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Serie So Wohnt Düsseldorf
Ein Haus mit starkem Charakter

Serie So Wohnt Düsseldorf: Ein Haus mit starkem Charakter
Eine Wasserachse teilt den Garten und setzt sich auf der anderen Hausseite fort. FOTO: IKE BRANCO S.A.
Düsseldorf. Eigenwillige Architektur in Wittlaer mit strenger Form, klaren Linien und einer Fassade, in der kein Stein dem anderen gleicht. Von Ute Rasch

Dieses Haus macht sich ziemlich breit. Es hat strenge Formen, klare Linien, ein flaches Dach, eine Fassade, in der kein Stein dem anderen gleicht. Und es ist groß, sehr groß. Dieses Haus bietet einer Familie mit vier Kindern Platz, es ist zweifellos komfortabel, ja luxuriös, aber keineswegs protzig. In seiner hübschen Nachbarschaft mit schrägen Dächern, Balkonen, Erkern, wirkt es wie ein wuchtiger Körper. Ein Haus mit Charakter, das neugierig macht, wie wohl sein Innenleben ausschaut.

Aber bevor man eintritt, lohnt es, sich noch eine Weile mit dieser äußeren Erscheinung zu beschäftigen. Und der Lage, einerseits an einer Durchgangsstraße in Wittlaer, von der aus nur die Garagen und eine grün überwucherte Wand zu sehen ist, andererseits am Endpunkt einer Sackgasse, zu der sich der Eingang öffnet. Schon von weitem fällt die Fassade auf, im warmen Ziegelrot von Torfbrandstein. Sie haben lange gesucht, nach diesem Material, die Familie und ihr Architekt Michael Dahmen. Sind bis nach Ostfriesland gefahren, zu einer der letzten Torfbrennereien, die seit über 100 Jahren in Handarbeit diese Steine fertigt. "Als wir die gesehen haben, wollten wir nichts anderes mehr", erinnert sich der Hausherr.

Vom Esstisch hat die Familie den perfekten Blick in den Garten - aber nur im Sitzen, denn das Fenster ist nur 1,35 Meter hoch. FOTO: Ike Branco

Ursprünglich beabsichtigten er und seine Frau, ein bestehendes Haus auf diesem Grundstück umzubauen und zu erweitern. "Aber wenn man Wände herausnimmt, wenn man also in die Statik eingreift, wird es kompliziert", so Dahmen. Außerdem weiß man nie genau, wie sich die Kosten entwickeln. Und dann gab es diesen Entwurf, der sie sofort überzeugte: Ein Haus, das in drei Zonen eingeteilt ist, ein hoher Mitteltrakt, zwei eingeschossige Seitenflügel. Von außen wird diese Teilung durch ein schmales, vertikales Fenster betont - Durchblick vom Boden bis zum Dach. Daneben die Haustür, schlicht und breit, jenseits der üblichen Proportionen.

Wer eintritt, wird sofort konfrontiert mit Kunst - ebenfalls im Großformat. Ursprünglich war diese Wand weiß, dann aber planten die Kollegen des Hausherrn, ihn mit einem ganz besonderen Geschenk zu überraschen. Und nun füllt ein schwarz-weißes Werk des Düsseldorfer Künstlers Eduard Winklofer eine vier Meter breite Fläche. Das Motiv: übereinander gerutschte Tische, darüber hat der Künstler mal gesagt, das erinnere ihn an Eisschollen im Meer.

Dieses Wandbild stammt von dem Düsseldorfer Künstler Eduard Winklhofer. FOTO: Manos Meisen

Vorbei an diesem Bild öffnet sich ein großer Raum, Zentrum des Familienlebens mit offener Küche, Esstisch für mindestens zehn Menschen, Platz zum Spielen. Und Blick in zwei Himmelsrichtungen und zwei Gärten, die die Handschrift des Landschaftsarchitekten Bernhard Korte tragen und die strenge Geometrie des Hauses in Grün fortsetzen: Buchsbaumhecken, Efeuwände, Streifen mit dunkelgrauem Split, Wasserachsen auf beiden Seiten als verbindendes Element.

Glastüren öffnen sich zum Garten an der Ostseite, ein 1,35 Meter hohes Fenster direkt über dem Fußboden Richtung Westen - sitzt die Familie am Tisch (und nur dann), hat sie den perfekten Blick ins Freie. Die Sonne wandert rund ums Haus, zaubert am Morgen Wasserreflexe an die Decke, am Nachmittag wird der angrenzende Wohnraum vom Licht illuminiert. Eine spezielle Belüftungsanlage sorgt dafür, dass in den Räumen und selbst in den Schrankwänden ständig Luft zirkuliert. "Das sorgt für ein sehr angenehmes Raumklima, außerdem haben wir so gut wie keinen Staub", so der Hausherr.

Im ersten Stock ist reichlich Platz für fünf Schlafräume und drei Bäder. Wer hier wohnt, ist nicht zu übersehen: Große Fotos der Kinder schmücken die Türen der Einbauschränke. Direkt vom Bett im Elternschlafzimmer fällt der Blick auf eine intime Terrasse und in die Krone eines alten Kirschbaums. Dass dieses Haus überhaupt wie geplant entstehen konnte, ist das Ergebnis eines zähen Ringens zwischen Architekt Dahmen und den städtischen Behörden. Denn bei einem Flachdach, so verlangt es das Baugesetz, darf das Erdgeschoss nur zu zwei Dritteln überbaut werden. "Wir haben schließlich mit dem Planungsamt eine Lösung gefunden", so Dahmen, die die Wirkung dieser Haus-Skulptur nicht beeinträchtigte.

Irgendwann, wenn die vier Kinder der Familie flügge sind, werden diese 430 Quadratmeter (inklusive des überdachten Schwimmbads) und ihren vielen Räumen wohl zu groß sein. Und dann? "Dann müssen wir eben noch mal umziehen." So klingt Pragmatismus.

Quelle: RP
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