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Düsseldorf
Ein Hafenkran reist nach Honduras

Düsseldorf. In Einzelteilen wird einmal pro Woche bei Demag ein Riesenkran losgeschickt. Nadelöhr ist ein Bahnübergang der Strecke nach Köln. Von Thorsten Breitkopf und Hans-Jürgen Bauer (Fotos)

Schon vor Mitternacht starten die Schwerlastwagen der Firma Max Goll ihre großen Dieselmotoren auf dem Hof des Benrather Terex-Werkes (früher Demag). Die imposanten Schlepper mit ihren Dutzenden Achsen stehen in einer Reihe auf dem Werkshof. Die Polizei ist eingetroffen und begleitet den Transport.

Punkt 0 Uhr beginnt der Konvoi seine Reise. Auf vier Lkw sind die Einzelteile für den größten Kran geladen, den Terex im Programm hat. Die Arbeiter nennen das Modell "den Achter". "Wenn er aufgebaut ist, wird er mehr als 70 Meter hoch sein, allein der Turm wiegt 90 Tonnen", sagt Terex-Werkleiter Johann Meyer. Der Hafenkran wurde an einen Kunden in Honduras verkauft. "Dazu werden die Einzelteile per Binnenschiff aus dem Reisholzer Hafen nach Rotterdam verschifft. Dort bauen wir den Mobilkran zusammen. Dann geht es per Hochseeschiff nach Mittelamerika", sagt Meyer. Doch bevor es überhaupt auf ein Schiff geht, muss der "Achter" noch vom Werk zum Rhein gebracht werden.

Die erste Engstelle ist das Terex-Werkstor. Der Lkw mit dem so genannten Oberwagen des Krans, also das Gehäuse für Motoren und Technik, ist so breit, dass rechts und links nur wenige Zentimeter Platz sind. Andreas Wiench von der Transportfirma steht am Engpass und informiert den Fahrer per Funk darüber, wie viel Platz wirklich ist. Über Spiegel wäre das uneinsehbar. "Gegebenenfalls kann ich den Anhänger auch per Fernsteuerung von hinten lenken", sagt Wiench.

Anschließend zieht der Lkw-Treck im Schritttempo durchs nächtliche Benrath. Die Einfamilienhäuser an der Süllenstraße wirken winzig neben den riesigen Schwertransportern mit ihrer Last. Nach wenigen Minuten stoppt der Transport an der Bahntrasse, die Köln und Düsseldorf verbindet. Pkw können die Unterführung der Bamberger Straße benutzen. Doch für die Schwertransporte ist sie zu niedrig.

Die Stadt Düsseldorf ist aber bislang nicht bereit, die Unterführung so umzubauen, dass die Lkw durchpassen. Daher hat der Kranbauer einen eigenen Bahnübergang. Dort ist die kritischste Stelle der ganzen Reise nach Honduras. "Wir haben ein Zeitfenster von 1.20 Uhr bis 1.40 Uhr. Da fahren hier keine Züge, und der Transport kann rüber", sagt Werkleiter Meyer. Doch es gibt Verzögerungen. Der letzte ICE ist noch nicht durch. Er kommt um 1.23 Uhr.

Jetzt sind Wolfgang Büttner und seine Kollegen gefragt. Im Auftrag der Bahn schalten sie den Strom der Oberleitungen zwischen Langenfeld und Düsseldorf ab. Alles andere wäre zu gefährlich. Außerdem müssen die Stromkabel noch um einige Meter angehoben werden, damit der Treck durch kann. Es vergehen wertvolle Minuten. Erst um 1.33 Uhr kann Büttner das Startsignal geben. Die Schranken öffnen sich, und die vier Schwerlaster fahren im Schneckentempo über die Gleisstränge. Für Büttner wird es knapp.

Die Lkw brauchen rund fünf Minuten, die Oberleitung zu senken dauert weitere drei, doch um 1.40 Uhr muss die Strecke für den nächsten Zug frei sein. Büttner behilft sich mit einem Trick: Da der letzte Lastwagen etwas niedriger ist als die Ersten, kann die Oberleitung schon gesenkt werden, während die Lkw noch fahren. Es klappt, um Punkt 20 Minuten vor zwei ist die wichtige Bahnstrecke wieder frei.

So reibungslos funktioniert das nicht immer. "Vor einigen Wochen stand ein Bagger im Weg. Da mussten wir die Kranteile wieder zurück ins Werk bringen", sagt Meyer. Eine Verzögerung kann schwere Folgen haben. "Wenn der Kran dadurch zu spät in Rotterdam ankommt, ist das Schiff weg, das kann nicht auf uns warten. Und dann würde der Liefertermin platzen", erklärt Meyer.

Eine zweite Hürde ist die Begegnung des Transports mit der Straßenbahnlinie 701 an der Bonner Straße. Hier schalten Rheinbahnmitarbeiter den Strom ab und heben die Oberleitung an.

In den frühen Morgenstunden erreicht der "Achter" in Einzelteilen den Reisholzer Hafen. Dort wird er auf ein Binnenschiff verladen. Von Rotterdam aus wird der Düsseldorfer Kran dann binnen zwei Wochen mit dem Schiff Honduras erreichen.

Quelle: RP
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