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Düsseldorf
Ein Armband wird zum Türöffner

Düsseldorf: Ein Armband wird zum Türöffner
Ulrich Schaarschmidt zeigt, wie die neue Uhr aussehen könnte, die Türen öffnen kann. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Das Projekt "Nutzerwelten" könnte alten Menschen ermöglichen, länger selbstständig zu leben. Und eine neue Erfindung soll in Pflegeheimen getestet werden. Von Ute Rasch

Technik erleichtert das Leben: Wassermelder erkennen, wenn die Waschmaschine defekt ist oder die Badewanne überläuft. Eine Herdüberwachung meldet, wenn die Kochplatten nicht ausgeschaltet wurden. Sensoren reagieren darauf, wenn Fenster und Terrassentüren nicht geschlossen sind - die Hochschule Düsseldorf hat eine Fülle technischer Hilfsmittel entwickelt, die es Menschen mit Demenz ermöglichen sollen, länger zuhause leben zu können. Während die Geräte in zehn Haushalten getestet wurden, ist bereits die nächste Erfindung entwickelt.

"Nutzerwelten" heißt ein Forschungsschwerpunkt der Hochschule, in dem Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen kooperieren. Ihr Ziel: Hilfsmittel zu entwickeln und zu testen, die den Alltag erleichtern. Dafür hat das Team von Ulrich Schaarschmidt, Professor für Elektrotechnik, Geräte entwickelt und selbst gebaut, die über einen Computer miteinander vernetzt sind. Dazu gehören auch Fernbedienungen, die elektrische Geräte von jedem Punkt der Wohnung, oder auch von außerhalb, steuern. Bewegungsmelder, die nachts das Licht einschalten und Warngeräte, die erkennen, wenn ein Bewohner gestürzt ist und die im Notfall Alarm auslösen.

Zehn Düsseldorf Wohnungen wurden mit der Gerätekombination für vier Monate ausgerüstet. Und von einer wissenschaftlichen Studie begleitet. Manuela Weidekamp-Maicher, Professorin für Soziologie: "Wir wollten wissen, ob unsere Technik Lebensqualität und Sicherheitsgefühl verbessern." Befragt wurden beide Seiten: Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen, die sie betreuen. Beider Sichtweise ist durchaus unterschiedlich. So fanden fast 90 Prozent der Demenz-Patienten eine Herdüberwachung sinnvoll, aber nur gut 50 Prozent ihrer Angehörigen. Tür- und Fensterkontrollen fanden die Zustimmung von jedem zweiten Bewohner, aber die 100-prozentige Akzeptanz ihrer Betreuer.

"Generell ist das Interesse an unserer technischen Ausstattung groß, allerdings ist eine begleitende Beratung unbedingt notwendig", lautet ein Fazit der Professorin. Technik könne soziale Beziehungen nun mal nicht ersetzen, allenfalls ergänzen. Nur wenn sich verwirrte Menschen gut betreut fühlten, wenn ihr Umfeld stimmt, könnten sie die Technik als zusätzliche Hilfsmittel annehmen. Doch es stellte sich auch heraus: "Je mehr man über die eigene Sicherheit nachdenkt, desto unsicherer fühlt man sich möglicherweise."

Noch während der Erprobungszeit hat das Team von Ulrich Schaarschmidt ein neues Gerät entwickelt, diesmal für Menschen mit Demenz, die im Heim leben. "Da passiert es immer wieder, dass Frau Schmidt sich in der Tür irrt und statt in ihrem Zimmer in dem von Frau Müller landet." Häufig würde sich darüber ein heftiger Streit entwickeln, da beide Frauen annehmen, im richtigen Zimmer zu sein. Nun hat das Informatik-Labor ein Armband entwickelt, das (ähnlich wie bei Sportlern Puls und Schritte gemessen werden) über Funk mit der Zimmertür verbunden ist. Schaarschmidt: "Das Armband ersetzt den Schlüssel und lässt nur die Richtigen rein."

Mithilfe dieser Technik ließe sich auch im Eingangsbereich eines Pflegeheims eine Sicherung einbauen, durch die das Personal informiert wird, wenn ein Bewohner das Haus gerade verlassen möchte. Dieses Projekt wurde soeben mit dem Forschungspreis des Verbandes Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik ausgezeichnet - dotiert mit 5000 Euro.

Quelle: RP
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