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Serbisch-orthodoxe Kirche in Düsseldorf
Ein Bischof auf Heimaturlaub

Serbisch-orthodoxe Kirche in Düsseldorf: Ein Bischof auf Heimaturlaub
Bischof Andrej Cilerdzic und seine Mutter Marianne in der serbisch-orthodoxen Kirche in Lichtenbroich: Sein Vater hat die Kirche miterbaut, das Grundstück war ein Geschenk der evangelischen Gemeinde. FOTO: Torsten Thissen
Düsseldorf. Andrej Cilerdzic ist Bischof der serbisch-orthodoxen Kirche. Und er ist Düsseldorfer. Am Sonntag kam er zurück in seine Stadt und feierte mit den Gläubigen in der Kirche, die sein Vater aufgebaut hat. Von Torsten Thissen

Lachend kommt Bischof Andrej auf das Grundstück der serbisch-orthodoxen Gemeinde in Düsseldorf-Lichtenbroich, hinter ihm seine Mutter Marianne, 91 Jahre alt immerhin, doch auch sie genießt den Moment. Bischof Andrej hält den Gläubigen ein goldenes Kreuz hin, die bekreuzigen sich, küssen das Kreuz und seinen Ring, wechseln ein paar Worte, manche klopfen ihm auf die Schulter - mit dem nötigen Respekt natürlich, aber einer sagt es so: "Das ist einer von uns, und darauf sind wir stolz."

Andrej Cilerdzic ist Düsseldorfer. Zwar in Osnabrück geboren, aber im Alter von einem Jahr an den Rhein gezogen, hier in den Kindergarten und zur Grundschule gegangen. Sein Abitur hat er auf dem Humboldt-Gymnasium gemacht. Schon damals wollte er Priester werden, wie sein Vater, der von 1962 an die serbisch-orthodoxe Gemeinde in Düsseldorf aufgebaut hat. Er war auch die treibende Kraft für den Bau der Kirche und des Gemeindezentrums in Lichtenbroich, hier feiert Andrej Cilerdzic heute das serbisch-orthodoxe Weihnachtsfest, festlich, im Gewand aus Gold und Brokat, mit einer grün-goldenen Krone mit Edelsteinen besetzt - seine Ankleide ist Teil des Gottesdienstes.

"Protestanten und sogar Katholiken mag die Liturgie etwas theatralisch vorkommen", sagt Bischof Andrej später lächelnd. Es ist eines seiner Lieblingsthemen, die Ökumene, "sehr am Herzen" liegt ihm das, fügt er hinzu, was auch so ein Überbleibsel aus seinen Düsseldorfer Jahren ist: Die evangelische Kirche hat der serbisch-orthodoxen Gemeinde das Grundstück in Lichtenbroich damals geschenkt. Sein Vater konnte mit Hilfe eines Stipendiums der evangelischen Kirche Theologie studieren, als er mittellos vor Tito flüchtend in Deutschland gelandet war. "Wir sind sehr dankbar dafür", sagt Bischof Andrej. Ein- bis zweimal im Jahr ist der Bischof in Düsseldorf.

Es sind private Besuche, Seine Diözese allerdings ist riesig. Von Wien aus ist Bischof Andrej zuständig für die Gläubigen der neugegründeten Diözese Österreich-Schweiz-Italien, zudem ist er Administrator der Diözese von Frankfurt und ganz Deutschland. Die sei auch ein Grund, warum er nicht heiraten könne. "Mir bleibt gar keine Zeit, das würde keine Frau mitmachen", sagt er halb scherzhaft, halb ernst. Andrej ist ein Bischof mit Humor. Auch während der Predigt lachen die Gläubigen häufig. Nach dem Abitur zog es ihn in die Welt hinaus. Zunächst auf den Heiligen Berg Athos, danach studierte er unter anderem in Belgrad und München. Zum Priester wurde er 1990 in Düsseldorf geweiht, seine Mutter, eine gebürtige Ostwestfälin, die sich 1948 auf den ersten Blick in ihren späteren Mann verliebte, lebt immer noch in Düsseldorf.

Bis heute hält Bischof Andrej Kontakt zu seinen ehemaligen Mitschülern. Per Mail oder über soziale Netzwerke ist er mit ihnen verbunden. Nach dem Gottesdienst muss er etliche Tassen Kaffee im Gemeindehaus trinken. "Und ein Schnäpschen gehört auch dazu", sagt der Bischof. Und es gehört dazu, dass Bischof Andrej sich die Nöte der Menschen schildern lässt, dass er mit ihnen in gemeinsamen Erinnerungen schwelgt, ihnen zeigt, dass er für sie da ist. Es ist eben ein bisschen wie bei allen, die an Festtagen nach Hause kommen. Nur ein bisschen größer.

Quelle: RP
 
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