnis gewesen zu sein. Ihr Vater sei ein israelischer Spion im Dienst der Briten, der sich in Libyen verstecken müsse. Auch ihr Mann, ein Ex-Atomwissenschaftler aus Israel, habe für einen Nachrichtendienst gearbeitet. Sie werde vom Mossad und der CIA gejagt, weil sie keine Spionin werden wollte, sagt die Deutsche in dem Interview.

Gossling glaubt ihr offenbar, denn wenig später versucht der Reporter, ihr zu helfen. Gossling bezahlt mit einer Kreditkarte von Bracht an einer Tankstelle, er wird wenig später von der Polizei festgenommen. Gossling schweigt, doch irgendwann tauchen neue Hinweise auf, wonach sich die Familie in Südengland aufhalte. Dann sehen Zeugen Natalie Bracht in Moretonhampstead. Die Polizei kommt jedes Mal zu spät. Ende Juni verliert sich die Spur der Frau und deren Kinder.

22 Hinweise bekommen

Fast vier Monate später erlaubt es ein Gericht in Newcastle, den Ermittlern die Fotos der Familie zu veröffentlichen und die Öffentlichkeit um Hilfe zu bitten. Seitdem habe die Polizei 22 Hinweise bekommen, sagt Will Green von der Northumbria Police. "Trotz anderslautender Gerüchte gehen wir davon aus, dass Natalie sich noch in Großbritannien befindet: Denn es ist sehr schwer, das Land illegal zu verlassen".

Green zeigt sich unbeeindruckt von den Agentengeschichten, zugleich staunt der Brite über Brachts Fähigkeit, sich unerkannt zu bewegen. "Natalie kann sich bestens verstecken. Sie muss Helfer gehabt haben." Das Drama macht Natalies Eltern in Lage schwer zu schaffen.

Als sich Heidrun Brown am Telefon meldet, lauscht sie zunächst atemlos, ob es Neuigkeiten gebe. "Auch wir haben keine Ahnung, wo sie sein könnte", sagt Brown, die mit einem Engländer verheiratet ist. "Wir machen uns große Sorgen um unsere Tochter".

In einem BBC-Aufruf bitten die Eltern Natalie, mit den Kindern zu ihnen zu kommen. "Natalie geht es nicht gut, und sie braucht dringend Hilfe", sagt John Brown. "Wir waren eine glückliche Familie", sagt seine Frau. Dann aber habe sich ihre Tochter verändert: "Sie war seltsam zu uns". Natalie sei vor zwei Jahren nach England ausgewandert, erzählt Heidrun Brown, weil die deutschen Behörden ihr die Kinder wegnehmen wollten.

Quelle: RP
 
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