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So wohnt Düsseldorf
Ein Haus wächst über sich hinaus

So wohnt Düsseldorf: Ein Haus wächst über sich hinaus
Nicole Korte und Uwe Seidel mögen vor allem die offene Raumgestaltung und die grau gestrichenen Mauerteile, die an das alte Haus von 1926 erinnern. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Nicole Korte und Uwe Seidel haben das alte Elternhaus um ein Stockwerk aufgestockt. So entwickelten sie etwas Neues, das das Alte integriert. Von Sonja Schmitz

Wenn Nicole Korte und ihr Lebensgefährte Uwe Seidel sich daran erinnern, wie alles angefangen hat, müssen sie heute noch lachen. Damals lebten sie am Niederrhein und hatten schon im Hinterkopf, dass sie eines Tages in ihre Düsseldorfer Heimat zurückkehren wollten. Eine konkrete Vorstellung, wo und wann dies sein könnte, hatten sie damals aber eigentlich noch nicht.

Eines Tages besuchten sie Kortes Stiefvater Kurt Ehrlich im Stadtteil Urdenbach. Der lebte mittlerweile allein in dem Haus an der Kammerrathsfeldstraße, in dem Nicole Korte aufgewachsen war. Sie tauschten Neuigkeiten aus. "Das Dach ist undicht, es tropft rein", berichtete er. Im Spaß schlug ihm die Tochter vor: "Da kannst du auch gleich aufstocken." Um sich dann zu fragen: "Geht das technisch?" Die Idee klang interessant. Die Familie beauftragte die Düsseldorfer Architekten Schiffers Roelofs, einen Entwurf zu machen, wie ein möglicher Umbau aussehen könnte. Das Ergebnis gefiel der Familie so gut, dass sie beschlossen, die Idee in die Tat umzusetzen. Und so entstand aus dem 1926 erbauten Einfamilienhaus mit gelb-braunen Klinkern ein modernes Wohnhaus mit Mansardendach für zwei Generationen.

Vom Küchenbereich geht es über eine Treppe in das lichtdurchflutete Geschoss unter dem Mansardendach, das durch leichte Schrägen viel Raum hat. FOTO: Endermann Andreas

Im Erdgeschoss lebt - wie eh und je - Kortes Stiefvater. Im dazugekommenen Stockwerk mit der Ebene unter dem Mansardendach leben die Steuerberaterin und ihr Lebensgefährte. Der Raum im neu geschaffenen Stockwerk hat viel Licht und ist offen gestaltet. "Das war uns wichtig", sagt Uwe Seidel, "so viele Türen wie nötig, aber so wenige wie möglich. Wir möchten eben miteinander wohnen."

Struktur bekommt der offene Raum durch einen Mittelblock, der farblich mit einem Naturton abgesetzt ist. Im ersten Stock des Einfamilienhauses trennt er das Wohnzimmer von dem Bereich der Küche und des Essraums ab. Hinter dem Mittelblock versteckt liegen das Treppenhaus, aber auch Hauswirtschaftsräume, Toilette und Badezimmer. Helle Wände und durchgehendes, geräuchert und gehobeltes Eichenparkett sorgen für eine helle und freundliche Atmosphäre. Als durchgehende niedrige Fensterbänke wurden Eichenbohlen verwendet, die auch einen bequemen Sitzplatz bieten.

Wo heute das Sofa steht, war früher Nicole Kortes Kinderzimmer unter dem Satteldach. An den seitlichen Wänden wurde ein Teil des alten Mauerwerks stehengelassen und mit grauem Zementputz überstrichen. FOTO: Endermann Andreas

Obwohl das Haus von früher nicht wiederzuerkennen ist, erinnert noch etwas daran: An den seitlichen Wänden wurde ein Teil des alten Mauerwerks stehengelassen und mit grauem Zementputz überstrichen. Ein Element, das den Bewohnern nicht nur aus optischen Gründen gut gefällt. "Auf diese Weise ist das Haus neu und modern, verleugnet das Alte aber nicht", findet Nicole Korte. Mit positiven Gefühlen ist für sie der Gedanke verbunden, dass dort, wo heute das Sofa steht, früher ihr Kinderzimmer war.

Ein Lieblingsplatz der Bewohner befindet sich auf der Ebene unter dem Mansardendach. Dorthin führt vom Essbereich aus eine Treppe mit schlankem Geländer. Oben angelangt fühlt man sich angesichts der zahlreichen Fenster wie in einem Wintergarten. Der Blick geht von dort ins Grüne und durch die obere Fensterfront in den Himmel. Über eine große Schiebetür gelangt man auf die neue Dachterrasse. An warmen Abenden genießen sie die Ruhe und den Sonnenuntergang.

Der Raum unter dem Mansardendach bietet für ein Dachgeschoss viel Platz, weil es nur leichte Schrägen gibt. "Das war eine tolle Idee der Architekten", findet Korte. "Kleine Dinge kann man selber machen, aber für anderes braucht man eben doch Fachleute."

Zugute beim Selbermachen kam den Bewohnern, dass Kurt Ehrlich handwerklich geschickt ist. "Ohne Kurt hätten wir das nicht stemmen können", sagt Nicole Korte. Ende Juli 2014 hatten sie gemeinsam mit den ersten Arbeiten begonnen, dem Entkernen. Ende September kam der Bautrupp der Architekten. Das Dach wurde entfernt und gegen eine Notabdeckung getauscht. Während der sechsmonatigen Bauzeit lebte Kurt Ehrlich im Erdgeschoss. Wundert man sich, wie er den Baulärm ertragen hat, zuckt er die Schultern. "Ich bin Handwerker", sagt er. So hatte er stets im Blick, dass auf der Baustelle alles seinen richtigen Gang ging. Und nun profitieren alle vom Umbau. "Jeder hat sein eigenes Reich, und jeder guckt auf den anderen. Das ist einfach schön", sagt Nicole Korte.

Kürzlich, beim Tag der Architektur, nutzten viele Neugierige, die den Wandel des Hauses von außen beobachtet hatten, die Gelegenheit, sich einen Eindruck von den Innenräumen zu verschaffen. "Einige fanden es interessant, andere sagten: ,Das ist nicht mein Ding'", berichtet die Hausherrin. Wegen der offenen Bauweise sei es eben kein Modell für eine Familie mit zwei Kindern. "Man muss für sich klar haben: Was will ich, welchen Nutzen sollen mir die Räume bringen?", sagt Nicole Korte.

Als dann das Haus im März vorigen Jahres fertig war, stellten sich die Bewohner auf die andere Straßenseite, um es in seiner neuen Gestalt richtig und im Ruhe auf sich wirken zu lassen. Und Uwe Seidel fragte den Senior: "Ist doch schön geworden dein Dach, oder?"

Quelle: RP
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