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Düsseldorf
Ehlert: "Dieselverbot gefährdet Jobs im Handwerk"

Düsseldorf. Dem Düsseldorfer Handwerk geht es so gut wie nie zuvor. Mit Sorge sieht man ein mögliches Fahrverbot für Diesel. Von Thorsten Breitkopf

Die Empfehlung des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts, ein Verbot von Dieselfahrzeugen im Stadtgebiet bis Oktober 2017 zu prüfen, hat das Handwerk massiv verunsichert. Das Gericht hatte der Bezirksregierung eine Frist gesetzt. Für Michael Schwenzer wäre das eine extreme Belastung. Der Unternehmer beschäftigt 30 Mitarbeiter in seinem Handwerksbetrieb für Heizung, Klima und Sanitär. Er hat 13 Fahrzeuge, vier sind mit Erdgas betrieben, der Rest sind - teils nagelneue - Dieselfahrzeuge, darunter VW Caddy und VW-Busse. Würde die Bezirksregierung der Empfehlung folgen, müsste Schwenzer einen Großteil seines Fahrzeugpools austauschen. "Ein Caddy kostet 30.000 Euro, ein VW-Bus 35.000 Euro, ein Austausch ist kurzfristig ohne wirtschaftliche Schäden nicht machbar", sagt er. Außerdem seien Dieselautos wegen der Leistungsfähigkeit mit Blick auf die schweren Werkzeuge besser einsetzbar.

Wie ihm geht es vielen Düsseldorfer Handwerksbetrieben. Die Handwerkskammer ist in Aufruhr. "Das Verbot von Dieselfahrzeugen in so kurzer Zeit wäre eine halbe Enteignung", sagt Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der Düsseldorfer Handwerkskammer. Es sei finanziell nicht akzeptabel, das selbst ganz neue Dieselfahrzeuge mit grüner Umweltplakette nicht mehr in die Stadt zum Kunden fahren könnten. "Besonders für die vielen Sonderfahrzeuge, die als Selbstzünder ausgelegt sind, muss es Ausnahmeregelungen geben", sagt Fuhrmann. Die Frist von wenigen Monaten sei nicht einhaltbar. Handelskammerpräsident Andreas Ehlert und Fuhrmann warnten eindringlich vor "dem Verlust von Arbeitsplätzen und einer Zunahme der Insolvenzen durch ein Dieselverbot". "Die Handwerksunternehmer brauchen vor allem einen Ordnungsrahmen, sonst halten sie sich mit Investitionen zurück", sagte Ehlert. In Düsseldorf gebe es 4000 Handwerksunternehmen mit etwa 25.000 Dieselfahrzeugen. Ebenso seien viele Mitarbeiter betroffen, die mit ihren Fahrzeugen dann nicht mehr nach Düsseldorf pendeln könnten, warnt Ehlert. 100.000 Diesel gibt es in der Stadt, genauso viele kommen als Pendlerfahrzeuge täglich rein. Tatsächlich ergab die Herbst-Konjunktur-Umfrage der Handwerkskammer eine Zurückhaltung bei den Investitionen. Jedes fünfte Unternehmen des Handwerks hat in den vergangenen Monaten seine Investitionen zurückgefahren, und dass, obwohl die Geschäfte exzellent laufen. So weist der seit mehr als 30 Jahren ermittelte Geschäftsklima-Index der Kammer mit einem Wert von 89 Prozent den besten Stand seiner Geschichte aus. 20 Prozent der befragten Firmen stellten neue Mitarbeiter ein, um die Aufträge zu bewältigen. 46 Prozent der Unternehmen bezeichnen die Lage als unverändert gut, 43 Prozent berichteten sogar von einer Verbesserung.

Ehlert warnte aber davor, das sich das Blatt bald wenden könne. "Der Sondereffekt des billigen Geldes verzerrt aktuell das Bild, insbesondere in den Baugewerben, das Pendel könnte in ein bis zwei Jahren zurückschlagen", sagt Ehlert.

Quelle: RP
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