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Serie So Klingt Düsseldorf
Ein Fundament für den guten Ton

Serie So Klingt Düsseldorf: Ein Fundament für den guten Ton
An der Bonifatiunsschule zeigen die Schüler, wo die Töne zu verorten sind: Das hohe "do" schwebt über den Köpfen. FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. In der "Singpause" trainieren mehr als 13.000 Grundschüler ihre Stimme. Professionelle Sänger singen dabei mit den Schülern. Das Pilotprojekt des Städtischen Musikvereins haben viele andere Städte übernommen. Von Ute Rasch

Mach mal Pause, sing ein Lied! Die 28 Jungen und Mädchen der vierten Klasse der Bonifatiusschule kennen das schon: Plötzlich, mitten im Unterricht klopft es an die Tür. Opernsängerin Dinah Berowska tritt ein - mit einer gesungenen Begrüßung: "Guten Morgen, Kinder." Die Antwort kommt prompt, ebenfalls singend. Was diesem Ritual folgt, sind 20 klingende Minuten, in denen die Jungen und Mädchen Stimme, Gehör und Rhythmusgefühl trainieren. Und singen. Eine Düsseldorfer Spezialität, vom Städtischen Musikverein in Schwung gebracht, hat Nachahmer in vielen Städten gefunden: die "Singpause."

"Schreiben, Rechnen, Singen soll ein Kind aus der Schule bringen", zitiert Manfred Hill, Vorsitzender des Musikvereins, ein Sprichwort. "Nur das Singen kommt ja heutzutage meistens zu kurz." Dabei sei es wichtig, dass das Fundament für den guten Ton schon in frühen Jahren gelegt werde. Gemeinsam mit dem Kulturamt formulierte Hill deshalb vor zehn Jahren ein ehrgeiziges Ziel: Jedes Düsseldorfer Grundschulkind sollte singen lernen, unabhängig von Begabung und sozialem Hintergrund. Er nennt das "musikalische Alphabetisierung".

Was damals als Pilotprojekt begann, kann heute eine beispiellose Erfolgsgeschichte präsentieren: Die "Singpause" ist an 60 Grundschulen etabliert und fördert zurzeit mehr als 13.000 Jungen und Mädchen. Hill bezeichnet sie als "eine der größten musikalischen Bildungseinrichtungen für Grundschüler europaweit." Gesungen wird nicht etwa in den Pausen, wie der Name des Programms vermuten lässt, sondern zweimal in der Woche mitten im Unterricht. Was alle Beteiligten verblüfft: Die Kinder machen dabei sehr schnell Fortschritte und können in kürzester Zeit singen.

Und Notenlesen sowieso. Ben, Lisa und die anderen in der vierten Klasse der Bonifatiusschule lösen gerade singend ein Rätsel, dabei sind ihre Hände ständig in Bewegung. Bei jedem Ton zeigen sie auf einen Teil ihres Körpers, das "re" steckt in Herzhöhe, das "mi" unterm Kinn, das hohe "do" schwebt über den Köpfen. Sie werden von Dinah Berowska nach der sogenannten "Ward-Methode" unterrichtet, entwickelt von einer amerikanischen Musikpädagogin. Am Ende der vierten Klasse werden sie annähernd 150 Lieder in ihrem Repertoire haben wie "Der Gorilla mit der Sonnenbrille" - in zehn verschiedenen Sprachen.

Bei vielen Kindern stärken solche Fähigkeiten enorm das Selbstbewusstsein. Manfred Hill erzählt die Geschichte des kleinen Mustafa, der es im Unterricht nicht leicht hatte, mit der Anerkennung seiner Mitschüler ebenso. Nun aber singt seine Klasse gerade ein türkisches Lied, er kann die Aussprache der anderen korrigieren und spielt zum ersten Mal die erste Geige. Überhaupt wirkt die "Singpause" lange nach. "Die Kinder sind danach deutlich ruhiger und konzentrierter", berichtet der stellvertretende Schulleiter Manfred Damm. Ein Neunjähriger bringt es auf den Punkt: "Nach dem Singen ist Mathe ein Klacks."

Einmal im Jahr gehört den Kindern die ganz große Bühne: In 16 Konzerten treten alle Teilnehmer der "Singpause" in der Tonhalle auf - umjubelt von Eltern und Großeltern. Da Applaus bekanntlich süchtig macht, gehen danach viele in einen Chor. Außerdem wissen sie nun, dass sie ein wunderbares Instrument immer mit sich tragen: ihre Stimme.

Quelle: RP
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