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Weihnachtspredigt Stadtdechant Ulrich Hennes
Ein Kind als Zeichen der Hoffnung

Weihnachtspredigt Stadtdechant Ulrich Hennes: Ein Kind als Zeichen der Hoffnung
FOTO: Staschik, Olaf (OLA)
Düsseldorf. Auf Anhieb sieht man sie gar nicht! Mitten im ornamenthaften Blattwerk! - Oder sind es Scherben einer Welt, in der vieles zu Bruch gegangen ist? - Mittendrin sind sie auch nicht, sondern am Rand: Maria und das Kind! Links darüber sieht man noch den Kopf des Ochsen.

Der behütende Josef fehlt - auch der Esel, der Maria nach Bethlehem getragen hat. Schutzlos, hilflos, an den Rand gedrängt! So hat Ludwig Baur in den 60er-Jahren die Geburt Jesu in einem der Südfenster der Basilika St. Lambertus dargestellt. Damals beherrschte der Kalte Krieg die Weltpolitik; Kubakrise; die Sorge vor einem Dritten Weltkrieg. 50 Jahre später gewinnt das Bild eine erschreckende Aktualität: Ein Scherbenhaufen politischen Versagens in der Krise des Nahen Ostens. Die Gemengelage der Konfliktherde bis nach Europa ist unübersichtlich geworden. Die Menschen aus dem Nahen Osten und in Europa, so ist nach den Ereignissen von Paris deutlich geworden, sind hasserfülltem Terror plötzlich ausgeliefert. Selbsternannte Retter des Abendlandes fürchten um den Bestand christlicher Werte.

Aber wer sieht in all den Scherben das Hoffnungszeichen? Die Geburt Jesu aus Maria, die Menschwerdung Gottes an den Rand gedrängt, aus dem Blick verloren? Dennoch ist dieses Heilszeichen Gottes unsere Hoffnung. In seiner Schutzlosigkeit wird das Jesuskind zum Zeichen dafür, dass Gott auf der Seite all der Schutzlosen unserer Tage steht. Dieser menschgewordene Gottessohn wirft sein Licht auf die Scherben der Welt um ihn. Und plötzlich entdecke ich in ihnen nicht mehr Scherben, sondern stilisierte Engel in zarten Farben, die sich unter das trübe Grau mischen.

Ich höre Jesus sagen: "Richtet euch auf und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe" (Lk 21,28). An Weihnachten wird uns verkündet: "Ein Kind ist uns geboren, Ein Sohn ist uns geschenkt. (...) Man nennt ihn wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens". Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie Weihnachten in ihrem Leben hier und heute entdecken, die Hoffnung also, die uns mit der Menschwerdung Gottes geschenkt ist. Frohe Weihnachten!

Quelle: RP
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