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Serie So Wohnt Düsseldorf
Ein Haus aus Stahl

Düsseldorf. Es gibt nur noch wenige solcher Wohngebäude: In Kaiserswerth lebt und arbeitet eine Architektenfamilie in einem Denkmal aus Stahl. Von Dagmar Haas-Pilwat

Das Wasser tropfte durch die Decke, die Fassade rostete vor sich hin, im Keller war nichts als Schimmel. Katrin Turck (40) erinnert sich gut an so manch schlaflose Nacht, in der sie sich gefragt hat: "Warum haben wir bloß so einen Schrotthaufen gekauft". Denn eigentlich lebte sie behaglich mit Familie in einem Haus in Wittlaer. "Aber irgendwas hat uns angezogen", sagt Ehemann André (45). "Wie in einem Dornröschenschlaf stand es da vermoost, verrostet und mit herunterhängenden Klappläden", erinnert sich das Architekten-Paar.

Die Recherchen ergaben, dass das M.A.N. Stahlhaus in Kaiserswerth 1952 gebaut wurde. Mit dem Fertighaus wollte die Maschinenfabrik nach dem Krieg neue Wege beschreiten, wobei für sie als eisenverarbeitende Industrie nur Stahl als hauptsächlicher Werkstoff in Frage kam. Das Unternehmen warb damals damit, in nur zwei Tagen aus wenigen in der Fabrik vorproduzierten Elementen in Baukastenbauweise die stählerne Fassade zu errichten. "18.800 Mark hat so ein Haus gekostet", sagt Turck. Damals war das zwar viel Geld, aber ein Spottpreis im Vergleich zu den 450.000 Euro, die die Bauherren allein in die ein Jahr dauernde Sanierung und den Anbau des unter Denkmalschutz stehenden Hauses investiert haben.

"So aufwendig haben wir uns die Arbeiten nicht vorgestellt", betonen die beiden. Der eigentliche Baukörper steht auf einem gemauerten Kellergeschoss. Die tragende Konstruktion besteht aus Stahlträgern, die Fassade aus raumhohen Stahlkassetten, die ursprünglich mit Glaswollmatten gedämmt und mit Holzfaserplatten verkleidet waren. Da sich das Haus in einem sehr schlechten Zustand befand, und den heutigen Anforderungen an den Wärmeschutz nicht genügte, wurden die Außenwände bis auf das Stahlblech freigelegt. Unter Berücksichtigung der bauzeittypischen Eigenheiten wurde das Dach gedämmt und neu gedeckt, die Außenwände wurden neu lackiert, mit Zellulosedämmung isoliert und von innen mit Lehmputz verputzt und eine Wandheizung integriert. Die alten Dielenböden wurden abgeschliffen und geölt, Sanitär und Elektroinstallationen erneuert, die ebenfalls denkmalgeschützten Einbauschränke und die Küche aufgearbeitet. Und die ist schon ein historisches Schätzchen: Das Design erinnert an eine Frankfurter Küche im Bauhausstil. Allerdings haben die Turcks sie in sonniges Gelb getaucht.

Die Bauherren wollten ihr eigenes Architekturbüro in das Haus integrieren. "In Abstimmung mit der Denkmalbehörde haben wir auf der Gartenseite einen mit unbehandeltem Lärchenholz verkleideten Anbau mit einem eigenem Eingang und Blick in den großen Garten errichtet", erklärt Turck. Und dort entstehen nun Entwürfe für neue Architektur-Projekte. Durch die Erweiterung über dem Büro hat die Familie zudem eine großzügige Dachterrasse gewonnen. Das Freiluftzimmer schließt sich nahtlos an den Wohnraum an.

Vor knapp einem Jahr sind die Turcks mit Sohn Levi (10), Tochter Lisa (8) und Hund Lucky an der Kreuzbergstraße eingezogen und genießen das Leben in denkmalgeschützter Hülle. Klar müssen sie sich um die vor Rost anfällige Fassade kümmern. "Aber das ist genauso wie mit einem alten Auto - Pflege muss eben sein."

Quelle: RP
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