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Serie So Wohnt Düsseldorf
Edles Wohnen in der alten Lederfabrik

Serie So Wohnt Düsseldorf: Edles Wohnen in der alten Lederfabrik
Architekt Andreas Knapp steht in dem lichtdurchfluteten Loft in der ehemaligen Lederfabrik. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Andreas Knapp und seine Partner vom Büro Zentralbau erwecken mit Vorliebe alte Gebäude zu neuem Leben. Von Dagmar Haas-Pilwat

Wer hier wohnt, ist mitten drin im Großstadt-Trubel, denn die Lage ist superzentral. Das war früher schon so, als noch mit Absätzen und Ledersohlen, mit Schnürsenkeln und Schnallen gehandelt wurde. Damals lagerte hier in den Räumen eines Lederwaren-Großhandels das Handwerks-Zubehör für die Schuhmacher. Und dort wo heute die Küche ist, standen die Herren mit Nickelbrillen und Ärmelschonern an ihren Pulten und führten die Geschäfte. "Im ehemaligen Stall, in dem die Pferde und Kutschen ihren Platz hatten, parken heute die Fahrräder", sagt Andreas Knapp. Vor mehr als zehn Jahren hat er das historische, 1899 errichtete Gebäude mit den Backsteinfassaden im Hinterhof in der Friedrichstadt entdeckt. Und weil Knapp einen Hang dazu hat, alte Häuser wieder zu neuem Leben zu erwecken, hat er allein vier Jahre geduldig gewartet, bis die Genehmigungen zur Umwandlung des Gewerbe-Objektes in ein Wohn-Projekt vorlagen. "Wir mussten 43 Zustimmungen von allen umliegenden Parteien einholen", erinnert sich der Architekt.

"Wir lieben alte Gebäude, weil sie Geschichten erzählen und die wir wollen zeigen", sagt Knapp, der seit 2003 zusammen mit seinen Partnern Carsten Blankenhorn und Thomas Schmalstieg das Büro Zentralbau führt. Dabei planen und bauen die drei von vornherein so, wie sie selber gerne wohnen würden. "Wir setzen nur Projekte um, die uns auch Spaß machen." Gefragt sind vor allem Hinterhöfe, Gewerbe-Objekte wie Schreinerei oder eine Senffabrik oder ein leerstehendes Kloster. Solche Ensembles erfinden die Zentralbauer neu, machen sie fit für die heutige Zeit - und das abgeschirmt vom lauten Leben in der Stadt.

Der Blick in den Innenhof offenbart rauen Industriecharme mit roten Backsteinwänden. FOTO: Endermann, Andreas (end)

So wie das Loft in Friedrichstadt, in das sich Svenja und Jan Schmitt (auf Wunsch des Paares wurde der Name geändert) gleich auf den ersten Blick verliebt haben. "Geschützt durch zwei Innenhöfe genießen wir die Ruhe und Abgeschiedenheit, die innerstädtisch selten zu finden ist", sagen sie. Und in der Tat, wenn sich die beiden Tore zum Innenhof schließen, ist statt Autolärm nur noch Vogelgezwitscher zu hören.

Mit ihrem kleinen Sohn bewohnen die Eheleute das obere der insgesamt drei Lofts. "Wir haben das Dach aus den 1960er Jahren durch ein Pultdach ersetzt, das Obergeschoss um einen Meter erhöht und durch neue großflächige Sprossenfenster mit der typischen Industrieaufteilung ergänzt", erklärt Knapp. Hell und lichtdurchflutet ist der zur Wohnung umfunktionierte, mehr als 200 Quadratmeter große ehemalige Lagerraum, der sich über zwei Etagen erstreckt. Die 3,20 Meter hohen Decken sind aus unbehandeltem Sichtbeton, auf dem Boden mit Heizung liegt strapazierfähiges Industrieparkett, die Wände sind zum größten Teil von Putz befreit, so dass das alte Ziegelmauerwerk sichtbar ist. "Das macht das Ganze ein bisschen ruppig und individueller", sagt Schmitt. Dazu passt auch die Wand aus speziellen feuerbeständigen Glasbausteinen. "Die sorgen für ein schönes Licht genauso wie die Oberlichter, die sich bei Regen elektrisch schließen", betont der Architekt. Sein Ehrgeiz ist es, mit modernen Mitteln und neuester Technik möglichst viel vom historischen Charme zu retten.

Auf der unteren Loft-Ebene mit einer zusätzlichen Frühstücksterrasse auf dem Dach des ehemaligen Pferdestalls sind Kinderzimmer und Gäste-WC, die offene Küche mit großem Esstisch und der Wohnraum mit einem Kamin sowie das durch eine deckenhohe Stahltür abzutrennende Schlafzimmer und das Bad. Auch im Bad erinnert über der Wanne offenes Mauerwerk an die ehemalige Gewerbe-Nutzung.

Mitten im Wohnraum führt eine elegante Treppe nach oben, wo ein Arbeits-Gäste-Bereich eingerichtet und der Zugang zum großen Dachgarten ist. Hier scheint der Himmel greifbar nah zu sein und man hat das Gefühl, mitten in den Kronen der umliegenden Bäume zu sitzen. "So viel Grün und Freiraum - das ist schon ein großer Luxus mitten in der Stadt", sagen die Bewohner.

Quelle: RP
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