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Serie So Wohnt Düsseldorf
Ein Bauernhof - drei Generationen

Serie So Wohnt Düsseldorf: Ein Bauernhof - drei Generationen
Die nächste Generation: Der zwölfjährige Finn hilft seinem Vater Martin Schröder auch schon mal bei der Ernte. FOTO: David Young.
Düsseldorf. Im Schatten des Neubaugebiets von Einbrungen betreibt Familie Schröder ihre Landwirtschaft und lebt so, wie das früher üblich war: alle unter einem Dach. Von Ute Rasch

Immer rein in die gute Stube! Aber wo gibt es sie noch, die "guten Stuben", die repräsentativen Wohnzimmer, wo sich die komplette Familie an besonderen Feiertagen versammelt? Die verbunden sind mit Erinnerungen an unzählige Taufen und Geburtstage. Und Weihnachten natürlich. Wenn überhaupt, dann müsste sich auf einem der Düsseldorfer Bauernhöfe noch eines dieser seltenen und kaum genutzten Sonntagszimmer finden lassen. Vielleicht auf dem Hof von Familie Schröder in Einbrungen? Treffer!

Sie leben, wie das früher üblich war: alle unter einem Dach, sechs Menschen, drei Generationen. "Und das geht gut", versichern sie. Vielleicht deshalb, weil auf dem Hof genug Platz ist für alle, die alten Bauern, die jungen Bauern und zwei Kinder. Vielleicht auch, weil die Verbindungstür zwischen den beiden Hausteilen keine Türklinke hat. Wer zum anderen will, muss außen rum.

Einbrungen stand früher mal für ländliches Idyll. Für Ackerflächen, Viehweiden, weiten Blick. Dann kam vor mehr als 20 Jahren die radikale Wende, als hier Wohnungen für rund 2800 Menschen gebaut wurden. Mit Konsequenzen für die Landwirtschaft. "Unsere Flächen wurden immer kleiner, weil die Stadt immer größer wurde", sagt Hubert Schröder (87).

Hubert Schröder mit seiner Frau Hanni vor dem mehr als 200 Jahre alten Bauernhof. Der Landwirt kam 1954 nach Einbrungen. FOTO: David Young

Er kam 1954 aus dem Sauerland an Düsseldorfs nördliche Stadtgrenze. Die damaligen Besitzer des wohl über 200 Jahre alten Bauernhofs hatten keine Erben. Schröder blieb, arbeitete zehn Jahre in der Landwirtschaft, dann übernahm er mit Ehefrau Hanni den Hof. "Erst hatten wir Kühe, später Schweine, bis vor sechs Jahren, da haben wir die abgeschafft", sagt sie. Das Leben sei hart gewesen, "wir haben immer alles allein geschafft." Nebenbei hat sie auch noch vier Kinder groß gezogen. Haben Sie je Urlaub gemacht? "Nie."

Der älteste Sohn Martin (ein Mann mit einem Händedruck, als wolle er einen Baum umklammern) übernahm schließlich den Hof, baut auf 48 Hektar Getreide an. Und stand bald vor dem Problem, von dem kaum ein Landwirt verschont bleibt: "Es reichte einfach nicht." Also entschloss er sich, zusätzlich einen Gartenbaubetrieb zu gründen, und die Terrassen und Gärten in der Umgebung aufblühen zu lassen. Seine Frau Peggy eröffnete einen Hundesalon. Seine Erkenntnis: "Als Bauer muss man sich ständig anpassen."

Herzstück des Hofs ist das traditionelle Bauernhaus mit insgesamt 300 Quadratmetern Wohnfläche, das immer wieder um- und angebaut wurde und dessen Klinkerfassade heute nichts mehr von der Fachwerk-Vergangenheit ahnen lässt. Gegenüber ein Schuppen für Traktoren und anderes Gerät, auf dem Dach eine Solaranlage. An der alten Scheune klettert gerade Sohn Finn (12) die Leiter zum Heuboden hoch. Bei der Ernte hilft er schon mit, will mal den Betrieb übernehmen, aber ob er dann noch Getreide anbauen wird?

Martin und Peggy Schröder haben sich im neuen Hausteil eingerichtet, mit Wintergarten und Pavillon im Grünen - perfekter Platz für Pflaumenkuchenrunden im Sommer. Die üppige Blütenpracht wird von einem Heer Zwerge bewacht. Nebenan sitzen "Oma und Opa" an schönen Tagen auf der Holzbank vor ihrem Haus - wie schon ihr Leben lang. Im Zentrum ihrer Wohnung: die große Bauernküche, daneben ein Raum mit Sofa, Esstisch und karierter Tischdecke - das Wohnzimmer "für alle Tage." Auf dem Schrank versammeln sich die Fotos der sieben Enkelkinder. Und alle lieben Omas Rindfleischsuppe.

Wenn Weihnachten die gute Stube geöffnet wird, in der die Polstermöbel aussehen, als kämen sie frisch aus dem Schaufenster, ist die Großfamilie komplett versammelt. Nach der Bescherung holt Hanni Schröder einen kapitalen Puter aus dem Ofen, der für alle reicht. Aber nach den Feiertagen wird wieder die Heizung runtergedreht und die Verbindungstür zum Alltag geschlossen. Bis zum nächsten Fest.

Quelle: RP
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