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Düsseldorf
Ein Eisbär auf dem Rhein

Düsseldorf: Ein Eisbär auf dem Rhein
Der Eisbär steht auf einer künstlichen Eisscholle, die der 19-jährige Tobias Komm mit seinem 4,3-Liter-Sportboot vom Typ „Nor-Dan“ auf Kurs zu halten versucht. FOTO: Marian Prill
Düsseldorf. Mit einer außergewöhnlichen Aktion versuchten ein Düsseldorfer Zahnarzt, ein britischer Meeresbiologe und ein Doppel-Weltmeister im Schlauchbootfahren auf das Phänomen wiederkehrender Naturkatastrophen aufmerksam zu machen. Von Marian Prill

Wenn ein Polarbär auf einer Eisscholle den Düsseldorfer Rhein hinunter schwimmt, sind dafür nicht unbedingt die schmelzenden Polkappen verantwortlich. Stattdessen verabredeten sich der Düsseldorfer Zahnarzt Dr. Hans-Dieter John, der britische Meeresbiologe Jamie Watts und der Doppel-Weltmeister im Schlauchbootfahren, Tobias Komm, zur Charityaktion "Polarbär Rallye am Rhein".

Böige Winde peitschten um 16.40 Uhr über die Rheinpromenade, wirbelten Sand durch die Luft und ließen die Staffelei von Jamie Watts gefährlich schwanken. Und das obwohl er längst Schutz unter dem Vordach eines Cafés gesucht hatte. "Abbruch, wir brechen ab", ruft Zahnarzt Dr. Hans-Dieter John. Dabei stellt er sich schützend vor die wackelnde Leinwand, auf der Jamie Watts die Umrisse eines Eisbären gemalt hat.

Genau dieser Eisbär, der auf dem Computermonitor neben der Staffelei zu sehen ist, trotzt gerade Wind und Wetter. Er steht auf einer künstlichen Eisscholle, die der 19-jährige Tobias Komm mit seinem 4,3-Liter-Sportboot vom Typ "Nor-Dan" auf Kurs zu halten versucht. 230 PS kämpfen gegen mächtige Wellen vorüberfahrender Dampfer, und gegen den Sturm.

Anderthalb Stunden zuvor hat Zahnarzt Dr. John das ungewöhnliche Gefährt abfotografiert und das Bild Jamie Watts über den Monitor zugänglich gemacht. Promenade auf, Promenade ab wundern sich die Passanten über den Exoten auf dem Fluss, fotografieren und fragen nach, was das soll. Die Antwort ist ganz einfach: Anlässlich des Japanunglücks und der immer wiederkehrenden Schlagzeilen von Naturkatastrophen, überlegten Dr. John und Jamie Watts im April, wie sie helfen könnten.

Beide verbindet die Liebe zur Natur und Tierwelt. Diese Gemeinsamkeit teilen sie bewusst, seit sie sich 2008 bei einer Expeditionsreise im Nordpolarmeer kennen lernten. Im Jahr 2011 warfen die Wissenschaftler ihr Können in die Wagschale. Während Dr. John am liebsten Flora und Fauna fotografiert, malt Jamie Watts exotische Tiere von Fotos ab. Eine Kombination die grandios zusammenpasste.

"Doch wie kommen wir in Düsseldorf an exotische Tiere in der freien Natur?", war die Frage die über Wochen im Raum stand. In Gesprächen mit Bekannten, befand Dr. John die Idee für gut, einen Eisbären auf einer Scholle über den Rhein zu ziehen und damit augenzwinkernd ein Symbol für den Tierschutz zu setzen.

Nächste Frage: Wer sollte eine solche Scholle ziehen? Über Kontakte wurde Dr. John auf Tobias Komm aufmerksam. Der 19-Jährige ist zweifacher Weltmeister im Schlauchbootfahren und wurde 2010 Deutscher Meister in der Kategorie "Schlauchbootslalom".

"Der Einfluss des Wetters war einfach zu groß", wird Doktor John später in seiner Praxis in der Grabenstraße sagen. Das Etappenziel wurde nicht erreicht, der Bär ist noch nicht vorzeigbar. Fest steht von Anfang an: das Kunstwerk soll zum Winterbeginn höchstbietend versteigert werden.

Klar ist auch, dass die filigrane Zeichenarbeit mehrere Tage in Anspruch nehmen wird. Deswegen bestätigt Jamie Watts noch einmal den Termin: "Ende Juli bin ich fertig." Er nimmt die Leinwand mit nach London, um das Kunstwerk zu vollenden. Dann holt ein Team der "Zahnarztkunst Düsseldorf" das Bild nach Düsseldorf zurück, sodass es symbolisch zum Winterbeginn höchstbietend versteigert werden kann.

Die Erlöse kommen dann den Tierschutzorganisationen PETA Asia und Birdlife International zugute. Letztere wird seit Jahren von Jamie Watts aktiv unterstützt.

 
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