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Stille Helfer Eine Aktion von Rheinischer Post und Provinzial
Düsseldorfs Vogelwelt immer im Blick

Stille Helfer Eine Aktion von Rheinischer Post und Provinzial: Düsseldorfs Vogelwelt immer im Blick
Im Himmelgeister Rheinbogen ist Alfred Leisten regelmäßig unterwegs, um den Vogelbestand zu erfassen. Auch der vom Aussterben bedrohte Steinkauz brütet dort. FOTO: Hans-Jürgen Bauerweiß
Düsseldorf. Alfred Leisten setzt sich für den Vogelschutz ein, mit Nistkästen und indem er den Bestand dokumentiert. Von Sonja Schmitz

Wenn in Düsseldorf ein Student eine Arbeit über eine Dohle schreibt, dann ruft er höchstwahrscheinlich erst einmal bei Alfred Leisten an, um nachzuhören, wo der diesen Vogel in Düsseldorf gesichtet hat. Der 78-jährige Hobbyornithologe ist seit mehr als 30 Jahren im Naturschutz mit dem Verein Nabu aktiv und mit Düsseldorfs Vogelwelt eng vertraut. Für das Umweltamt beispielsweise ist er seit sieben Jahren im Einsatz für ein Klimamonitoring. Einer seiner Aufgaben ist es, zu erfassen, wann welcher Vogel im Himmelgeister Rheinbogen ankommt.

Die genauen Daten sind in einem Band nachzulesen, der auch im Internet veröffentlicht ist. Demnach war im vorigen Jahr der erste Vogel, den Leisten im Himmelgeister Rheinbogen antraf, der Zilpzalp, und zwar am 2. April. Der Kuckuck kam deutlich später, am 28. April. "Das hängt natürlich davon ab, wie oft ich hierherkomme und wie intensiv ich suche", sagt Leisten, der meist mehr Begehungen macht als vorgeschrieben. Ziel der jährlichen Dokumentationen ist es, herauszufinden, wie sich der Klimawandel auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirkt. "Das im Blick zu halten, ist eine langwierige Sache, dabei geht es um minimale Veränderungen", sagt Leisten.

Was allerdings bereits festzustellen ist: Durch den Klimawandel haben sich viele Reviere etwas nördlich verschoben. Bei den Vögeln sind es etwas mehr als 30 Kilometer. Die Insekten reagieren schneller und sind ihnen etliche Kilometer voraus. Das kann für die Nahrungssuche der Vögel zum Problem werden. Wenn beispielsweise der Kuckuck erst so spät nach Düsseldorf kommt, dann kann es sein, dass sich seine Raupennahrung schon in einen Schmetterling verwandelt hat. Gleichzeitig kommen Vögel in der Region an, die niemals zuvor hier gesichtet wurden. Der Bienenfresser beispielsweise, ein prächtig bunter Vogel aus den Tropen und Subtropen, wurde bereits in Erkrath gesichtet.

Wenn man von Alfred Leisten solche und andere Dinge aus der Vogelwelt erfährt, kann man sich vorstellen, dass er viel Zeit in dieses umfangreiche Wissensgebiet investiert. Um auf dem Laufenden zu bleiben, besucht er Weiterbildungen und Fachvorträge, unternimmt Exkursionen durch ganz Europa und manchmal sogar bis nach Afrika, wohin die Zugvögel ziehen. "Ich muss mich jedes Jahr wieder reinhören", sagt Leisten.

Ein besonderes Anliegen ist ihm aber seit langem der vom Aussterben bedrohte Steinkauz. 22 Brutpaare hat er auf Düsseldorfer Stadtgebiet gezählt. "Das ist ein Höchststand und ein gutes Ergebnis für eine Großstadt wie Düsseldorf", sagt Leisten. Nur sechs Paare davon brüten frei und nutzen Baumhöhlen. Die anderen ziehen ihren Nachwuchs in Nistkästen auf. Angefangen hatten Leisten und seine Kollegen vom Verein Nabu die Nisthilfen aufzuhängen am Golfplatz an der Lausward. Dort war ein Steinkauz gesichtet worden, der im Winter die warme Umgebung des Kraftwerks zur Mäusejagd nutzte. Als die Naturschützer dort Nistkästen installierten, wurden sie sofort belegt. Durch den Erfolg ermutigt, wurde die Aktion auf Gebiete in Niederkassel und Lörick ausgeweitet. Leisten hat jeden Standort eines Nistkastens mit GPS-Daten erfasst und nummeriert, damit sie auch wiedergefunden werden können.

Begonnen mit seinem Hobby hatte noch, als er als Lehrkraft für Technische Auszubildende tätig war. "Wenn es Querelen mit 18-Jährigen gab, ging ich in die Natur, und dort habe ich mich wieder entspannt", sagt Leisten. Einen Vogel hält er sich zu Hause nicht. "Mit einem Käfig - das ist nicht meine Richtung", sagt er. Sein Lieblingsvogel - direkt gefolgt vom Steinkauz - ist übrigens die Elster, die auch seltener wird. "Sie ist schlau, gerissen und wie alle Rabenvögel intelligent", sagt Leisten, der sich nicht am schlechten Image des Vogels stört.

So gut wie im Bereich der Vogelwelt kennt sich Leisten natürlich nicht überall aus. Als er neulich als Ehrenamtler bei einem Fest des Bundespräsidenten eingeladen war, wies ihn seine Frau immer wieder auf Prominente hin. "Ich habe keinen davon gekannt."

Quelle: RP
 
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