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Kolumne Auf Ein Wort
Durchs Schlüsselloch schauen

Kolumne Auf Ein Wort: Durchs Schlüsselloch schauen
FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Heiligabend durften wir tagsüber nicht ins Wohnzimmer. Aber es gab ja noch das Schlüsselloch. Wir haben uns davor gedrängelt, um wenigstens einen kleinen Blick zu erhaschen. Was ich damals gesehen habe, weiß ich heute nicht mehr. Aber ich kann mich noch sehr genau an das Gefühl der Sehnsucht erinnern. Dieses Gefühl haben wir ja nicht nur zu Weihnachten. Gerade in schweren Zeiten fragen sich viele: Wie lange muss ich diese Belastung noch aushalten? Wann wird es besser? Ist nicht vielleicht etwas Gutes in Sicht?

Schlüssellöcher geben den Blick frei - und vielleicht finden wir auf der anderen Seite das, wonach wir uns sehnen. Für mich ist der ganze Advent eine Art Schlüsselloch. Er lädt uns ein, zu suchen, worauf wir hoffen. Einen Blick zu ergattern auf das, wonach wir uns sehnen.

Worauf richtet sich Ihre Hoffnung, Ihre Sehnsucht im Advent?

Ich hoffe auf Begegnungen, die gut tun. Ich hoffe darauf, mehr Zeit zu haben für das, was wirklich wichtig ist. Und ich hoffe auf Gott, dass er kommt als Mensch unter den Menschen. Und dass es anders wird in der Welt. Kein Krieg mehr, endlich Frieden. Menschen, die hungern, werden satt.

Wir kümmern uns umeinander, gerade auch um die Schwächeren. Advent ist eine Zeit, in der wir hoffen können. Und damit anfangen können, etwas zu verändern. Als Kinder haben wir durch das Schlüsselloch immer viel zu wenig gesehen. Und viel zu kurz. Aber das hat uns nicht davon abgehalten, es immer wieder zu versuchen. Und uns darauf zu freuen, dass irgendwann die Tür aufgeht und die Erwartung sich erfüllen wird. "Siehe, es kommt die Zeit...." (Jeremia, 23, 5)

Noch ist es nicht so weit. Ich glaube, dass dieses Ziel immer vor uns liegt. Es will sich von uns suchen lassen. Es will in unserer Vorstellungskraft lebendig sein. Deshalb sollten wir ihn immer wieder wagen, den Blick durchs Schlüsselloch. Vielleicht wird dann auch eine neue Richtung des Denkens und Hoffens anbrechen.

Quelle: RP
 
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