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Düsseldorf
Ein Kessel Buntes aus der Stadtgeschichte

Düsseldorf: Ein Kessel Buntes aus der Stadtgeschichte
Volker Ackermann (v.l.) und Benedikt Mauer vom Düsseldorfer Geschichtsverein stellten das Jahrbuch vor. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Ein Bericht über die erste Studentengeneration der Heinrich-Heine-Uni, eine versunkene Begräbnisstätte in Pempelfort oder das Mysterium um ein englisches Dampfboot - das Düsseldorfer Jahrbuch vereint spannende Geschichten. Von Sven-André Dreyer

"Es ist nicht nur ein Buch für Historiker", sagt Benedikt Mauer, Schriftleiter und stellvertretender Vorsitzender des Düsseldorfer Geschichtsvereins bei Vorstellung des aktuellen Düsseldorfer Jahrbuchs. Vielmehr sei es ein Buch für alle historisch Interessierten. Und pünktlich wie in jedem Jahr erscheint es - in diesem Jahr liegt Band 86 vor - passend zu den Düsseldorfer Literaturtagen.

Auch wenn das 544 Seiten umfassende Werk, anders als in den Jahren zuvor, diesmal keinen thematischen Schwerpunkt besitzt, so werden doch gleich zwei bedeutende Jubiläen der Stadtgeschichte darin beleuchtet. Während sich Stadtarchivar Mauer mit den drei Leichenpredigten zu Johann Wilhelm von der Pfalz' Tod beschäftigt - der Fürst wurde tatsächlich dreimal umgebettet - , arbeitete Jürgen Rainer Wolf, erster Leiter des Sächsischen Staatsarchives in Dresden, zu einem ähnlichen Thema: Er beschäftigte sich mit der finalen Beisetzung Jan Wellems, erforschte die Gedenkveranstaltungen anlässlich dessen Todes und beschreibt den Wegzug der Witwe Anna Maria Luisa de Medici nach Florenz. Insbesondere bei der Erkundung und Auswertung der Grabreden tritt Interessantes zutage. So soll der Fürst eine große, im Volk jedoch nur mit wenig Begeisterung aufgenommene Affinität zur Sammlung von Kunst besessen haben. Auch seine ausgeprägte Jagdfreude wurde seinerzeit mit einem gewissen Argwohn betrachtet. Nicht zuletzt, so ermittelt Mauer, soll es sich bei Jan Wellem auch um einen wenig geduldigen, fast cholerisch anmutenden Charakter gehandelt haben.

Ein zweites großes Thema des aktuellen Bandes stellt das Jubiläum der ersten Fahrt eines Dampfschiffes vor 200 Jahren auf dem Rhein dar. Unter dem Titel "An Düsseldorf vorbei" zeigt der frühere Stadtarchivar Clemens von Looz-Corswarem in seinem Aufsatz, warum die einst technische Revolution nicht sofort in Düsseldorf ankam. Denn ob das ursprünglich aus England stammende Dampfboot im Sommer des Jahres 1816 auch tatsächlich in Düsseldorf Halt machte, ist bis heute nicht eindeutig belegt. Belegt hingegen ist das Bedenken der einstigen Treidelschiffer gegenüber der modernen, maschinellen Schifffahrt. Die nämlich waren besorgt, ihre Tätigkeit des manuellen Ziehens eines Schiffes auf dem Rhein auch nach Inbetriebnahme der motorisierten Boote ausüben zu können.

Und weil das Jahrbuch keinem Schwerpunkt verpflichtet ist, haben viele facettenreiche Inhalte der Stadtgeschichte Einzug gefunden. Aufsätze zur historischen Wirtschaftsgeschichte Düsseldorfs sind darin ebenso wie Berichte zur Denkmalpflege oder zur ersten Studentengeneration an der Düsseldorfer Uni. Dieser fehlte 1965 ein ausfinanzierter, langfristiger Entwicklungsplan. Die ersten Studenten der Heinrich Heine Universität gelten daher auch als "Versuchskaninchen", stellt Autor Max Plassmann in seiner Arbeit fest.

Quelle: RP
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