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Kolumne "Die Woche im Rathaus"
Düsseldorfs OB Thomas Geisel - der Einzelkämpfer

Kolumne "Die Woche im Rathaus": Düsseldorfs OB Thomas Geisel - der Einzelkämpfer
Oberbürgermeister Thomas Geisel, hier im Plenarsaal des Rathauses, hat viel Mut zur eigenen Meinung. FOTO: Endermann, Andreas
Meinung | Düsseldorf. RRX, Tour de France, Kunsthalle, Schauspielhaus - dass der Oberbürgermeister nicht immer mit der Mehrheit geht, ist grundsätzlich eine Stärke. Leider schadet er mit seinen Alleingängen aber auch sich selbst, seiner Partei und der Stadt. Von Arne Lieb

Der ganze Stadtrat fordert eine genauere Prüfung des "Deckels" für die Bahnstrecke durch Angermund. Der ganze Stadtrat? Nein. Ausgerechnet der Vorsitzende versagte seine Zustimmung. Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) erläuterte den 82 Ratsleuten ausführlich, was aus seiner Sicht gegen die Variante für den RRX- Ausbau spricht, die von der Bürgerinitiative Angermund gefordert wird, von hohen Kosten bis zu städtebaulichen Nachteilen. Am Ende stimmten trotz seiner Bedenken alle zu. Nur der Stadtchef selbst enthielt sich - mit dem Hinweis, er wisse genug, um sich schon ein (offenbar ablehnendes) Urteil zu bilden.

Es war wieder einer dieser Momente, die einen über Geisel rätseln lassen. Warum hat er sich nicht einfach dem Votum des Stadtparlaments angeschlossen? Warum wollte er unbedingt herausstellen, dass er anderer Meinung ist? Am Beschluss änderte sein Alleingang nichts. Darüber hinaus verschaffte er der Opposition einen Angriffspunkt, schließlich konnte die CDU ihn als Gegner der eigenen Bürger darstellen. Parteifreunde sollen den Stadtchef daher noch gebeten haben, auf den Auftritt zu verzichten. Vergeblich. Geisel liebt Alleingänge - egal, ob sie ihm, der Partei oder der Stadt schaden.

Dass der Stadtchef so viel Mut zur eigenen Meinung hat, ist grundsätzlich sogar eine seiner Stärken. Schon allein seine Ungeduld verbietet es ihm, die Dinge um des lieben Friedens schönzureden. Stattdessen sagt Geisel ungewöhnlich deutlich, was ihn stört und was er ändern möchte - auch, wenn er damit aneckt. "Wer mich fragt, bekommt eine Antwort", lautet sein Credo. Zum Populisten ist er nicht geboren.

Leider bereitet es ihm auch nach rund zweieinhalb Jahren im Amt auffallende Schwierigkeiten, auch die anderen Beteiligten von seinen Vorhaben zu überzeugen. Geisel fällt es schwer, tragfähige Bündnisse zu schmieden - und sich dafür auch mal zurückzunehmen. Gestartet ist er mit dem Versprechen, sogar den politischen Gegner mitzunehmen. Allerdings sorgt er auch in den eigenen Reihen für wenig Wir-Gefühl. Vor allem das Verhältnis zu FDP und Grünen ist unterkühlt.

Oft steht der Stadtchef als Einzelkämpfer da, und er scheint sich in dieser Rolle gar nicht so schlecht zu gefallen. Die Tour de France holte er ohne solides Bündnis, mit den (schließlich gescheiterten) Wohntürmen am Landtag brachte er das Präsidium des Landesparlaments gegen sich auf, weil er es vorher nicht ins Boot geholt hatte. Und mit seinem Vorstoß, die Kunsthalle an den Kunstpalast anzudocken, hat Geisel jüngst nicht nur die Ampel-Fraktionen gegen sich aufgebracht, sondern gleich die halbe Kunstwelt.

Auch Sozialdemokraten haben ihm vor allem das Fiasko rund ums Schauspielhaus übelgenommen - Geisels verheerendster Solo-Auftritt. Mit seinem überraschenden und ohne Not geborenen Vorstoß, man könne das Gebäude anders nutzen, überfuhr er nicht nur die Landesregierung, sondern auch die eigenen Leute. Der Stadtchef tat wenig dafür, die Wogen zu glätten.

Die RRX-Abstimmung dürfte das Verhältnis zum Rat nicht verbessern. Es ist ja nicht so, dass nicht auch die Politiker die möglichen Knackpunkte der Einhausung kennen. Daher fordern sie bewusst nicht, sie in jedem Fall zu bauen, sondern rufen nur dazu auf, die Entscheidung auf Basis von genaueren Zahlen zu treffen. Wenn ausgerechnet der Stadtchef auf Distanz geht, wiegt das schwer. Die Bahn wird die Einhausung sicher nicht wohlwollender betrachten, wenn sich schon die Düsseldorfer Stadtspitze nicht überzeugt zeigt. Dieser Alleingang könnte sich als fatal erweisen.

Quelle: RP
 
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