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Heimat erleben in Düsseldorf
Düsseldorfs Geburtsstunde in 500 Einzelteilen

Heimat erleben in Düsseldorf: Düsseldorfs Geburtsstunde in 500 Einzelteilen
FOTO: RP
Düsseldorf. Bert Gerresheim zeigt im Stadterhebungsmonument am Burgplatz die Schlacht bei Worringen, aber auch die Entwicklung der Stadt. Von Uwe-Jens Ruhnau

Es ist sicher das Düsseldorfer Denkmal, das am genauesten betrachtet wird: das bronzene Stadterhebungsmonument am Burgplatz. Es besteht aus 500 Einzelteilen und wurde anlässlich des 700. Stadtgeburtstags 1988 von den Jonges gestiftet. "Ein Denkmal zum Fabulieren", sagt sein Schöpfer Bert Gerresheim, "ein Vexierspiel." Und damit etwas ganz anderes als das, was sich die Chefetage des Heimatvereins zunächst vorgestellt hatte. Die Vorstände schwärmten dem Künstler bei den ersten Gesprächen vom Reiterstandbild Jan Wellems vor, sahen schon Graf Adolf und seine Frau hoch zu Pferde aus der Josef-Wimmer-Gasse zum Burgplatz reiten.

Für Gerresheim wäre das ein Grauen gewesen. Er dachte an die Schlacht bei Worringen, die die Übermacht des Kölner Erzbischofs brach. Kurz darauf wurde Düsseldorf zur Stadt erhoben, vielleicht weil ein paar der damals gerade mal 300 Düsseldorfer an der blutigen Metzelei beteiligt waren, viel mehr aber noch, um ein Gegengewicht gegen das mächtige und dem Bischof nahestehende Neuss zu schaffen. "Als ich in der Zeitung ein Foto ineinander verkeilter Autos sah, wusste ich: Das ist es", erinnert sich Gerresheim. Das erste Bild des Triptychons entstand: Teilnehmer der Schlacht, kaum voneinander zu unterscheiden, anders als bei Gerresheims Vorbild Paolo Uccello hohle Figuren - eine Kritik am Krieg, "dieser ewigen menschlichen Dämlichkeit", und deswegen hat Gerresheim auch eine Pistole eingeschmuggelt, weil er zeitlose Kriegskritik üben wollte. Wie gesagt: ein Denkmal zum Fabulieren.

Bert Gerresheim in seinem Atelier an der Hüttenstraße. FOTO: Endermann

Im Mittelteil des Monuments ist die Urkunde der Stadterhebung zu sehen. Die Arme des Grafen und seiner Frau sollten ebenfalls hohl sein, damit der Betrachter in sie hineingleiten und die Urkunde gleichsam hätte mitunterzeichnen können. Das wurde nicht gestattet, die Behörden befürchteten viele Verletzungen, vor allem bei Kindern.

Mehr hatte Gerresheim zunächst nicht geplant. Als jedoch Stadtpolitiker ins Atelier kamen, um die Entwürfe zu sehen, war es eine über das "Kriegsdenkmal" schimpfende Marit von Ahlefeld (Grüne), die Düsseldorf nicht auf diese Zeit beschränkt und auch den positiven Fortgang der Stadtgeschichte angedeutet sehen wollte. "Irgendwann dachte ich: Sie hat Recht", sagt Gerresheim. Und so dominieren vier Päpste, die mit dem kirchlichen Leben der Stadt verbunden sind, den rechten Teil des Triptychons - das gefiel auch St. Lambertus, die Kirche gab für das Denkmal einen Teil ihres Grundstücks her. Ein Mönch trägt zudem Teile des Apollinaris-Schreins, so endet die Geschichte.

Jedes Jahr trifft sich Bildhauer Bert Gerresheim mit Stadtführern und erklärt ihnen seine Arbeit, andererseits haben diese ihren Spaß daran, wenn sie wieder ein Detail entdeckt haben, zu dem sie etwas wissen wollen. Auf dem Marktkarren in der Mitte sind Obst und Gemüse, Muscheln und Bierflaschen auszumachen, stilisierte Stadtpläne weisen auf das Wachstum der Stadt bis heute hin.

Am 30. Oktober wird die Beleuchtung des Monuments durch den Oberbürgermeister eingeweiht, und wer mehr über den "Stadtbildhauer" Bert Gerresheim erfahren möchte: Zu seinem 80. Geburtstag widmet ihm das Clemens-Sels-Museum in Neuss (!) ab dem 29. November eine Ausstellung.

Quelle: RP
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