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Düsseldorf
Duisburgs Finanznot gefährdet Opernehe

"Die Oper darf nicht sterben"
"Die Oper darf nicht sterben" FOTO: Peter Böttner
Düsseldorf. Die Verhandlungen über die Opernehe laufen. Immer weitere Einsparungen bedrohen die Qualität des Kulturhauses. Ein Problem sind vor allem die Tarifsteigerungen - an denen sich Duisburg weiter nicht beteiligen will. Von Arne Lieb und Uwe-Jens Ruhnau

Die Sorgen um die Zukunft der Rheinoper wachsen. Dem Kulturhaus drohen weitere Einsparungen - und damit wohl ein Verlust an künstlerischer Qualität. Bis zum Sommer muss der Vertrag über die Opernehe mit Duisburg verlängert werden. In der Nachbarstadt signalisiert man, trotz leerer Kassen die Zusammenarbeit fortsetzen zu wollen, sicher ist das aber noch nicht. Ein Angebot wollen die Duisburger nach den Osterferien vorlegen.

Eine schlechte Nachricht steht schon fest: Duisburg wird sich weiterhin nicht am Ausgleich von Tarifsteigerungen beteiligen. Man will keinen Präzedenzfall für andere Stadttöchter schaffen. Schon seit Jahren kommt Düsseldorf allein für den Großteil der Mehrkosten beim Personal auf, den Rest muss die Oper an anderer Stelle einsparen. Dadurch droht der finanzielle Spielraum immer weiter zu sinken.

Es geht um erhebliche Beträge: Die Personalkosten machen rund 34 Millionen Euro pro Jahr und damit 73 Prozent des Gesamt-Etats von Oper und Ballett aus. Weil die Tarifabschlüsse höher als prognostiziert waren, besteht für die nächste Spielzeit bereits heute ein Mehrbedarf von rund 600 000 Euro. Mit der Stadt Düsseldorf laufen derzeit Verhandlungen, ob sie einen Teil zusätzlich übernimmt. Für die kommenden Jahre sind weitere Tarifsteigerungen zu erwarten.

Kulturdezernent Hans-Georg Lohe spricht von einer "drohenden Abwärtsspirale". Er lobt, welche Qualität das Haus trotzdem biete. "Es ist unglaublich, was die Oper mit ihrem Zuschuss leistet." Der Spardruck ist aber bereits zu spüren, spätestens, seit Duisburg vor zwei Jahren seinen Zuschuss um eine Million auf 9,5 Millionen Euro pro Jahr gesenkt hatte (Düsseldorf zahlt rund 25 Millionen Euro im Jahr). Die Zahl der Neuproduktionen in der Oper ist von neun auf sechs pro Spielzeit zurückgegangen. Einige künstlerische Höhepunkte, wie das Orchester Neue Düsseldorfer Hofmusik in der gefeierten "Xerxes"-Inszenierung, lassen sich nur aus Überschüssen aus vergangenen Jahren finanzieren.

Wie angespannt die Lage ist, zeigen interne Berechnungen der Oper vor der letzten Vertragsverlängerung 2013. Sie malen ein düsteres Szenario, falls weiter gekürzt wird: "Die Deutsche Oper wird von einem Institut mit nationalem bzw. internationalem Rang der Oper und des Balletts zu einem beliebigen Stadttheater mutieren", heißt es in den Papieren, in die die RP Einblick nach dem Informationsfreiheitsgesetz genommen hat.

Bei den Verhandlungen wird es trotzdem auch darum gehen, weitere Sparpotenziale zu suchen. Duisburgs Kulturdezernent Thomas Krützberg (SPD) hofft darauf, noch Kosten senken zu können, ohne die künstlerische Qualität zu beschädigen. Er kündigt an, man werde prüfen, wie sich das Sparprogramm vor zwei Jahren entwickelt hat. Damals hatte eine Unternehmensberatung das Haus durchleuchtet. "Wir müssen schauen, an welchen Stellen wir vielleicht noch sparen oder Mehreinnahmen erzielen können."

Auch Oberbürgermeister Thomas Geisel will Sparmöglichkeiten prüfen. Da die Oper es ohne spürbare Auswirkungen geschafft habe, eine Million Euro intern einzusparen, fragt Geisel, ob nicht noch mehr geht. Er sieht die Opernehe als substanziell an, stellt aber die Frage, ob sich die Gewichte nicht noch weiter nach Düsseldorf verschieben müssten - also mehr Aufführungen in Düsseldorf und weniger in Duisburg gespielt werden. Schon jetzt gibt es 180 Vorstellungen pro Spielzeit in Düsseldorf, in Duisburg sind es seit der letzten Sparrunde nur noch 80 statt 100. Und: Der Oberbürgermeister hätte nichts dagegen, erneut zu prüfen, ob ein dritter Partner ins Boot kommen könnte.

Der Düsseldorfer Stadtspitze bleibt zunächst wenig übrig, als auf die Ansage der Duisburger zu warten. Klar ist: Ein Alleinbetrieb der Oper ist die schlechteste Option. Er würde das Aus für Jugendbühne und Opernstudio bedeuten, Oper und Ballett müssten erheblich sparen - und das 53 Mitglieder große Ensemble müsste um mindestens 15 Köpfe verkleinert werden. "Ein enormer Aderlass", resümiert Opernintendant Christoph Meyer, der deswegen klar sagt: "Die Konstruktion der Rheinoper ist hervorragend, man muss alles dafür tun, dass sie erhalten bleibt."

In dieser Gemengelage sind nun die Experten der Verwaltung gefordert. Am 7. Mai sollen sie dem Aufsichtsrat ihren Vorschlag vorlegen.

Quelle: RP
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