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Kolumne Auf Ein Wort
Ein Konzil für alle Orthodoxen

Düsseldorf. Möglicherweise haben auch die nicht-orthodoxen Bürger Kenntnis darüber erhalten, dass ab Pfingstsonntag (nach dem orthodoxen Festkalender ist dies der 19. Juni) und für die Dauer von etwa zehn Tagen, auf Kreta die Große und Heilige Synode zusammenkommen soll.

Diese Synode ist ein panorthodoxes Konzil. Daran sollen möglichst alle orthodoxen autokephale Kirchen teilnehmen, wobei jede durch eine vierundzwangiköpfige Delegation aus Bischöfen vertreten und vom jeweiligen Patriarchen oder Erzbischof angeführt wird. Möglicherweise handelt es sich hierbei um die größte Synode im dritten Jahrtausend, auch wenn einige orthodoxen Kirchen ihre Teilnahme abgesagt haben oder noch zögern, nach Kreta zu reisen.

In jedem Fall wird es eine außergewöhnliche Versammlung. Allein an ihrer Größe lassen sich sowohl ihr Gewicht als auch die an sie geknüpften Hoffnungen ermessen. Nämlich Zeugnis in der heutigen Welt abzulegen, gemäß ihres Sendungsauftrages durch den Herrn "allen Völkern" die frohe Botschaft zu verkündigen (Mt 28,19). Nicht weniger als diese Mission soll sie erfüllen. Gegründet auf das heilige Evangelium, den ehrwürdigen Überlieferungen der vorangegangenen Synoden, der Lehre der heiligen Väter und selbstverständlich in aktuellem Bezug zu den komplexen Schwierigkeiten der heutigen Zeit. Wir richten unsere Erwartungen an das Konzil, als ob sich der Mund Gottes nach langer Zeit synodaler Stille öffnen würde. Zumal in einer Zeit voller Irritationen, Kompromisse, Ausweglosigkeiten, Verführungen, gottloser Manie, Umwälzung zeitloser Werte. In einer Ära globaler Unsicherheit, technologischer Allmacht, gesteuerter Gotteslästerungen, Vernichtung uralter Zivilisationen, gewalttätiger Vertreibung von Völkern aus ihrer Heimat, Christenverfolgungen apokalyptischen Ausmaßes. Wir alle dursten nach Wahrheit, Hoffnung, Licht, Stärke, Leben, Authentizität. Dies alles fehlt in unserer Zeit. Wir sind der Lüge, der Kompromisse, des Mittelmaßes, des Opportunismus, des toten Glaubens, der inhaltsleeren religiösen Extreme überdrüssig.

Wir hoffen und beten, die Synode möge ein Zeugnis der Einheit ablegen. Dass sich alle orthodoxen Kirchen versammeln und wir, trotz Sprachvielzahl und Mentalitätsunterschieden, denselben Glauben an den dreieinen Gott, die Mysterien der Kirche und das Mysterium des Menschen teilen und wir diesen gemeinsamen Glauben verkünden, ist ein heiliges und großes Ereignis.

Quelle: RP
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