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Kolumne Auf Ein Wort
Ein Gespräch über den Himmel

Düsseldorf. Wo ist der Himmel?", frage ich in die Runde. Zwei Seniorinnen zeigen durch die großen Panoramafenster auf das Blau über dem frischen Grün des Parks: "Na, da oben natürlich."- "Stimmt. Und wo ist der `Himmel´, in den Christus `aufgefahren´ ist?"

Erst mal herrscht Schweigen im Saal des Pflegeheimes. 40 Senioren, fünf ehrenamtliche Helfer und einige jugendliche Praktikanten aus unserer Jugendhilfe feiern hier Gottesdienst. "Ist dieser `Himmel´ auch da oben?", frage ich noch mal. "Wenn der schon so fragt, dann wohl nicht", murmelt schmunzelnd Praktikant Pascal (14). Die Ehrenamtliche Anne W. (64) sagt: "Der `Himmel´ von Christi Himmelfahrt ist für mich ein Bild, ein Symbol. Genau so, wie man ja auch sagt: `Jemand ist im siebten Himmel´. Verliebte sind im siebten Himmel. Und dieser siebte Himmel ist im Herzen und nicht da, wo die Flugzeuge rumfliegen." "Ach so, dann ist das gar nicht wörtlich gemeint?", fragt Praktikant Marco (11) verwundert.

"Du bist ja echt ein Schnellmerker", frotzelt Pascal. "Das ist so, wie wenn unser Lehrer sagt: `Quatsch mir doch kein Kotelett an die Backe´. Der meint doch auch kein echtes Kotelett."

Der Senior Rudolf M. (71) sagt mit pfiffigem Grinsen: "Sie fragen: `Wo ist dieser Himmel´. Ich denke, dass `Wo´ die falsche Frage ist. `Wie´ ist die bessere Frage. `Wie´ ist dieser Himmel. Denn ich meine: Mit Himmel ist nicht ein Ort gemeint, sondern eine Beziehung."

"Also so, wie bei dem siebten Himmel der Verliebten?", fragt Anne W. "Die Liebesbeziehung ist wie der Himmel?"

"Genau. Der `Himmel´ ist Gottes Liebe", erwidert Rudolf M. "Und Liebe ist ja kein Ort. Sondern eine Beziehung. `Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm´ - so steht es im Johannesbrief."

"Also ist Jesus gar nicht von einer Wolke in den Himmel aufgehoben worden?", fragt Marco enttäuscht. "Was feiern wird denn dann an Himmelfahrt?"

"Jesus ist gut aufgehoben in der Liebe Gottes. Das feiern wir an Christi Himmelfahrt", sage ich.

Kurzes Schweigen. Dann kommt aus der Praktikantenecke leicht süffisant ein gedehntes: "Aaamen!"

Quelle: RP
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