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Düsseldorf
Tüftler aus Leidenschaft

E-Räder aus Düsseldorf
Tüftler Hecho Hahne aus Flingern zeigt seine Erfindung, ein Hochleistungs-E-Bike. Er würde damit gerne auch in Serienproduktion gehen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Hecho Hahne werkelt in seiner Wohnung in Flingern an E-Fahrrädern herum. Seine jüngste Entwicklung schafft 90 km/h Spitze. Von Tim Harpers

Das Treppenhaus sieht wenig einladend aus. Alte, rostige Fahrräder lehnen an der rechten Wand des kurzen Hausflurs. An der linken hängen Briefkästen. Einige wurden offensichtlich seit Wochen nicht geleert. Es ist stockfinster. "Das Licht ist kaputt", entschuldigt sich Hecho Hahne und lächelt freundlich. "Das kommt öfter mal vor. Da muss man durch."

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Der passionierte Hobbybastler deutet die Treppen hinauf in die Dunkelheit. "Da müssen wir hoch. Ihr werdet Augen machen." Kurze Zeit später steht Hahne in seiner Wohnung, die er gleichzeitig als Werkstatt nutzt, und präsentiert stolz seine Erfindung. "Da ist die Maschine", sagt er und deutet auf ein Fahrrad-Monstrum aus Karbon, Kohlefaser und Aluminium. "Einen richtigen Namen habe ich für die Maschine noch nicht. Ich nenne sie liebevoll ,mein Mutant'."

Hecho Hahne von der Kiefernstraße in Flingern ist Bastler aus Leidenschaft, wie er sagt. Er hat sich auf Elektromobilität spezialisiert, vor allem auf Fahrräder. In den vergangenen zehn Jahren hat der Bastler schon etliche Zweiräder für seine Zwecke umgebaut. Sein jüngstes Projekt toppt jedoch alles bisher Dagewesene. "So etwas hab' ich noch nie gemacht", sagt der 40-Jährige und tätschelt den Lenker seines modifizierten Fahrrads. "Ich habe ein Super-E-Bike gebaut. Das Schätzchen hier schafft 90 km/h Spitze."

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Ein Blick auf sein Objekt verrät, dass es mit einem Fahrrad nicht mehr viel zu tun hat. Die schwere Federgabel, überbreite Reifen und der massive Rahmen erinnern eher an ein Cross-Motorrad. Neun Monate reine Entwicklungszeit und mehr als 11.000 Euro an Materialkosten hat Hahne in die Hochleistungsmaschine investiert. Für die nötige Leistung sorgen die Batterien von zehn Elektrofahrrädern. "Das entspricht der Watt-Zahl von 280 Hochleistungs-Laptop-Akkus", erläutert der Tüftler. Straßentauglich ist die Entwicklung aber noch nicht. "Bisher konnte ich nur unter Laborbedingungen testen", sagt Hahne. "Bevor ich auf die Straße darf, brauche ich noch das Okay vom TÜV." Die nötigen Unterlagen seien bereits eingereicht, bald stehe ein erster Beratungstermin an. "Ich hoffe, ich muss nicht allzu viel ändern." Sein langfristiges Ziel ist die Marktreife. "Ich glaube, dass es einen Markt für saubere Hochleistungsbikes gibt", sagt er. Den wolle er bedienen. "Ich brauche nur jemanden, der an mich glaubt. Ohne Kapital kann ich nichts machen."

Auslöser seiner E-Bike-Manie war ein China-Urlaub vor zehn Jahren. "Die sind da damals schon viel mit Elektrofahrrädern rumgefahren", sagt der gelernte Kfz-Mechatroniker. Als er die Teile zum ersten Mal gesehen habe, sei es um ihn geschehen gewesen. "Ich hab' mir gedacht: ,Was die können, das kann ich schon lange.' Und dann habe ich losgelegt." Seitdem werkelt Hahne in seiner Wohnung an Fahrrädern herum. "Die Leute kommen vor allem wegen Lastenrädern zu mir. Da bin ich Spezialist. Die Hochleistungs-Räder waren ursprünglich nur ein Gedankenspiel."

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Ob er nun einen Investor findet oder nicht - weitermachen will Hahne in jedem Fall. "Ich liebe, was ich tue", sagt er. Rückschläge gehörten dazu. Das komme öfter mal vor. "Da muss man durch."

Quelle: RP
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