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Serie So wohnt Düsseldorf
Ein Bauernhaus in Kö-Nähe

Ein Bauernhaus in Kö-Nähe
Ein Bauernhaus in Kö-Nähe FOTO: Bretz Andreas
Düsseldorf. In der Reichsgasse in Unterbilk ist Düsseldorfs Vergangenheit lebendig. Aber auch die Moderne hat dort ihren Platz gefunden. Von Ute Rasch und Andreas Bretz (Fotos)

Damals, als sie gerade begonnen hatten mit der Haussuche, da sagte Gerda Höck zu einer Maklerin, am liebsten hätte sie ein Bauernhaus an der Königsallee. "Die hat sich kaputt gelacht." Und sie vermutlich angesehen, also wollte sie sagen: Vielleicht auch noch mit Nordseeblick? Ein paar Wochen später hat sie nicht mehr gelacht, da hatten die Höcks mit Hilfe eines Freundes ihren Traum erfüllt: ein altes Bauernhaus mitten in der Stadt, zwar nicht ganz an der Kö, aber quasi um die Ecke. "Das war pures Glück", sagt Gerda Höck. Per Handschlag bekräftigt - wie früher.

Die Reichsgasse im Stadtteil Unterbilk an einem der letzten Spätsommertage. Der Postbote radelt gerade durch das Zick-Zack-Sträßchen zwischen Fürstenwall und Reichsstraße. An beiden Enden ist die Großstadt mit ihrer Geräuschkulisse deutlich präsent, aber in der Gasse ist Stille. Ländlich.

"Dat Terräng es et letzte Jrondstöck us der alde Ziet on kann bes 1730 nohjewiese wähde", berichtete "Das Tor", Monatsmagazin der Düsseldorfer Jonges, 1979 in "Erenneronge an't Reichsjäßke." Und genau dort (am Grundstück aus der alten Zeit, das bis 1730 nachgewiesen werden kann) öffnet Gerda Höck gerade eine grüne Pforte: Willkommen in Düsseldorfs Vergangenheit.

Überliefert ist, dass die vier alten, schneeweißen Häuser Teil eines alten Gutshofs waren, zu dem auch eine Molkerei gehörte und ein gemauerter Backofen, wo die Nachbarschaft ihren Stuten fürs Sonntagsfrühstück backte. 1910 wurde das Terrain von der Düsseldorfer Familie Weil gekauft, der Sohn, Ludwig Weil, wurde später Bauleiter am städtischen Bauamt und setzte seine Energie für den Erhalt der Gasse ein.

Schon die frühen Bewohner sollen in "friedlicher Eintracht" gelebt haben. "Das ist hier heute immer noch so", bekräftigt Oliver Höck. Selbst als vor einigen Jahren das alte WestLB-Gebäude abgerissen und Platz geschaffen wurde für neue Wohnhäuser, stellte sich heraus, dass die alte Gasse ein Stück Modernität gut vertragen konnte. "Wir haben auch mit unseren neuen Nachbarn einen freundschaftlichen Kontakt", sagt Gerda Höck. Das zeige sich schon dadurch, dass alle gemeinsam, die neuen und alten Bewohner, jeden Sommer das Reichsgässchen-Fest feiern.

Aber auch im Alltag gelinge das Miteinander, selbstverständlich würde man mal eben eine Bohrmaschine oder ein anderes Gerät vom Nachbarn ausleihen, sagen die Höcks. "Wenn wir samstags durch die Gasse gehen, kommen wir nicht weit, ohne jemanden zu treffen. Man fängt einen Plausch an, und manchmal endet der am späten Abend auf irgendeiner Terrasse", so Gerda Höck.

Das Haus der Höcks hat seine bäuerliche Vergangenheit äußerlich fast abgestreift, wirkt eher wie eine ländliche Villa mit grün-weiß gestreiften Markisen - und leicht morbidem Charme. "Wir haben beim Einzug renoviert, nicht saniert." Jeder Bewohner hat in der Vergangenheit etwas verändert, angebaut, zurückgelassen. Der eine ließ einen Speisenaufzug einbauen, der andere einen gusseisernen Schrank über der Küchenheizung ("perfekt für Hefeteig"). Ebenfalls von einem Vorbesitzer stammen die alten Terracotta-Fliesen ("wir nennen ihn den Klosterboden"), die an ein Landhaus in der Provence erinnert. Der Künstler Günter Mertens, der vor den Höcks hier wohnte, schuf die Skulpturen, die sich im Garten im Schatten eines üppigen Kiwibaums behaupten. Und daneben versucht ein junger Olivenbaum, groß und stark zu werden.

Auf zwei Etagen ist das verwinkelte Haus in neun Räume aufgeteilt, "alle nicht sehr groß, daran erkennt man noch die bäuerlichen Strukturen", sagt Oliver Höck. Wo früher wohl mal ein Hauseingang war, haben sie ein zweites Bad einbauen lassen. Zurzeit sind sie dabei, das Wohnzimmer umzugestalten, "irgendwie ist in einem solchen Haus immer was zu tun." Nur eines wollen sie nicht: je wieder ausziehen. Schon wegen der vielen farbigen Striche neben der Küchentür.

Da haben sie das Wachstum ihres Sohnes Hannes (16) und auch seiner Freunde markiert. Jeder Strich ein Stück Erinnerung.

Quelle: RP
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