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Rp-Serie Studium Und Ausbildung Im Neanderland (7)
Ein Kosmopolit mit festen Wurzeln

Düsseldorf. Wolfgang Malzkorn ist Philosoph und Mathematiker. Er beriet Banken auf allen Kontinenten. Nun lehrt er an der FHDW. Von Uwe Reimann

Er wollte nach dem Abitur unbedingt Philosophie studieren. Doch seine Eltern stellten eine Bedingung: Wolfgang Malzkorn sollte neben dem Magister auch einen Lehramtsabschluss anstreben. "Das versprach ich", sagt er heute lachend. Sein späterer Doktorvater "verführte" ihn dann, auch Mathematik zu studieren, denn "ich war immer derjenige, der wissenschaftliche Fragestellungen mit größtmöglicher Exaktheit zu lösen versuchte", sagt der gebürtige Neusser. Nach dem Magisterabschluss an der Universität Bonn ging er für zwei Forschungssemester an die University of Pennsylvania/USA - und lernte mit seiner Frau das Leben dort auch von anderen Seiten kennen. "Die Uni lag direkt neben den Slums. Das war gefährlich und die erste Übung war ,Wie überlebe ich'", sagt er augenzwinkernd.

Zurück in Bonn forschte Malzkorn weiter, promovierte mit einer Arbeit über Immanuel Kant und begann ein Habilitationsvorhaben. Dafür ging er zu einem weiteren Forschungsaufenthalt an die Stanford University an die Westküste der USA. Doch um die Jahrtausendwende waren plötzlich Zweifel da. Was machst Du da eigentlich und wo sind die praktischen Auswirkungen? Ist der universitäre Elfenbeinturm das, was Du willst? Er wusste: Ich muss was anderes machen. Nur was? "Direkt berufsqualifizierend waren meine Abschlüsse ja nicht", sagt er heute. Wenn, dann Strategische Beratung, dachte er sich, "denn eine umfangreiche methodische Ausbildung hatte ich ja".

Malzkorn bewarb sich bei Beratungsunternehmen und ging zu Oliver Wyman, einem Achttausender unter den Beratungsunternehmen. "Plötzlich war ich im Risikomanagement tätig und arbeitete mich dort schnell ein, denn die gute Atmosphäre dort machte großen Spaß." Malzkorn, der Kant-Experte und Uni-Forscher, kletterte plötzlich stramm die Karriereleiter bei den großen Unternehmensberatungen hinauf. Er wechselte vom Norweger-Pulli zum dunklen Anzug und verkaufte nun im direkten Kundenkontakt sein finanztheoretisches Know-how.

Von Wyman wechselte der heute 50-Jährige 2004 zu KPMG. Spätestens da war klar: Ein Beratertag endet nicht um 20 Uhr, ist mit vielen internationalen Kontakten verbunden, die Malzkorn stetig ausbaute. Er beriet Banken in Skandinavien, Portugal, Frankreich, Südafrika, Russland, Saudi-Arabien, Dubai, Mexiko, Taiwan, Korea bis nach Australien. "Es ist sehr befriedigend gewesen, sein Wissen in so vielen Formen verschiedenen Banken anbieten zu können", sagt er. Schließlich ging Malzkorn zu McKinsey. Man arbeitete im asiatischen Markt, in Thailand beispielsweise beriet er acht Monate lang eines der größten asiatischen Geldhäuser. Seine Arbeitstaktung: "Montagnacht hingeflogen, hart gearbeitet und donnerstags in der Nacht bin ich wieder zurückgeflogen." Die gemütliche Universität mit der Forschung hatte er längst hinter sich gelassen.

Dann, nach mehr als 14 Jahren in der Beratung, orientierte er sich aus persönlichen und familiären Gründen neu. "Es drängte mich, meine internationalen Erfahrungen im Risikomanagement und strategischen Management jungen Menschen zu vermitteln", sagt er. "Es zog mich zurück zum Ausgangspunkt meiner beruflichen Laufbahn an der Hochschule." Er lehrt und forscht seitdem als Professor an der FHDW, möchte dort ein Kompetenzzentrum für Finanzdienstleistungen gründen. Vor allem von seinem Erfahrungsschatz aus Asien, Afrika, Mittelamerika und Europa profitieren jetzt die Studenten. "Auch wenn ich in vielen Teilen der Welt gearbeitet habe, liegen meine Wurzeln im Rheinland." Da wollte er immer wohnen bleiben. Auch wegen seiner beiden Söhne, von denen der Jüngere bald eingeschult wird.

Quelle: RP
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