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Serie So Wohnt Düsseldorf
Ein alter Fronhof als Zuhause

Serie So Wohnt Düsseldorf: Ein alter Fronhof als Zuhause
Für den Umbau des Fronhofes hat sich Architekt Rainer Dolle unter anderem von alten niederländischen Dörfern inspirieren lassen. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Lange stand der ehemalige Fronhof in Himmelgeist leer, heute verbirgt sich hinter seinen alten Mauern ein modernes Innenleben. Dort wird eine lebendige Nachbarschaft gelebt. Von Ute Rasch

Hier ist Düsseldorf noch durch und durch Dorf. Durch die Nikolausstraße in Himmelgeist weht zuweilen das strenge Aroma der Landwirtschaft. Nur ein paar Schritte entfernt beleben Bäcker, Bankfiliale, Büdchen und ein Biergarten den dörflichen Alltag. Wo die Bebauung endet, beginnt das Naturschutzgebiet und der Park von Schloss Mickeln - beliebte Ausflugsziele an Wochenenden. Direkt gegenüber von St. Nikolaus, einer der ältesten Kirchen Düsseldorfs, ist die bäuerliche Existenz längst Vergangenheit: Der historische Fronhof, erstmals im Jahre 904 erwähnt, verbirgt hinter seinen alten Mauern ein modernes Innenleben. Und eine lebendige Nachbarschaft.

Noch vor zehn Jahren stand an diesem Ort ein längst verlassener, runtergekommener Bauernhof. Heute weist ein Wappen mit zwei Steinkäuzchen den Weg durch ein eisernes Tor, dahinter schließen sich mehrere Gebäude um einen Innenhof mit einer alten Rotbuche an. Das schafft Ruhe und Intimität - ein Dorf im Dorf. "Wir haben uns tatsächlich von alten holländischen Dörfern inspirieren lassen", erinnert sich Rainer Dolle vom Düsseldorfer Architekturbüro Dolle + Gross. Gesindehaus, Scheune, Alte Mühle, Herrenhaus - die Namen der Gebäude erinnern an ihre frühere Funktion. So war im "Stall", der heute gediegenem Wohnen Raum gibt, früher tatsächlich der Kuhstall.

Rainer Dolle weist auf eine Außenmauer der alten Scheune, die ziemlich schief ist. "Wir haben sie so gelassen, aber dahinter steht praktisch ein völlig neues Haus." Nur wer genau hinschaut, sieht an den Fenstervertiefungen dunkle Metallplatten, die die Fassade aus alten Abbruchziegeln zusätzlich stabilisieren. Heute beherbergt die Scheune sieben Einfamilienhäuser, die alten Tore blieben erhalten, wer eintritt, schaut gleich in den Garten und weiter ins Naturschutzgebiet. Neben den Auflagen des Denkmalschutzes beeinflussten auch spezielle Sicherheitsbestimmungen den Umbau. So bekam jedes Haus der Scheune eine gläserne Dachgaube, damit die Feuerwehr im Notfall ins Dach einsteigen kann.

Jedes Haus des Fronhofs hat eine ausgeprägte Individualität, kein Grundriss gleicht haargenau dem anderen. Das gilt auch für die Neubauten, die entlang der Nikolausstraße die maroden Gesindeunterkünfte ersetzten. Diese Neubauten haben seinerzeit in Himmelgeist heftige Kritik hervorgerufen. "Sie sind viel höher als die alten Schuppen, das hat vielen Himmelgeistern nicht gefallen", erinnert sich Ulrike Michaelis, Vorsitzende des Bürgervereins Himmelgeist 1100.

In einem dieser Neubauten leben auf drei Ebenen Silvia und Tobias Weizel. Sie haben sich schnell eingewöhnt in die ländliche Umgebung, auch wenn sie es von in ihrer Altbauwohnung in Oberkassel kaum kannten, schon mal mitten in der Nacht von einem ratternden Trecker geweckt zu werden. "Wir genießen die wunderbare Natur vor der Haustür." Und diese ganz besondere Nachbarschaft. Alle duzen sich im Fronhof. "Wer hier wohnt, der will engen Kontakt zu anderen", berichtet Tobias Weizel. Das Miteinander sei ausgesprochen herzlich, aber niemals aufdringlich.

Sein engster Freund Peter wohnt schräg gegenüber, und mit seinem direkten Nachbarn trifft er sich gelegentlich zu einem Plausch auf beiden Dachterrassen - das Trenn-Mäuerchen hat genug Platz für zwei Männer und zwei Gläser. Regelmäßig im Sommer und Winter "und manchmal auch spontan" feiern alle 26 Familien des Fronhofs im Innenhof an der Rotbuche. Nicht nur nach solchen Abenden sagt Silvia Weizel: "Sollten wir hier noch mal wegziehen, würde ich am liebsten meine Nachbarn mitnehmen."

Quelle: RP
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