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Düsseldorf
Eckkneipen-Wirte fürchten das Aus

Düsseldorf. Gaststätten dürfen ab 2019 nur noch zwei statt drei Glücksspielautomaten aufstellen. Wirte, Gaststättenverband und Automatenaufsteller sehen die Rechtsänderung als Vorstufe zum Verbot. Dann drohte viele Kneipen die Schließung. Von Henning Rasche

Im "Kürten 40" gibt es keine Sitzplätze. Stattdessen besitzt Wirt Michael Huppertz eine Theke, vier Darts- und drei Glücksspielautomaten. Er bietet Bier, Flammkuchen und Pizza an. Zu seiner Eurovision-Song-Contest-Party hatten auf Facebook drei Personen zugesagt. Alt, Jägermeister und Wasser kosteten zu diesem aus deutscher Sicht recht trostlosen Anlass einen Euro. Jeden Abend öffnet Huppertz seine Kneipe in Rath pünktlich um 17.30 Uhr - noch jedenfalls. Er fürchtet nämlich um seine Existenz.

Die drei Glücksspielautomaten machen 40 Prozent der Bruttoeinnahmen von Michael Huppertz aus. "Ohne das Geld müsste ich wahrscheinlich zumachen", glaubt er. "Das ,Kürten 40' ist ein Treffpunkt für ganz normale Leute im Viertel", sagt der Gastronom, der bloß vier Aushilfen angestellt hat. Ein, zwei Bier trinken, Darts spielen, ein paar Münzen in den Daddel-Automaten werfen. Das sei der Alltag in Huppertz' Eckkneipe.

Doch die Glücksspielautomaten stehen im Fokus der Gesetzgeber. Erst Ende vergangenen Jahres verabschiedete das Bundeskabinett eine Änderung der Spielverordnung. Dort sind die Bedingungen zur Aufstellung von Automaten geregelt. Ab 2019 sind nur noch zwei statt drei Geräte in Gaststätten zulässig. Der maximale Verlust, den ein Spieler in der Stunde machen kann, wird von 80 auf 60 Euro gekürzt und der maximale Gewinn auf 400 statt 500 Euro begrenzt. All das soll der Suchtprävention, dem Jugendschutz und der Eindämmung von Geldwäsche dienen.

Gestern warnten die Interessenvertreter der Automatenaufsteller und Gastronomen auf einer Pressekonferenz schon einmal vor den Auswirkungen. Thomas Kießling vom Fachverband Gastronomie-Aufstellunternehmer erwartet, dass durch das Zurückdrängen legaler Spielangebote dem illegalen Spiel "Tür und Tor" geöffnet würde. Ohnehin seien die geplanten Einschränkungen Vorstufen zu einem kompletten Verbot der Glücksspielautomaten. Unter anderem setzen sich der Deutsche Städtetag und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler vehement dafür ein.

In Düsseldorf gibt es nach Schätzungen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) NRW etwa 600 bis 700 Kneipen, in denen Glücksspielautomaten stehen. Etwa 250 Euro verdient ein Gastronom pro Automat im Monat. Viele Kneipiers können nur noch so die Miete erwirtschaften, rechnet Rainer Spenke vom Dehoga vor. Nach der Einführung des Rauchverbots und des Mindestlohnes bedeute ein Ende der Glücksspielautomaten auch ein Ende der Eckkneipen, fürchtet Spenke.

Früher wurde in der Eckkneipe getrunken, geraucht und gespielt. Jetzt scheint diese Idee allmählich nicht mehr in die Vorstellung der Politik zu passen. Freddy Fischer, der sich mit der Initiativgruppe Gastronomie für die Kneipenkultur stark macht, sieht solche Gaststätten daher in der Opferrolle. Jugendschutz sei ihm zwar ein Anliegen, aber er befürwortet die "soziale Kontrolle" der Spielenden durch andere Gäste der Kneipe. Das sei sicherer als jede Spielhalle.

Michael Huppertz vom "Kürten 40" wird inzwischen selbst aktiv. Er hat einen Appell gestartet, den viele seiner Düsseldorfer Kollegen unterschrieben haben. Darin betont er die soziale Bedeutung der Eckkneipe und die geringen Gefahren von Glücksspielautomaten. Huppertz schickt seinen Appell an die Bundesregierung und den Landtag.

Quelle: RP
 
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