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Serie Sportliches Düsseldorf
"Sportpolitiker werden vergessen"

Serie Sportliches Düsseldorf: "Sportpolitiker werden vergessen"
Ratsherr Stefan Wiedon kritisiert fehlende Beteiligungsmöglichkeiten. FOTO: CDU
Düsseldorf. Die politischen Entscheidungen im Sport werden in Düsseldorf in der ganz überwiegenden Zahl der Fälle im Konsens getroffen - bis jetzt. Der sportpolitische Sprecher der CDU, Stefan Wiedon, bemängelt, dass in jüngster Zeit "die Verwaltung die Politik nicht mehr mitnimmt". Eingebunden zu werden bedeute mehr, als gelegentlich mal zu einer Begehung eingeladen zu werden. Von Christian Herrendorf

Wiedon macht seine Kritik an drei großen Themen fest: dem Masterplan für Kunstrasenplätze, den Zuschüssen für Vereine und der Tour de France. Der Masterplan existiere nur noch in der Verwaltung, die Politiker seien nicht mehr in den Entscheidungsprozess eingebunden. Sie erhalten eine Beschlussvorlage, welche Kunstrasenplätze im darauffolgenden Jahr saniert werden. Nach welchen Kriterien dies erfolge und welche Prioritäten gesetzt würden, sei für den Sportausschuss aber nicht nachzuvollziehen. "Für uns ist da kein roter Faden ersichtlich."

Daraus ergibt sich für die Politiker die Schwierigkeit, dass sie Briefe mit Forderungen aus Vereinen erhalten, aber keine befriedigenden Antworten geben können, wann und warum der bemängelte Sportplatz in den Masterplan aufgenommen wird. "Aus unserer Sicht hängt das zum Beispiel davon ab, wie viele Jugend- und wie viele Frauenmannschaften es gibt, in welche Ligen die Mannschaften spielen und wie alt ein Platz ist."

Bei den Zuschüssen hat Wiedon Ende des vergangenen Jahres im Sportausschuss so unangenehme Fragen gestellt, dass es zum Eklat kam. Sportdezernent Burkhard Hintzsche packte damals seine Sache und verließ die Sitzung. Wiedon hatte angeführt, dass für Zuschüsse zu Investitionen der Vereine 1,7 Millionen Euro vorgesehen, tatsächlich aber nur etwa 500.000 Euro verwendet worden seien. "Für die Kämmerei ist das nicht schlecht, für den Sport aber unbefriedigend."

Bei der Bewerbung für den Auftakt der Tour de France 2017 seien die Probleme zwischen Verwaltung und Politik nicht erst in der dramatischen Sitzung des Stadtrats aufgetreten. Ursprünglich sollte das Konzept der Ratshausspitze auch im Sportausschuss behandelt werden, verschwand dort aber wieder von der Tagesordnung. "Sachverstand ist nicht gefragt. Warum wird der Fachausschuss nicht in die Überlegungen einbezogen?", sagte Wiedon damals. Und so stimmten auch die Sportler unter den CDU-Ratsleuten im Rat gegen die Tour, Oberbürgermeister Thomas Geisel benötigte deshalb auch die Stimme des Republikaners im Rat, um eine Mehrheit für die Bewerbung zu erhalten.

Wiedon will das Ideal der konsensualen Entscheidungen im Sport aber nicht aufgeben. "Wir wollen konstruktiv mitarbeiten. Aber wir müssen in die großen Linien eingebunden sein, sonst ist das nicht möglich."

Quelle: RP
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