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Serie Wohnen In Düsseldorf
Ein alter Ballsaal wird zum Loft

Serie Wohnen In Düsseldorf: Ein alter Ballsaal wird zum Loft
Auf der Galerie befindet sich das Arbeitszimmer - von hier aus kann man das helle Wohnzimmer überblicken. FOTO: anderswohneninderstadt/Zentralbau
Düsseldorf. Tag der Architektur 1: An der Märkischen Straße in Gerresheim hat das Architekturbüro "Zentralbau" eine Luxuswohnung mit besonderem Charakter geschaffen. Von Ute Rasch

Es passiert unwillkürlich. Wer zum ersten Mal diesen Raum betritt, dem entfährt automatisch ein Seufzer, dem gleich ein Gedanke folgt: "Ja, so müsste man wohnen!" Dabei wirkt das alte Haus auf der Märkischen Straße in Gerresheim, eingezwängt von seiner hoch ragenden Nachbarschaft, von außen ganz bescheiden. Innen aber öffnet sich direkt hinter der Eingangstür ein spektakuläres Loft mit drei Wohnebenen und einer neun Meter hohen Decke. Viel Platz für Seufzer.

Gestern am "Tag der Architektur" war dieser Wohntraum für ein paar Stunden der staunenden Öffentlichkeit zugänglich. Über 600 Neugierige nutzten die Gelegenheit, stiegen auf Plastiküberziehern (als besichtigten sie Schloss Benrath) die alten Stufen hinauf, bekamen einen Blick in Bad und Schlafzimmer gewährt und ließen sich von dem Architekten Andreas Knapp die Geschichte des Ortes erzählen. Einst war dieses Loft der Ballsaal einer Kneipe, in dem zum Ende des 19. Jahrhunderts ganz Gerresheim schwoofte. Es folgten eine Kegelbahn, später eine Teppichfabrik, zum Schluss wurden Mopeds verkauft. Zwischendurch immer wieder Leerstand. "Die Nachbarschaft war gespannt, was nun kommen würde", berichtet der Hausherr, der hier mit Frau, Tochter und zwei Hunden lebt. "Manche erwarteten ein Restaurant, weil bei unserem Einzug als erstes der Kronleuchter hing, übrigens an einem Flaschenzug, der noch aus der alten Tapetenfabrik stammt", ergänzt seine Frau.

Sie hatten zwei Jahre nach einem solchen Objekt gesucht. Immer an ihrer Seite Andreas Knapp, Geschäftsführer der "Zentralbau GmbH", Architekturbüro und Projektentwickler gleichermaßen. Markenzeichen: Gebäude mit Geschichte und Charakter zu entdecken, deren Potenzial zu erkennen und ihnen neues Leben einzubauen. Von der Vergangenheit wird dabei so viel erhalten wie möglich. So wurden in dem Gerresheimer Loft die alten Ziegelwände vom Putz befreit, nicht geglättet, sondern mit ihrer reizvollen Unvollkommenheit schlicht weiß gestrichen.

"Ansonsten wurde das Haus kernsaniert", erläutert Andreas Knapp. In dieser Zeit war sicher Phantasie gefragt, um sich vorzustellen, wie es sich hier mal leben lässt. Schon ein Jahr später zog die Familie kurz vor Weihnachten ein - "und wir fühlten uns sofort zuhause." Das liegt zweifellos auch an einer Einrichtung, die von zwei leidenschaftlichen Sammlern geprägt wird - auf den ersten Blick passt nichts zusammen, aber in der Kombination bilden die vielen Kuriositäten eine großartige Collage: So behauptet sich im Wohnraum eine milde lächelnde Madonna aus dem 19. Jahrhundert in Nachbarschaft eines persischen Zierpferds fast in Lebensgröße, und darüber schwebt keck ein altes Modellflugzeug.

Eine Treppe führt hinauf zu einer alten Galerie, auf der die Hausherrin ihr Arbeitszimmer eingerichtet hat - wie in einer Kommandozentrale. Ein Teil der Galerie wurde geschlossen und in Kinderzimmer, Bad und Schlafzimmer verwandelt, die durch Fenster in der Decke mit Tageslicht geflutet werden - inklusive Himmelsblick vom Bett aus.

Darüber ist dem Architekten-Team ein Clou gelungen: Das ursprüngliche Dach des Hauses wurde an einer Seite abgesenkt, so entstand Platz für einen geräumigen Dachgarten, auf dem jetzt Palmen und Oleander gedeihen, aber auch Walderdbeeren und Blaubeeren - in alten Metallkästen von einem belgischen Flohmarkt. Selbstverständlich hat das alte Haus ein technisches Herz, das auf neuestem Stand schlägt: Die Deckenfenster sind mit Sensoren ausgestattet, damit sie sich bei Regen automatisch schließen, im Gäste-WC fließt das benutzte Wasser des Handwaschbeckens direkt in die Toilettenspülung, die Fußbodenheizung unter dem Zementestrich-Boden wird von der hauseigenen Gas-Brennwert-Therme betrieben.

Doch schon lenkt ein Stück mit Vergangenheit wieder den Blick auf sich, wie die Treppenstufen aus altem Waffelblech (das Andreas Knapp überall aufkauft), darüber Griffe aus altem Leder, die einst Turnern am Stufenbarren Halt gaben. Jetzt fungieren sie als Handläufe.

Quelle: RP
 
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